Bild Protokolle der Jahreshauptversammlung 1966

Nach dem die Versammlungen der Jahre 1964 und 1965 ohne große Emotionen verlaufen waren, gab es in diesem Jahr offenbar einigen Zündstoff, weshalb wir hier das Protokoll und den Spielleiterbericht ausführlich darstellen wollen.

Protokoll über die Jahreshauptversammlung am 21. Januar 1966 im Klubhaus Siemens

Bild Um 20 Uhr eröffnete der amtierende 1. Vorsitzende der Schachgruppe, Herr Meyer, die ordentliche Jahreshauptversammlung und begrüßte die Erschienen[en], als Vertreter des Kulturkreises Herrn Kantz.

Von 61 Mitgliedern der Schachgruppe waren 30 anwesend. Damit war die Beschlußfähigkeit der Versammlung nicht gegeben. Die Versammlung wurde daher vom Vorsitzenden geschlossen und für sofort anschließend eine außerordentliche Jahreshauptversammlung einberufen.

Die außerordentliche Jahreshauptversammlung billigte die den Mitgliedern schriftlich zugestellte Tagesordnung.

Zu Punkt 1 der Tagesordnung gab der 1. Vorsitzende seinen Jahresbericht über das abgelaufene Jahr 19641, der Bericht ist in Abschrift beigefügt.
Anschließend gab der Spielleiter einen Bericht über das Jahr 1965 mit abschließender Analyse, der Bericht ist ebenfalls in Abschrift beigefügt.

Der Bericht des Kassierers endete mit einem Kassenbestand von rd. 75 DM, die erhöhten Ausgaben des Jahres 1965 werden für die Zukunft Veranlassung sein, auch im kleinen Kreis Sparmaßnahmen zu ergreifen.

Bild Der Bericht der Kassenprüfer zu Punkt 2 musste ausfallen, da Herr Lübeck erkrankt war und Herr Seidel anderweitig am Erscheinen verhindert war. Da die Unterschriften der beiden Prüfer zum Kassenbericht vorlagen, wurden seitens der Erschienen[en] keine Bedenken gegen die Richtigkeit des vorgetragenen Kassenberichtes erhoben und die Ordnungsmäßigkeit der Kassenführung als gegeben unterstellt.

Zu Punkt 3 der Tagesordnung wurde dem Vorstand bei 2 Stimmenthaltungen Entlastung erteilt.
Anschließend übernahm Herr Kantz die Leitung der Versammlung. Er dankte allen Funktionären für die geleistete Arbeit in der vergangenen Zeit sowie allen Mitgliedern der Schachgruppe für ihren erfolgreichen Einsatz bei den Wettkämpfen der Schachgruppe. Herr Kantz beendete seine Ausführungen mit dem Wunsch nach weiterer guter Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand des Kulturkreises und dem Vorstand der Schachgruppe und nahm dann die Wahl des 1. Vorsitzenden vor.
Der Vorstand hat nach der Neuwahl folgende Zusammensetzung:
1. Vorsitzender Herr Meyer
2. Vorsitzender Herr Kahlert
Kassierer Herr Striebel
Schriftführer einstweilen unbesetzt
Spielleiter Herr Rummel, Vertr. Herr Ide
Kassenprüfer Herr Lübeck, Seidel, Etter
Sämtliche Wahlen erfolgten einstimmig.
Als Delegierte für die Jahreshauptversammlung des Kulturkreises wurden die Herren Striebel und Kahlert gewählt, als Vertreter die Herren Leu und Olbrich.

Zu Punkt 5 der Tagesordnung – Verschiedenes – wurden folgende Punkte besprochen:

Die Versammlung wurde vom Vorsitzenden um 21.20 Uhr geschlossen.

Meyer Vorsitzender – Ide Schriftführer

Aus dem Bericht des Vorsitzenden

Aus dem Bericht von Schachfreund Meyer sei an dieser Stelle nur eine kurze Passage zitiert:
… Mein besonderer Dank gilt unserem vorzeitig zurückgetretenen Spielleiter Schachfreund Leu, der sich mit Liebe und großem Arbeitseifer seiner schwierigen Aufgabe gewidmet hat. Ich möchte die Hoffnung aussprechen, daß wir ihn recht bald wieder als Spielleiter zurückgewinnen können. …

Wie wir heute wissen, war diese Hoffnung sehr berechtigt und erfüllte sich bald. Zu den Ursachen für Manfred Leus vorübergehenden Rückzug gibt der Bericht von Spielleiter Helmut Ide Auskunft.

Aus dem Bericht des Spielleiters

Bild Nach ausführlicher Darstellung der sportlichen Ergebnisse kam Ide zu einigen wichtigen prinzipiellen Bemerkungen.

Die Mitgliederzahl der Schachgruppe im Kulturkreis Siemens ist seit Jahren kaum nennenswerten Schwankungen unterworfen, Abgänge werden durch Zugänge aus anderen Gemeinschaften wieder ausgeglichen. Hierbei hat es sich bisher fast ohne Ausnahme um Schachfreunde älterer Jahrgänge gehandelt, womit bereits alles über die Jugendarbeit gesagt ist. So unerfreulich und wenig hoffnungsvoll es auch klingen mag – Schach ist kein Volkssport – und findet bei der Jugend nur geringen Anklang. Ohne Kritik üben zu wollen muß festgestellt werden, daß es auch der Berliner Schachverband nicht vermocht hat, Mittel und Wege zu finden, die Jugendarbeit so zu gestalten, daß auch die den Turnierbetrieb tragenden Klubs davon profitieren würden. Es kann nur als schwacher Trost angesehen werden, wenn die gleichen Verhältnisse auch bei anderen Landesverbänden in der Bundesrepublik vermutet werden können.

Die Beteiligung an unseren Spielabenden und den internen Turnieren ist als gut zu bezeichnen, eine gewisse Müdigkeit in den Sommermonaten ist jahreszeitlich bedingt. Die Mannschaftswettkämpfe konnten mit Ausnahme der 3. Mannschaft stets bei voller Brettbesetzung gespielt werden, besonders sei hier die 2. Mannschaft erwähnt, die alle Wettkämpfe der Winterrunde 1964/65 mit der gemeldeten Stammbesetzung bestritt. Es war deshalb ein besonders bitterer Lohn, daß die Mannschaft unerwartet nur den letzten Platz belegte und in die 3. Klasse absteigen mußte. Aber auch für die 3. Mannschaft sollte es bei etwas mehr Bereitwilligkeit der gemeldeten Ersatzspieler möglich sein, jeweils mit voller Brettbesetzung anzutreten. Trotz der in dieser Hinsicht aufgetretenen Schwierigkeiten gelang es den treuen Kämpfern dieser Mannschaft, die entscheidenden wichtigen Punkte für den Wiederaufstieg in die 3. Klasse zu erringen. Den Mannschaftsführern, den Herren Leu, Striebel und Lübeck, sei auch an dieser Stelle für die zusätzliche Arbeit bei den Rundenspielen gedankt.

Bild Die noch nicht beendete Klubmeisterschaft des Jahres 1965 berührt u.a. ein Problem, das man nicht stillschweigend übergehen sollte. Die leider zugelassene Mitgliedschaft in mehreren Klubs wirkt sich oftmals hinderlich für den Spielbetrieb und den Ablauf eines Turniers aus, wenn sich solche Mitglieder an zeitlich gleichlaufenden Turnieren mehrerer Klubs beteiligen. Gleiche Spielabende führen zwangsläufig zu Verzögerungen in der Erledigung angesetzter Partien. Die Leidtragenden sind in solchen Fällen ohne Zweifel die Klubs, für deren Repräsentanz die Spieler mit Doppelmitgliedschaft nicht zu gewinnen sind. Es muß zwangsläufig der Eindruck entstehen, daß die Mitglieder und Spielabende des benachteiligten Klubs und sonstige noch zur Verfügung stehende Tage der Woche in erster Linie einer besseren Freizeitgestaltung zu dienen gut genug sind.

Bedauerlicherweise hat sich der langjährige Spielleiter unserer Schachgruppe, Herr Leu, im Herbst 1965 veranlaßt gesehen, von der Erledigung seines den Spielbetrieb aufrechterhaltenden Aufgabenbereichs zurückzutreten.
Anerkanntermaßen hat Herr Leu seit Jahren unter Hintanstellung persönlicher Interessen und unter persönlichen Opfern den gesamten Spielbetrieb zum Wohle der Schachgruppe Siemens geleitet. Hierfür sei Herrn Leu auch bei dieser Gelegenheit nochmals besonderer Dank gesagt. Ein gewisses zutage getretenes Querulantentum sowie Kritik, die wohl nicht immer berechtigt und in der Form des Vortrags keineswegs angemessen war, mögen ihm zu seinem bedauerlichen Entschluß Veranlassung gegeben haben. Wenn daraus weiter folgend Mitglieder der Schachgruppe, die als Mensch und Spieler jederzeit gern gesehen waren, eine weitere Beteiligung am Spielbetrieb ablehnen, um evtl. zu erwartenden weiteren Auseinandersetzungen vorsorglich aus dem Wege zu gehen sollte dies ein Alarmzeichen für den Vorstand sein, sich Gedanken über die Gründe derartigen Verhaltens zu machen. Außenseiter sollten zur rechten Zeit und mit rechtem Wort in die Bahnen gelenkt werden, die allein einen reibungslosen Ablauf des Spiel- und Turnierbetriebs gewährleisten. Eine Gemeinschaft Gleichgesinnter kann nur dann positiv entwickelt werden, wenn persönliche Interessen eines Einzelnen den Erfordernissen des Allgemeinwohls untergeordnet werden.

Der Rückblick auf das Jahr 1965 hat viel Erfreuliches nochmals vor die Augen geführt, die richtigen Lehren aus aufgetretenen Schwächen zu ziehen sollte eine vordringliche Aufgabe der nächsten Zeit sein.

(Ide) Spielleiter


1 Der dem Protokoll beiliegende Bericht bezieht sich selbstverständlich auf das Jahr 1965.


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Vereinschronik –– Übersicht zu den Protokollen