Bild Simultan-Gäste und Trainer

Das Simultanspiel besaß früher einen deutlich höheren Stellenwert und wurde als ernsthaftes Trainingsmittel eingesetzt. Heute ist es weitgehend Werbeveranstaltungen und der Nachwuchsarbeit vorbehalten. Dennoch ist es beeindruckend, zu lesen, welch illustre Namen im Laufe der Jahrzehnte bei uns zu solchen Anlässen zu Gast waren.

Simultan-Herausforderung für illustre Gäste

Bild Soweit es unsere Chroniken belegen, machte 1928 der zweifache Deutsche Meister Ehrhardt Post den Anfang. Der spätere Vizepräsident des Deutschen Schachbundes verlor dabei nicht weniger als fünf Partien.
Ein Jahr später – zum 10jährigen Stiftungsfest des SK Werner Siemens – beehrte uns Ludwig Rellstab (Bild rechts – Quelle: Chessbase), der 1942 Deutscher Meister werden sollte und Deutschland 4x bei Schacholympiaden vertrat. In einem zeitgenössischen Bericht wird Rellstab sogar als "unser Mitglied" geführt. Weitere Belege für eine aktive Mitgliedschaft gibt es aber nicht, so dass ihm vermutlich eine Art "Ehrenmitgliedschaft" angetragen worden war. Dabei mag offen bleiben, auf wessen Seite dann die Ehre gelegen hat… Übrigens kam auch Rellstab beim Simultanspiel nicht ungeschoren davon: Von 29 Partien verlor er drei und spielte 3x remis.

1930 begrüßten unsere Vorgänger den deutschen Spitzenspieler Friedrich Sämisch, der an 10 Brettern Blind-Simultan spielte. Sämisch gewann 8 Partien bei einem Remis und einer Niederlage. Anschließend konnte er alle 10 Partien aus dem Gedächtnis rekonstruieren und analysierte sie mit unseren Spielern.
1933 war Willy Schlage zu Gast. Der mehrfache Berliner Meister hat sich vor allem als Trainer verdient gemacht. Größere Berühmtheit erlangte er aber durch zwei außerschachliche Begebenheiten lange nach seinem Tod:
In dem Science-Fiction Film 2001: Odyssee im Weltraum von 1968 wird eine seiner Partien als Vorlage einer Schachpartie zwischen Astronaut und Computer genutzt (damals – 1968 – noch echte Zukunftsmusik). Außerdem erscheint Schlages Porträt auf einer Briefmarke des afrikanischen Staates Mali neben den größten Schachmeistern seiner Zeit.
1934 konnten wir nochmals Ludwig Rellstab sowie Berthold Koch begrüßen.

Für die ersten Nachkriegsjahrzehnte liegen keine Informationen über Auftritte von Spielern dieses Kalibers vor. Der eine oder andere Berliner Spitzenspieler gab aber auch jetzt seine Visitenkarte bei uns ab, so zum Beispiel im November 1951 der Berliner Meisterspieler Paul Mross. Aus 24 Partien holte er 13 Siege und 6 Remis. Einige Partien wurden nach Zeitablauf abgeschätzt, in der Regel zu Gunsten des Gastes.

Bild Eine repräsentative Simultan-Veranstaltung wurde dann wieder 1974 angeboten, als der Kulturkreis sein 25jähriges Jubiläum beging. Zu Gast war diesmal der Internationale Meister und oftmalige Nationalspieler Jürgen Dueball (1943 – 2002). Die Kosten von 150 D-Mark für sein Engagement waren sicher gut angelegt, auch wenn der Vorstandsbericht von "eine(r) nicht restlos überzeugende(n) Vorstellung" spricht. Vier von 22 Spielern besiegten den Simultangast, zwei weitere hielten remis. Nach dem Spiel berichtete Herr Dueball noch über die Schacholympiade in Nizza, wo er die deutschen Farben erfolgreich vertreten hatte.
Die nebenstehenden Fotos erinnern an diese Veranstaltung. Auf dem Bild unten rechts spielt Dueball gegen Alexander Hasselberg, der ebenso zu seinen Bezwingern gehörte wie Hans Jung (ganz vorn auf dem Foto oben rechts). Wir erkennen u.a. auch den Vorsitzenden Georg Meyer und Wülfing Etter, der wohl dem Küchenpersonal des Klubhauses die Angelegenheit erklärt.

1981 begrüßten wir den ungarischen Spitzenspieler Jozsef Földi.

Einzige Dame in der Reihe unserer prominenten Simultan-Gäste war 1994 die mehrfache WM-Kandidatin und spätere Senioren-Weltmeisterin Tatjana Satulowskaja, die von 25 Partien nur eine verlor, allerdings 10x den Punkt teilte.
Schließlich luden wir aus Anlass des 150jährigen Firmen-Jubiläums von Siemens im Jahre 1997 Bundestrainer Uwe Bönsch zum Simultanspiel ein. Sein Auftritt kostete einen glatten Tausender mehr als seinerzeit jener von Jürgen Dueball.

Im Jahre 2005 begründeten die Schachfreunde Siemensstadt eine neue Tradition: Die talentiertesten Jugendspieler des Vereins fordern hochkarätige Gäste im Uhrensimultan heraus. Zu den namhaftesten Spielern dieser Serie gehörten bislang der damalige BSV-Präsident Matthias Kribben und FIDE-Meister Benjamin Dauth. Ungeschlagen haben bislang nur die jungen Berliner Bundesliga-Spieler Georg Kachibadze (2010) und Philipp Lerch (2016) diese Herausforderung gemeistert.

Simultan-Auftritte unserer eigenen Spitzenspieler

Wie wohl in jedem Schachverein üblich, stellten sich auch unsere eigenen Spitzenspieler immer wieder der Herausforderung, gegen die eigenen Klubkameraden ein Simultanspiel zu wagen.
Schon eine der allerersten überlieferten Notizen bezieht sich auf einen solchen Spielabend: Im ersten Jahresbericht des SK Doppelbauer wird bereits von Simultanspielen berichtet und im Frühjahr 1915 spielten die damaligen Spitzenleute Lucht und Möller (Zweiter und Dritter der Klubmeisterschaft) ein Simultan, bei dem sie abwechselnd zogen. Trotz dieser erschwerenden Spielweise gewannen sie alle 11 Partien.

In der sehr simultan-aktiven Phase der folgenden Jahrzehnte tauchen als Alleinspieler immer wieder unsere aktuellen Spitzenkräfte auf. Stellvertretend seien die Herren Vogt, Palme, Gabelmann und Adeler genannt. In späterer Zeit hat Wülfing Etter diese Tradition fortgesetzt und zu den Uhren-Simultan-Gegnern unserer Nachwuchsabteilung gehörte Olaf Ritz.

Vortrags-Gäste und Trainer

Soweit erkennbar hat unser Verein in den ersten neun Jahrzehnten seines Bestehens keine externen Trainer engagiert. Die Freude am Spiel und der kameradschaftliche Kontakt standen für die Mehrheit unserer Spieler mehr im Blickpunkt als leistungssportlicher Ehrgeiz.

Das schließt freilich nicht aus, namhafte Spieler und Trainer einzuladen, die den Abend mit einem Schachvortrag bereichern, der gleichsam lehrreich und unterhaltsam sein kann. Oft waren die vorstehend beschriebenen Simultan-Veranstaltungen mit solchen Vorträgen verbunden. Leider war das nicht immer problemlos möglich, musste doch Alois Schropp 1924 noch feststellen: "… kann das … in Aussicht genommene Vortragsprogramm nicht zur Durchführung gelangen, da vorläufig kein geeignetes Demonstrationsschachbrett zur Verfügung steht."
Später ist dann schon bei Posts Auftritt 1928 von einem Vortrag die Rede und 1931 war der bekannte Endspieltheoretiker Dr. Erich Zepler zu Gast und referierte ausführlich u.a. zur Oppositionslehre. Später werden auch Willy Schlage und der eigene Spitzenspieler Bernhard Graf als Vortragende erwähnt.

Bild Ähnliche Veranstaltungen hat es gelegentlich sicher auch in der folgenden Jahrzehnten immer wieder gegeben.
Ein ambitioniertes Trainingsprogramm legte der Vorstand erst 2009 wieder auf. Zu diesem Zweck wurde sogar ein äußerst repräsentatives Demonstrationsbrett in Auftrag gegeben, welches unser Spieler Alexander Blohm mit großem handwerklichen Geschick fertigte.
In zwei Serien stellen die Top-Spieler des Vereins sowie ein professioneller Trainer ausgewählte Themen vor. Als regelmäßiger Referent konnte der Berliner Landestrainer FIDE-Meister Wilhelm Schlemermeyer (Foto links) gewonnen werden. Sein plötzlicher Tod im Sommer 2010 beendete diese sehr angenehme Zusammenarbeit und hinterließ auch bei uns eine schmerzliche Lücke.
Als sein Nachfolger wurde der Internationale Meister Ulf von Herman engagiert.


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