Bild 100 Jahre Schach in Siemensstadt – Der Festvortrag

Der Festvortrag unseres Vorsitzenden stand im Mittelpunkt der Festveranstaltung am 18. Januar 2013. In ca. 45 Minuten ließ er ein Jahrhundert Schachgeschichte Revue passieren. Die Ausführungen wurden von Illustrationen an der großen Projektionswand unterstützt.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schachfreunde, liebe Gäste,

Vortrag Es heißt, man solle die Feste feiern, wie sie fallen. Man kann auch die Jubiläen nur so feiern, wie man von ihnen weiß.
Noch vor wenigen Jahren sind wir davon ausgegangen, dass diese 100-Jahr-Feier im Frühjahr 2019 stattfinden wird. Nein – bleiben Sie da, wir feiern heute…
Lange führten wir den Ursprung des Schachspiels in der entstehenden Siemensstadt auf den 1919 unter Dr. Bernhard von Tietze gegründeten Siemens-Schachklub zurück.
Vortrag Schon unseren früheren Chronisten Dietrich Frische beschlichen ernste Zweifel als er 1974 auf diese Gründung zurückblickte: „Ob auch diese Schachorganisation eine Vorgängerin vor dem 1. Weltkrieg hatte, die dann die Stürme dieses Krieges nicht durchzustehen vermochte, wird wohl mangels Zeugenschaft unermittelt bleiben. … Es ist schade, daß uns Herr Dr.v. Tietze nicht darüber berichtet hat…“
Was Frische nicht wusste: Die Zeugnisse einer früheren Schachorganisation im Hause Siemens waren durchaus vorhanden. Dass sie ihm nicht zugänglich waren, hatte seine Gründe allerdings in den zeitgeschichtlichen Wirren des 20. Jahrhunderts, die nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal in den Vereinsalltag einstrahlten. Nur wenige Kilometer östlich – aber eben durch die Berliner Mauer getrennt – waren die Belege in der Staatsbibliothek erhalten. Andere befanden sich im bei Kriegsende nach München verbrachten Siemens-Zentralarchiv und waren dort seit 1945 unbeachtet geblieben.

Vortrag So wissen wir heute von der Gründung des Schachklubs „Doppelbauer“ in Siemensstadt am 3. Januar 1913, der auch sofort Mitglied des Berliner Schachverbandes wurde. Bereits 1907 hatte sich mit dem „Verein der Siemens- und Siemens-Schuckert-Beamten“ eine Dachorganisation für vielfältige Freizeitangebote gebildet – freilich streng beschränkt auf den im Titel angesprochenen Personenkreis. Weil man genau diese Beschränkung nicht hinnehmen wollte, blieb der SK Doppelbauer formal außerhalb des Beamtenvereins, man pflegte aber eine sehr enge Zusammenarbeit.
Bereits ab dem Gründungsjahr 1913 veröffentlichten die Schachspieler regelmäßig in der monatlichen Zeitschrift des Beamtenvereins, ein Privileg das ansonsten nur dessen formalen Mitgliedsgruppen zustand. Die erste Erwähnung an dieser Stelle ist gewissermaßen unsere Geburtsurkunde, hebt sie doch ausdrücklich hervor, der Verein sei „begründet und geleitet von S.S.W-Beamten“. Später anlässlich des einjährigen Gründungstages gelten die Doppelbauern als „Der uns befreundete Klub, von Siemensbeamten gegründet und geleitet…“, wobei 2 Drittel der Mitglieder auch dem Beamtenverein angehörten.

Vortrag Im monatlichen Kalender des Dachvereins hatten die Schachspieler einen festen Platz. Die Auflistung vom August 1914 zeigt neben dem Schachklub interessanterweise manche Gruppen, die wir auch aus der Struktur des heutigen Kulturkreises Siemens kennen: Da sind die Briefmarkenfreunde, Fremdsprachenklubs und ein Chor. Bis vor wenigen Monaten hätte ich an dieser Stelle auch auf den Fotoclub verweisen können, doch hat sich dieser im Jahre 2012 leider aufgelöst, nachdem ihm die räumliche Basis abhanden gekommen ist.

Der Schachklub Doppelbauer von 1913 kann somit als legitimer Ursprung des organisierten Schachspiels im Hause Siemens angesehen werden. Er entfaltete recht bald einen geregelten Spielbetrieb. Erster Vereinsmeister wurde 1915 Herr Dr. Stauch. Das Vereinsturnier im Jahre zuvor war nicht als Meisterschaft anerkannt worden, da für die höchste Spielklasse nur 2 Teilnehmer „die beiden Vorsitzenden“ gemeldet hatten. Vortrag Nicht lange nach der Gründung erschütterte der erste Weltkrieg die Grundfesten Europas. Auch unser Schachklub wurde früh in Mitleidenschaft gezogen. Nicht einmal einen Monat nach Kriegsausbruch hatten wir mit dem Schachfreund Hansen ein erstes Opfer aus unseren Reihen zu betrauern. Der Vorsitzende Arthur Lindemann seinerseits war zum Russlandfeldzug einberufen worden. Seine Grüße von dort zeugen von einer aus heutiger Sicht völlig unverständlichen – ja peinlich berührenden – Kriegsbegeisterung, wie sie damals aber wohl durchaus breite Kreise der Bevölkerung erfasst hatte. Das noch junge Vereinsleben litt natürlich unter diesen Umständen und so musste „das fällige Klubturnier zurückgestellt“ werden, weil – um es im Stile der Zeit zu sagen – „zehn Mitglieder zu den Fahnen einberufen worden sind". Im April 1915 wurde schließlich eine weitere Vereinsmeisterschaft gestartet, die allerdings nach der Hälfte der Partien unterbrochen wurde. Die Hoffnung „…der Rest wird wohl erst nach Ende des Krieges beendet werden können.“ blieb vermutlich unerfüllt.

Vortrag Schon ab 1916 finden wir in den Annalen des Beamtenvereins Aufrufe zur Gründung eines internen Schachvereins, der natürlich den Betriebsangehörigen des passenden Standes vorbehalten bleiben sollte. Nach vielen vergeblichen Versuchen – man dachte sogar an einen „Wanderverein“, der abwechselnd in verschiedenen Stadtteilen tagen würde – kam es schließlich im Oktober 1919 zur Gründung des Siemens-Schachvereins. Dieser führte dann ab 1921 den Namen des Firmengründers und nannte sich fortan „SK Werner Siemens“.
Gründungsvorsitzender war der Physiker Dr. Bernhard von Tietze.

Vortrag Der Start dieses neuen Vereins verlief schleppend. Im Sommer 1920 waren nur „2 Stammgäste“ verblieben und so rührte der Beamtenverein mit tatkräftiger Unterstützung des Hauses Siemens die Werbetrommel, schrieb u. a. 100 Mark als Preis für eine Siemens-Meisterschaft aus. Diese Maßnahmen verfehlten ihre Wirkung nicht.

Vortrag Die Siemens-Meisterschaften wurden zu einer festen Institution mit riesigen Teilnehmerfeldern unter der Schirmherrschaft und großzügigen Unterstützung des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Carl-Friedrich von Siemens.
Auch die Zielgruppe des Vereins weitete sich nach und nach. Schon in der Gründungsnachricht waren ausdrücklich auch Anfänger angesprochen, u.a. mit den schönen Worten: die Mitglieder seien „…bereit, über Eröffnungen und sonstige prinzipielle Züge schwächeren Spielern Auskunft zu geben“.
Wenig später wurden zur Siemens-Meisterschaft und auch zur Mitgliedschaft im Verein ausdrücklich alle „Angehörigen des Konzerns vom Direktor bis zum Lehrling“ eingeladen – Arbeiter freilich als „außerordentliche Mitglieder“.

Die somit immer noch bestehende Aufnahme-Beschränkung hatte bereits 1920 zur Abspaltung des Schachklubs „Damenbauer“ geführt. Beide Vereine blieben freundschaftlich verbunden und die Mitglieder des SK Damenbauer kehrten 1934 zum SK „Werner Siemens“ zurück.

Vortrag Erster sportlicher Höhepunkt waren zwei Vergleichskämpfe gegen die Schachgruppe der AEG im Jahre 1926. Den Rückkampf konnten unsere Vorgänger mit 11,5:7,5 gewinnen, wovon eine opulente Urkunde zeugt.
Der Kampf gegen die AEG indes gibt auch einen Einblick in den Schach-Alltag jener Jahre. Schachuhren z.B. besaß unser Verein noch nicht. Für das Spiel gegen die AEG hatte man sich 8 Uhren bei der Berliner Schachgesellschaft geliehen. An den übrigen Brettern spielte man mit einer Bedenkzeit von „ungefähr 3 Stunden“ und ließ die nicht beendeten Partien später von einem beiderseits anerkannten Meister abschätzen.

Vortrag Nach dem Rückzug des Gründungsvorsitzenden von Tietze 1925 übernahm zunächst Alois Schropp den Vorsitz. Von ihm ist u.a. die folgende treffende Charakterisierung des königlichen Spiels überliefert: „Das Schöne dabei ist, daß jeder, nach Veranlagung und Geschmack, den Kampf mehr oder minder gehaltvoll, geistreich, unterhaltsam oder langweilig gestalten kann.“
Schropp verstarb bereits nach kurzer Amtszeit und sein Nachfolger Wilhelm Schettler wechselte im Oktober 1926 beruflich zur Firma Westinghouse in die USA. Dabei muss er auch schachlich ein ganz überzeugendes Spielniveau besessen haben, feierte man ihn doch 1928 als „neuen leuchtenden Stern am West-Pennsylvanischen Schachhimmel“.

Vortrag Unter der Leitung des 1927 gewählten Vorsitzenden Georg Rohrbach entwickelte sich der Verein Schritt für Schritt zu einem modernen Schachklub. Seit 1928 werden regelmäßig Vereinsmeisterschaften ausgetragen, nachdem zuvor die Siemens-Meisterschaften de facto diesen Rang besaßen. Seit der Saison 1927/28 sind wir bzw. unsere Vorgänger auch in den Mannschaftsmeisterschaften des Berliner Schachs regelmäßig dabei.

Die Verantwortlichen des SK „Werner Siemens“ hatten aber in den oft gar nicht so „goldenen“ Zwanzigern mit vielfältigen Problemen zu kämpfen – auch mit solchen, die durch die heraufziehende Wirtschaftskrise und Inflation bedingt waren. Einige Zitate verschaffen uns davon einen Eindruck, wie es ein Geschichts-Lehrbuch kaum besser kann:
Januar 1923: „Die Schachgruppe konnte ihren Spielerstamm in unverminderter Interessiertheit das Jahr hindurch halten, trotzdem die unvermeidlichen Zehrkosten im Wirtshaus für sie immer drückender geworden sind. Da aber jeder Neigung und Liebhaberei Opfer gebracht werden müssen, wird um solcher Willen das Interesse für das vornehmste der Spiele nicht erlahmen und es werden Wege gesucht und gefunden werden, den wirtschaftlich Schwachen denkbarste Erleichterung zu schaffen.“
September 1930: „Eine andere Frage ist aber in den letzten Tagen akut geworden, die für unseren Klub in Beziehung auf Vereinsleben und Spielstärke von einschneidender Bedeutung ist; es ist dies der große Abbau von Angestellten im Konzern. Eine große Anzahl von Mitgliedern ist davon betroffen. Dazu gehören auch unsere Spitzenspieler Herr Häfner und Herr Adeler.“
Hier waren die Folgen sogar so gravierend, dass unsere Mannschaften für einige Zeit vom Spielbetrieb abgemeldet werden mussten.
März 1932: „… die Bitte auszusprechen, recht früh am Spielabend zu erscheinen, um den Kollegen, welche, durch Kurzarbeit gezwungen, schon früh im Klublokal sind, das lange Warten zu ersparen.“

Vortrag Weit mehr als heute vorstellbar bedeutete der Schachverein seinen Mitgliedern Heimat und Geborgenheit, ja neben Arbeit und Familie einen dritten Lebensmittelpunkt. Diese Atmosphäre vermittelt auch der lebendige Bericht über die Jubiläumsfeier von 1929 – nachzulesen in unserer Online-Chronik und in der aktuellen Festschrift.
Spiel- und Festlokal war übrigens der „Heidekrug“ – heute eine Bankfiliale in Sichtweite dieses Saales.

In den folgenden Jahren stabilisierte sich unser Verein zusehends. Nach zahlreichen Umzügen fand er ab 1931 im Siemens-Klubhaus (zunächst noch „Siemensgarten“ genannt) eine neue großzügige Spielstätte, die uns bis 1994 erhalten blieb. Der bisherige Beamtenverein wandelte sich 1933 im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zur „Kameradschaft Siemens“ unter weitgehender Beibehaltung der Inhalte und Strukturen.

Vortrag Fester Bestandteil des Vereinsalltags wurden Trainings-Vorträge und Simultanauftritte bekannter Schachmeister, darunter Willi Schlage, Berthold Koch und Ludwig Rellstab. Besonderen Eindruck hinterließ eine Blind-Simultan-Vorstellung von Friedrich Sämisch im Juni 1930 an 10 Brettern. Er holte 8½ Punkte und konnte im Anschluss alle 10 Partien aus dem Gedächtnis rekonstruieren.
Neben die zahlenmäßig und qualitativ herausragenden Vereinsturniere traten neuartige Angebote, darunter erste Schachreisen ins nähere und weitere Umland. Dass dabei nicht alles ohne Zwischenfälle abging, lässt Rohrbachs Fazit über ein Gastspiel in Brandenburg an der Havel 1937 erahnen: „Um die Schachfreundschaft zwischen Brandenburg und Berlin nicht zu gefährden, wollen wir über den Verlauf der Veranstaltung nicht weiter berichten. Der Brandenburger Schachgesellschaft wünschen wir für die Zukunft einen tüchtigen Organisator und der Stadt Brandenburg für ihr Stadtparkrestaurant einen tüchtigen Koch.“

Vortrag Zu den schachlichen Highlights jener Zeit gehören unser Sieg bei einem Jubiläumsturnier der SG Osram 1934 und der Freundschaftskampf gegen die SG Eckbauer 1938 an 40 Brettern. Die Besetzung unserer Spitzenbretter mit Erhard Adeler, Friedrich Vogt, Rudolf Palme und Friedrich Gabelmann mag dem Kundigen offenbaren, auf welch hohem Niveau damals gespielt wurde.

Vortrag Liebe Gäste, liebe Schachfreunde,

in diesen 100 Jahren wurde gewiss eine beachtliche Zahl herausragender Partien mit glanzvollen Kombinationen und schönen Ideen gespielt. Eine auch nur annähernd vollständige Übersicht dazu wird nicht zu erhalten sein. Aber ganz gewiss würde jene herausragende Partie darin nicht fehlen, die unser Vereinsmeister Erhard Adeler 1936 gegen Choinatzky – vermutlich in einem Mannschaftskampf – spielte. Ich habe sie in Anlehnung an die gängige Praxis der Schach-Geschichtsschreibung als die „Siemensstädter Unsterbliche“ bezeichnet.
Die brillante Gewinnkombination fand u.a. Eingang in Irving Chernevs Standardwerk „The 1000 Best Short Games of Chess“.

Vortrag Liebe Gäste, an dieser Stelle möchte ich mich zum einzigen Mal vorwiegend an die Schachspieler unter Ihnen wenden, die den besonderen Reiz einer solchen Kombination zu schätzen wissen.

Vortrag Vortrag In dieser Stellung opferte Erhard Adeler mit 1. Sd4xf5 zunächst einen Springer. Sein Gegner nahm das Opfer mit 1… e6xf5 an. Auch bei Ablehnung des Springeropfers verbleibt Weiß mit einer sehr guten Stellung.

Vortrag Vortrag In der Partie ging es mit dem zweiten Springeropfer weiter: 2. Se4-f6+ Hier kann Schwarz nicht mehr entscheiden, ob er das Opfer annimmt, sondern nur noch, wie er dies tut. Auf 2… Lxf6 wäre ein Matt analog zur Partie gefolgt.
Es geschah also 2… Db6xf6.

Vortrag Vortrag Und nun führt als Krönung ein Damenopfer zum Gewinn: 3. Dd2-d8+ Die Annahme ist erzwungen 3… Le7xd8

Vortrag … und es folgte 4. Le2-b5 matt.

Vortrag Wenn man über die Zeit des Nationalsozialismus nachdenkt, muss man auch kritisch hinterfragen, welche Position der eigene Verein und seine Führung in jener Zeit eingenommen haben. Natürlich finden sich in unseren Archiven auch Dokumente, die mit den zeitüblichen Grußformeln und Ergebenheits-Bekundungen abschließen. Dies zu bewerten, zu urteilen, welches Maß an Opportunismus gerade noch zulässig, ja zweckmäßig war, ist aus der Distanz nur schwer möglich.
Wenn wir heute urteilen, dann müssen wir den Alltag einer Diktatur zum Maßstab machen. Verlassen wir uns daher auf Zeugnisse mit geringem zeitlichem Abstand.
Schon ca. 1946 wurde ein ausführlicher Bericht über das Wirken der „Kameradschaft Siemens“ im Dritten Reich veröffentlicht, der wohl zur Vorlage bei der Besatzungsmacht verfasst wurde. Er urteilt über unseren Vorsitzenden Georg Rohrbach, dieser sei zwar ein „alter Nationalsozialist“ gewesen, aber "persönlich ein verständiger Mann … der die Politik nicht in seine Gruppenarbeit trug."
Ganz ähnlich wertet Dietrich Frische aus dem unmittelbaren Erleben als Zeitzeuge über Rohrbach: "… obwohl Parteigenosse, beteiligte er sich doch sehr an dem Widerstand … gegen die parteipolitische Eingliederung in die NS-Schachgruppe".
Gestützt auf diese Bewertungen und die erhaltenen Belege in unserem Archiv können wir guten Gewissens sagen, dass in der schlimmen Zeit des Nationalsozialismus im Namen unserer Schachgruppe nichts geschehen ist, dessen wir uns heute schämen oder rechtfertigen müssten.

Der Ausbruch des 2. Weltkrieges im Herbst 1939 stellte auch für unser Vereinsleben eine immer stärker werdende Zäsur dar, bis hin zu dessen völligem Erliegen gegen Ende des Krieges.
Schon dem Weihnachtsgruß des Vorstandes 1939 ist zu entnehmen, dass mehrere Spieler zum Kriegsdienst einberufen waren.

Vortrag Freilich wurde versucht, das Vereinsleben so lange und so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Für unsere Mannschaften bedeutete allerdings schon die Saison 1938/39 ein vorläufiges Ende des Spielbetriebs. Die Klubmeisterschaften wurden noch mindestens bis 1940 ausgetragen – immer noch mit beachtlicher Beteiligung und stabiler Organisation. Die letzte bekannte Meisterschaft jener Epoche endete 1940 mit dem Sieg von Rudolf Palme, einem der namhaftesten Spieler, die in 100 Jahren zu unserer Mitgliedschaft gehörten.

Palme wurde 1940 auch Berliner Meister, stand 1936 im Aufgebot Österreichs bei der Schach-Olympiade und im August 1942 auf dem 73. Platz einer rückgerechneten Weltrangliste. Eine ausführliche Würdigung Palmes finden sie in unser Online-Chronik und in der Jubiläumsschrift.

Die Administration des Vereinsvorstandes funktionierte mindestens bis 1941, wie wir aus den Mitgliederlisten entnehmen, die pflichtschuldig an den BSV übermittelt wurden.
Im gleichen Jahr stellte auch die Zeitschrift der Kameradschaft Siemens ihr Erscheinen ein, wie es damals hieß: „…um Menschen und Material für kriegswichtige Ziele freizumachen.“

Vortrag Wir können daher für wenige Jahre nur vermuten, wie sich das Vereinsleben entwickelte. Den endgültigen – oder eben doch nur vorläufigen – Schlusspunkt setzte die Zerstörung der Säle im Klubhaus im Februar 1944.
Doch auch in dieser Zeit höchster Not und Verzweiflung richteten unsere Vorgänger den Blick nach vorn. Sie brachten das verbliebene Spielmaterial in Sicherheit. Jeder verwahrte einen kleinen Teil davon bei sich – immer in der sicheren Erwartung, nach dem Kriege gemeinsam wieder ans Schachbrett zurückzukehren.
Es gehört zu unseren wertvollsten Archivalien, dass wir den Originalbeleg über diese Verwahrung der Spiele und Schachuhren einschließlich der Rückgabenotizen noch heute besitzen.

Tatsächlich war damit eine erste Basis für den Neubeginn gelegt. Hinzu kam eine gewisse personelle Kontinuität, für die stellvertretend der erste Nachkriegsvorsitzende Johannes Janzen (Mitglied seit 1922) und der langjährige Spielleiter und Chronist Dietrich Frische genannt seien.
Frische hält mit einer Mitgliedschaft von 1920 bis 1978 gewissermaßen einen eigenen Rekord. Diesen Rekord wird übrigens unser gegenwärtig ältestes Mitglied Wolfgang Nilius im Jahre 2014 einstellen.

Eine Begründung klassischer Vereinsstrukturen war zunächst im besetzten Deutschland nicht möglich. So fanden sich die Sportler – auch die Schachspieler – in kommunalen Gruppen zusammen, darunter der Schachgruppe Siemensstadt.
Dr. Rolf Rochusch spricht später in einem Rückblick von ersten Treffen im Spätherbst 1945, einer organisatorischen Führung ab Januar 1946 und von geregeltem Spielbetrieb ab dem Winterhalbjahr 1946/47.

Vortrag Die Gründung des Kulturkreises Siemens als Nachfolger der Kameradschaft und des Beamtenvereins – bei weitgehend vergleichbaren Strukturen – wurde spätestens 1947 ins Auge gefasst. Das Haus Siemens blieb sich darin treu, seinen Mitarbeitern vielfältige Freizeitangebote zu unterbreiten.
Diese Initiative hatte zunächst einige formale Hürden zu bestehen. Schließlich dauerte die amtliche Zulassung des neuen Dachvereins durch die Besatzungsmacht bis zum Januar 1949. Die einzelnen Gruppen hatten sich bereits zuvor konstituiert, darunter unsere Schachgruppe im April 1948.
Das Einladungsschreiben zur Gründungsversammlung – im provisorisch wieder nutzbaren Klubhaus – ist uns im Original erhalten. Das dafür verauslagte Porto markiert den ersten Eintrag im ältesten erhaltenen Kassenbuch.
Die ebenfalls erhaltenen Anwesenheitslisten belegen, dass damals oft mehr als 30 Schachfreunde an einzelnen Abenden den Verein belebten.

Sportlich liegen die allerersten Anfänge noch etwas im Dunkeln. Soweit für uns erkennbar, stieg man zur Saison 1949/50 wieder in den Mannschaft-Spielbetrieb ein. Für die gleiche Saison ist eine Vereinsmeisterschaft belegt.

Die Besetzung durch die Siegermächte des Krieges und die Teilung des Landes schufen gerade in Berlin eine ganz außergewöhnliche, ja manchmal bizarre Situation. Die beiden Teile der Stadt gehörten zu verschiedenen Staaten, waren von mittlerweile einander feindlich gesonnenen Mächten besetzt und entwickelten sich in nahezu jeder Hinsicht völlig konträr.

Vortrag Seit 1948 galten zwei verschiedene Währungen. Hingegen war die Grenze noch weitgehend problemlos passierbar. Sogenannte „Grenzgänger“ wohnten in den Ostsektoren, arbeiteten für „harte D-Mark“ im Westen. Viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens spielten sich noch auf gemeinsamer Basis ab und so gab es bis 1952 einen Gesamtberliner Sportbetrieb mit Mannschaften aus allen Sektoren.
Dieser stieß jedoch auf zunehmende Probleme, so dass er lange vor dem Mauerbau aufgegeben werden musste.

Einen kleinen Einblick in die praktischen Sorgen gibt die gewissenhafte Quittung für die Übernahme der Getränkekosten einer Ost-Berliner Gastmannschaft 1951, da dieser kein Westgeld zur Verfügung stand.
Als Kuriosität sei auf unser erstes Kassenbuch verwiesen, in dem die Einnahmen und Ausgaben noch in jeweils zwei Währungen getrennt verwaltet wurden.

Vortrag Eine weiteres kurioses Dokument zur Teilung Deutschlands ist unser Buch „Der Schachpraktiker“ von Kurt Richter, erschienen 1950. Ein Stempel untersagt ausdrücklich seine Verwendung außerhalb der DDR. Wie das Buch dennoch in unseren Besitz gelangt ist, muss vorerst offen bleiben.

Vortrag Auch die ältesten erhaltenen Fotografien stammen aus dem Jahr 1951. Wir haben sie in unserer Online-Chronik und der Festschrift ausführlich vorgestellt.

Vortrag In den folgenden Jahren – der so genannten „Wirtschaftswunderzeit“ – stabilisierte sich das Vereinsleben zusehends. Neben das Schachspiel traten auch regelmäßige gesellige Zusammenkünfte, die die Familien der Mitglieder einbezogen. Ja – Vereinsleben, auch im Schachverein, hatte damals ganz andere Schwerpunkte als heute.
Das Jahr 1961 brachte für Berlin mit dem Mauerbau eine weitere Zäsur, nach der die immer schwächer werdenden Bindungen in den Ostteil und das Umland schließlich ganz verloren gingen – oder eben doch nicht, wie wir noch sehen werden.

Vortrag Für unseren Verein begann im gleichen Jahr mit der Amtszeit des Spielleiters Manfred Leu eine Epoche, die ganz von dessen unermüdlichem Wirken geprägt wurde. 45 Jahre lang stand er ehrenamtlich im Dienst seiner Schachfreunde.
Schon 1973 – weitere 3 Jahrzehnte der Leu-Ära sollten folgen – hebt das Protokoll der Vereinsversammlung sein Wirken hervor: „Beispiele für eine durchgängig vorbildliche Spielleiterbetreuung lassen sich gewiss nicht viele finden. Wir haben das Glück, solcher Beispielhaftigkeit teilhaftig zu sein. Wir anerkennen und danken in ehrlicher Einstimmigkeit."

Auch im Amt des Vorsitzenden gab es 1961 einen Wechsel. Johannes Janzen wurde der Ehrenvorsitz angetragen.
Die Amtsgeschäfte übernahm Georg Meyer, der mit 18 Jahren bislang die längste Amtszeit eines Vorsitzenden wirken sollte. Überhaupt sprechen nur 13 Vorsitzende in 100 Jahren dafür, dass auf Kontinuität Wert gelegt wurde und wird.

Vortrag Das Vereinsleben jener Jahrzehnte entwickelte eine eigene Routine, man richtete sich im Alltag der geteilten Stadt ein. Seltene Höhepunkte waren Reisen in die westdeutschen Bundesländer. Insbesondere zu Schachvereinen in Kiel und in Nürnberg entwickelte sich eine anhaltende Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen.

Der Spielbetrieb stabilisierte sich mit meist 2, oft auch 3 Mannschaften die in der 1. bis 3. Berliner Stadtklasse ihren angestammten Platz hatten, der nur selten nach oben oder unten verlassen wurde.
Das interne Wettkampfprogramm wurde nach und nach erweitert. Neben die Vereinsmeisterschaft traten schon um 1954 der Vereinspokal und die Blitzmeisterschaft, in den 1970er-Jahren dann auch der Blitzcup und das Weihnachtsturnier.
Seit 1959 sind wir zuverlässiger Partner des Berliner Schachverbands als Ausrichter von Gruppen der Klassenturniere. Den Rekord hierbei erlebten wir 1998 als Gastgeber für 58 Spieler aus 18 Vereinen. Seither hatten die Klassenturniere auch bei uns unter der insgesamt abnehmenden Attraktivität dieses Wettkampfmodells zu leiden.

Vortrag Zu den besonderen Geschichten, wie sie nur in diesem Land und dieser Stadt möglich waren, gehört das Schicksal unseres Schachfreundes Otto Preuß.
Preuß gehörte dem Verein seit 1923 an. Er arbeitete in Siemensstadt, wohnte aber im brandenburgischen Umland, in Schönwalde.
Auch nach dem Krieg setzte er seine Arbeit bei der Firma Siemens und seine Mitgliedschaft im Schachverein ganz selbstverständlich fort.

Seine schachliche Blütezeit erlebte Preuß Anfang der 50er-Jahre, als er 1951 Vizemeister des Vereins wurde. Erst der Mauerbau 1961 trennte ihn abrupt von seinen Schachfreunden. Man kann also mit einigem Recht sagen, dass die Mauer nicht nur durch Deutschland und Berlin ging, sondern auch direkt durch unseren Verein.
Doch die Schachfreunde vergaßen Otto Preuß nicht. Seine Mitgliedschaft blieb erhalten und mehrmals im Jahr ging ein Paket zu ihm auf die Reise mit – wie es damals hieß – „Liebesgaben“.

Vortrag Diese Art der Kontaktpflege basierte auf einer Aktion des Landessportbundes zur Versorgung der „Ostmitglieder“. Die aus heutiger Sicht kuriosen bürokratischen Vorgaben für diese Pakete sorgen immerhin dafür, dass wir noch heute einen sehr guten Überblick über die damals in den Osten verschickten Artikel haben.
Ich zitiere aus den Verwaltungsvorschriften: „Jede einzelne Rechnung muß vom Verein mit dem Vermerk "Sachlich richtig und festgestellt" (rot) sowie Vereinsstempel und Unterschrift … versehen sein." …"Die 3 Verwendungsnachweise sind mit Vereinsstempel sowie vom Vereinsvorsitzenden und Kassierer unterschrieben zurückzureichen."
Die akribisch geführten Auflistungen zum Inhalt der Pakete nennen vor allem Waren, an denen in Preuß‘ Heimat Mangel herrschte, u.a. Kaffee, Zigaretten und Schokolade.

1971 übersiedelte Otto Preuß nach West-Berlin und nahm ganz selbstverständlich seinen Platz in Verein und Mannschaft wieder ein.
Wülfing Etter charakterisierte ihn 1974 mit den Worten: „Wer seinem heutigen Spiel zuschaut, gewahrt noch deutlich von der Kraft seines Stils, der noch immer den Eindruck erweckt, auch jedem Erstklassigen damit gefährlich werden zu können."

Vortrag Mit Wülfing Etter ist eine andere prägende Figur der Vereinsgeschichte genannt. Er war über viele Jahre unser stärkster Spieler, gewann 8x die Vereinsmeisterschaft, darunter 1975 und 1984 jeweils mit 3 Punkten Vorsprung.
Als Berliner Seniorenmeister 1985 und 1986 holte er einen der wenigen herausragenden Meistertitel in unseren Verein.
Mitte der 1970er-Jahre bemühte sich Etter mit großem Einsatz um den Aufbau einer fundierten Jugendarbeit. Erste Turniererfolge seiner Schützlinge waren zu vermelden. Die ausführlichen Berichte Etters zeigen, dass er sich – ganz im Sinne unseres heutigen Konzepts – nicht nur um den schachlichen Erfolg, sondern auch um die charakterliche Bildung der jungen Spieler sorgte. Letztlich legte er diese Arbeit desillusioniert nieder, als er erkennen musste, dass nicht alle Nachwuchsspieler diesem Ehrgeiz folgen wollten.

Seine Initiative war dessen ungeachtet die einzige bemerkenswerte Jugendarbeit unserer Vorgängervereine in den ersten 90 Jahren. Noch wenige Jahrzehnte zuvor wurden fast 40-Jährige als „starker Nachwuchs“ gefeiert.
Wülfing Etter ist 1992 verstorben. Das ihm zu Ehren ausgeschriebene Gedenkturnier nimmt noch heute einen festen Platz in unserem Terminkalender ein.

Vortrag Aus den hier umspannten Jahrzehnten wäre noch viel zu berichten.
Der 1981 gestartete Westpokal ist mittlerweile wohl das renommierteste Turnier seiner Art in Berlin.
Zu erinnern wäre auch an die Jubiläumsfeiern 1974 (25 Jahre im Kulturkreis Siemens) mit einem großen Mannschaftsturnier und einem Freundschaftsspiel gegen Nürnberg an Bord eines Havel-Dampfers.

Das Ende der Teilung Deutschlands und Berlins hat weit weniger dramatisch in unser Vereinsleben eingegriffen als frühere Ereignisse.
Das Wettkampfsystem und die Verwaltungsstrukturen des BSV integrierten die nun wieder beteiligten Vereine aus den östlichen Stadtbezirken weitgehend problemlos – ein Musterbeispiel für viele andere Lebensbereiche.
Schon eine Woche nach Herstellung der staatlichen Einheit reiste unsere Mannschaft zum Auswärtsspiel bei Chemie Weißensee – noch heute einer der aufwendigeren Wege im Berliner Schach.

Vortrag Die personelle Kontinuität – vor allem im Amt des Spielleiters – sorgte für ein Fortbestehen der traditionellen Strukturen im Wettkampfs- und Vereinsleben der Schachgruppe im Kulturkreis Siemens.

Zu den größeren Errungenschaften der letzen Jahrzehnte gehört die Wiederbelebung der Siemens-Schachmeisterschaft.
Seit 1991 bieten wir Hobby-Spielern aus der Belegschaft und ihren Angehörigen – mit großzügiger Unterstützung des Hauses Siemens – eine alljährliche Spielgelegenheit, bei der Anfänger und gestandene Spitzenspieler gleichermaßen ihre Freude finden.
Viele Teilnehmer sind regelmäßig dabei, für manchen ist es die einzige Wettkampfgelegenheit im Jahr. Freilich hatten wir bei der Begründung des Turniers 1991 gar nicht gewusst, dass damit eine sehr alte Tradition wieder aufgenommen wurde.

Vortrag Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Verein hat – gegründet noch im Kaiserreich – zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen, Nationalsozialismus und später Deutsche Teilung und Wiedervereinigung erlebt und überlebt.
Mit Beginn des dritten Jahrtausends steht er vor neuen Herausforderungen. Globalisierung und Internet verändern die Ansprüche des Einzelnen an die Angebote eines Schachvereins grundlegend.
Er ist heute weitgehend nur noch Plattform für den Wettkampfbetrieb und kann darüber hinaus nur dann erfolgreich sein, wenn besondere Angebote (z.B. im Training) gemacht werden.

Wir haben frühzeitig auf diese Herausforderungen reagiert. 2004 strukturierten wir die Schachfreunde Siemensstadt als eigenständigen Verein neu, ohne dabei das schützende Dach des Kulturkreises zu verlassen. Mit Stolz können wir sagen, dass wir seit nunmehr 100 Jahren zu den aktivsten und auch jüngsten Gruppen der Siemens-Freizeitvereinigung gehören.

Seit 1997 ist unser Verein im Internet präsent – als einer der ersten Berliner Schachvereine.
Auch die Zusammenarbeit mit externen Trainern wurde in den letzten Jahren wieder aufgenommen. Hier sind besonders gute Erinnerungen mit den Vorträgen des leider viel zu früh verstorbenen Wilhelm Schlemermeyer verbunden. Es ist nicht leicht, wieder ein Angebot dieser Güte zu etablieren.

Vortrag Sportlich wird es für unsere Mannschaften immer schwerer, sich in ihren angestammten Spielklassen zu behaupten.
Doch mehr als einmal haben wir bewiesen, dass mannschaftliche Geschlossenheit helfen kann, eine nach der Papierform aussichtslose Saison erfolgreich zu bestehen.
Wer da glaubt, Schach als Mannschaftssport könne nicht spannend und aufregend sein, der sei an den Klassenerhalt unserer 1. Mannschaft in der vorigen Saison erinnert. Bei gleicher Mannschaftspunktzahl und gleicher Brettpunktzahl endete der direkte Vergleich gegen den Abstiegsrivalen aus Lichtenberg unentschieden 4:4. Die Berliner Wertung sah uns ganz knapp mit 19:17 vorn – und das am letzten Spieltag der Saison.

Vortrag Für einen weiteren schönen Erfolg zu Beginn des 100. Vereinsjahres sorgte unser langjähriger Spitzenspieler Thomas Glatthor mit dem Gewinn der Berliner Senioren-Meisterschaft 2012.
Bei einem seiner frühen Erfolge hieß es 1972 im Bericht zur Vereinsmeisterschaft „Die Konkurrenz (werde) zukünftig auf den "Neuen" ein wacheres Auge haben." Diese prophetischen Worte erwiesen sich als wahr. Mittlerweile ist Thomas in nahezu allen Wettkampfsystemen unser Rekordmeister, steht bei genau 70 internen Turniersiegen und bei genau 300 BMM-Einsätzen.

Vortrag Vortrag Einen wesentlichen Impuls erhielten die Schachfreunde Siemensstadt seit 2003 durch die Aufnahme einer nachhaltigen Jugendarbeit in enger Kooperation mit dem Herder-Gymnasium. Auch wenn wir dabei nicht primär auf sportliche Erfolge im Hochleistungsbereich setzen, können sich die Ergebnisse sehen lassen. Bereits 6x vertraten Mannschaften unserer Partnerschule das Land Berlin bei Deutschen Meisterschaften mit sehr gutem Erfolg. Die besten Spieler werden behutsam in die Mannschaften des Vereins integriert. Die Aufnahme in ein BMM-Team ist Lohn und Auszeichnung zugleich für mehrjähriges Training und zuverlässige Persönlichkeitsentwicklung. Ganz selbstverständlich werden dabei Spieler integriert, deren Herkunft weit vor den Mauern der Stadt Berlin zu lokalisieren ist – und damit meine ich jetzt nicht Potsdam-Sacrow, sondern Shanghai, Odessa oder Teheran.

Vortrag Darüber hinaus verstehen wir uns als ein Generationenprojekt. Im November 2010 gab es das bemerkenswerte statistische Kuriosum, dass erstmals mit dem 82jährigen Wolfgang Nilius und dem 12jährigen Khai Liem Tran zwei Spieler gemeinsam in einer Mannschaft standen, deren Altersunterschied mehr als 70 Jahre betrug – ein Rekord, der inzwischen von Wolfgang Nilius und Daniel Lewin auf 72 Jahre und 2 Wochen geschraubt wurde – und das an unmittelbar benachbarten Brettern.

Vortrag Liebe Schachfreunde, liebe Gäste,

mehr denn je müssen wir heute darum ringen, die Bindung der Mitglieder an ihren Verein auch zu einer emotionalen Angelegenheit zu machen. Das Bewusstsein um die vielseitige Geschichte dieser 100 Jahre kann und soll uns dabei eine wichtige Stütze sein.

Vielen Dank.

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Vereinschronik –– Übersicht zum Jubiläum