Bild Die Entwicklung der Vereinsstruktur

Bild Bild Unser Verein blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Seine Umstrukturierungen sind ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung in Berlin und in Deutschland.

Die Fotos zeigen links einen Eintrag aus der Zeitschrift des Siemens-Beamtenvereins vom August 1914 und damit einen der ältesten uns vorliegenden schriftlichen Belege – die vierte Zeile von unten nennt die Termine des Schachklubs – und rechts die Einladung zur Gründungsversammlung im April 1948.

Zeitraum Verein Dachverband
03.01.19131 – 1918(?)2 SK Doppelbauer Verein der Siemens- und Siemens-Schuckert-Beamten3
13.10.19194 – Oktober 1938 SK Werner Siemens5 Siemens-Beamtenverein6 / Kameradschaft Siemens7
1920 – 1934 SK Damenbauer8  
Oktober 1938 – März 19449 SG Werner Siemens10 Kameradschaft Siemens
1945 – 194911 Schachgruppe Siemensstadt  
19.04.1948 – 25.06.2004 SG Siemens Kulturkreis Siemens12
25.06.2004 – … Schachfreunde Siemensstadt Kulturkreis Siemens

Alle genannten Vereine waren Mitglied des Berliner Schachverbandes bzw. dessen Vorgängers.

1 Der 03.01.1913 ist als offizielles Gründungsdatum des SK Doppelbauer belegt. Vorbereitungen im Jahre 1912 sind wahrscheinlich.
2 Es ist bisher nicht zu ermitteln, ob und wann im Laufe des 1. Weltkrieges der Spielbetrieb eingestellt wurde. Bisher letzte aufgefundene Belege stammen von Februar 1917.
Der SK Doppelbauer existierte in personeller Kontinuität mindestens bis 1926 weiter.
3 Gegründet 1907
4 Dieses Gründungsdatum ist klar belegbar. In früheren Dokumenten war vom 01.02.1919 die Rede. Erste Bemühungen zur Gründung einer Schachgruppe im Beamtenverein sind ab Mitte 1916 zu erkennen.
5 Der Name des Firmengründers taucht erstmals Ende 1921 auf, zuvor "Schachklub Siemens".
6 Verein der Siemens- und Siemens-Schuckert-Beamten, ab 1922 "Verein der Siemens-Beamten Berlin e.V."
7 Im Oktober 1933 ging die Kameradschaft Siemens aus dem oben genannten "Beamtenverein" hervor.
8 Auch "SK Damenbauer Siemensstadt"
"Abspaltung" vom Hauptverein. Die verbliebenen Mitglieder kehrten 1934 nach Auflösung des SK Damenbauer in den SK Werner Siemens zurück. Über die Ursachen der Spaltung ist nichts bekannt. Möglicherweise spielten Aufnahmebeschränkungen (Siemens-Angehörige) eine Rolle.
9 Einstellung des Spielbetriebs. Eine formelle Auflösung des Vereins scheint es nicht gegeben zu haben.
10 Die Umbenennung des Schachklubs in eine "Schachgruppe" gleichen Namens war ein formaler Akt, der auf die nationalsozialistische Gleichschaltung und die Abschaffung herkömmlicher Vereinsstrukturen zurückzuführen war. In personeller und praktischer Sicht bedeutete sie keinerlei Wandel. Intern wurde auch weiterhin der Name "Schachklub" benutzt.
11 Unter alliierter Kontrolle waren zunächst keine Vereine zugelassen, sondern nur kommunal organisierte Sportgruppen. Dazu gehörte auch die "Schachgruppe Siemensstadt". Als deren Gründungszeitpunkt ist der "Spätherbst 1945" bekannt. Sie trat 1949 geschlossen der Schachgruppe des Kulturkreises bei.
12 Der Kulturkreis nahm die Vorbereitung seiner Arbeit im September 1947 auf. Mindestens im Frühjahr 1948 arbeiteten die Gruppen bereits, wobei die Schachgruppe zu den ersten aktiven Arbeitsgruppen gehörte. Die formelle Gründung – nach Lizenzierung durch die alliierte Besatzungsmacht – erfolgte am 19.02.1949.

Der SK Doppelbauer als legitimer Vorgänger

Bild Der 1913 gegründete SK Doppelbauer gehörte formal nicht dem Siemens-Beamtenverein an. In dessen Nachrichten wird er als "der uns befreundete Klub, von Siemensbeamten gegründet und geleitet…" bezeichnet. Andererseits berichtet der Klub regelmäßig in den Nachrichten der Zeitschrift des Beamtenvereins über seine Arbeit und wird in dessen Terminplan (siehe obige "Merktafel") gleichberechtigt neben den anderen Gruppen geführt.
Für die enge Anbindung spricht auch, dass 1914 etwa 2 Drittel der Doppelbauer-Spieler zugleich dem Siemens-Beamtenverein angehörten. Einzig dessen Aufnahmebeschränkung auf Firmenangehörige ließ die Schachspieler wohl von einem formalen Beitritt als Gruppe absehen.
Bemühungen zur Gründung einer internen Schachgruppe zogen sich hingegen von 1916 bis 1919 hin. Die enge Anbindung an die Firma Siemens und deren Freizeitorganisation rechtfertigt zumindest bis 1919 die Stellung dieses Klubs in der Reihe der Siemens-Schachvereine.

Der SK Damenbauer

Wie wir einem ausführlichen Bericht von Dietrich Frische aus dem Jahre 1974 entnehmen, spalteten sich ca. 1920 einige Mitglieder unter dem Namen "SK Damenbauer Siemensstadt" ab. Einziger Grund dieser Teilung waren offenbar die strengen Regularien des Siemens-Beamtenvereins zur Aufnahme von Firmenfremden. Beide Vereine existierten in freundlicher Verbindung nebeneinander. Das Ergebnis von Meisterschaftskämpfen im Januar 1928 mit 8:0 und im Mai 1929 mit 11½:½ für den SK Werner Siemens spricht allerdings eine deutliche Sprache über das sportliche Kräfteverhältnis. Dessen ungeachtet wurden z.B. bei Freundschaftsspielen gemeinsame Mannschaften aufgestellt.
1934 traten die verbliebenen Mitglieder des SK Damenbauer zum SK Werner Siemens über. Darunter befanden sich der spätere Spielleiter Dietrich Frische und der frühere Vereinsvorsitzende Wilhelm Schettler. Schettler war nach seiner Zeit beim SK Werner Siemens, dem er 1926 kurzzeitig vorstand, in die USA übergesiedelt. Dort wurde er als "… neuer leuchtender Stern am West-Pennsylvanischen Schachhimmel" gefeiert. (Zitiert nach The Sun Telegraph)
Später kehrte Schettler offenbar nach Deutschland zurück, ging zunächst zum SK Damenbauer und kehrte mit diesem zu unserem Verein zurück.

Mit einiger Überraschung konstatieren wir, dass die gesamten Vorgänge um die Abspaltung und spätere Rückkehr dieses Vereins in den zeitgenössischen Veröffentlichungen des Vereins stillschweigend übergangen wurden.


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