Fazit

Unsere Ergebnisse – vor allem aber die gespielten Partien – haben nicht in jedem Falle die hoch gesteckten Erwartungen erfüllt. Wir wissen, dass wir mit unseren ausgeglichenen starken Teams zu den ersten Adressen im Berliner Jugendschach gehören. Doch andererseits haben wir noch niemand, der mit den herausragenden Einzelkönnern im Hochleistungsbereich mithalten kann.
Der Abstand dorthin ist aber bei einigen unserer Spieler (und in einzelnen Partien) schon erfreulich gering geworden.
Leider unterliefen fast allen Spielern – zum Teil mehrfach – grobe Patzer, die nichts mit ihrem sonstigen Spielvermögen zu tun haben. Das ist nur durch mangelnde Erfahrung und abfallende Kondition und Konzentration zu erklären. Turnierschach ist eben auch eine sportliche Herausforderung, die man nicht unterschätzen darf.
Auf diesem Gebiet haben wir hier viele wichtige Erfahrungen gesammelt, die uns schon bei den nächsten Wettkämpfen helfen werden. Die Leistungsentwicklung von Florian zeigt, wie das weitergehen kann.


Einzelkritiken

Tim Rettig – U18 -- 3 Punkte -- Platz 16 -- Gesamtspielzeit: über 18 Stunden
Nach der Papierform ist Tims Ergebnis eine kleine Enttäuschung. Doch er unterlag nur gegen Spitzenleute, holte gegen starke Konkurrenz Remisen heraus und konnte seine DWZ fast bestätigen. So gesehen – und mit Blick auf einige interessante Partien – war es ein standesgemäßer Auftritt bei seiner ersten BJEM.

Jan Porschen – U16 -- 4 Punkte -- Platz 12 -- Gesamtspielzeit: über 18 Stunden
Jan schlug sich im sehr starken U16-Feld achtbar. Er verlor nun gegen den neuen Meister und den vorjährigen U14-Titelträger. Auch er konnte seine DWZ fast bestätigen. Ein unnötiges Remis zuviel (wie so oft) und vielleicht zu wenig Selbstvertrauen gegen die Top-Spieler verhinderten noch das Vordringen auf einen besseren Platz.

Florian Schmidt – U16 -- 4 Punkte -- Platz 14 -- Gesamtspielzeit: über 24 Stunden
Florian war unser großer Star bei dieser BJEM. Seine DWZ-Verbesserung um fast 250 Punkte ist phantastisch. Gegen renommierte Spieler zeigte Florian, dass er bereits im vorderen Bereich mithalten kann. Absoluter Höhepunkt war die Gewinnpartie mit frühem Damenfang in der 5. Runde (siehe dort). Zwei zwischenzeitlich besser stehende Remis-Endspiele zeigen, dass er sehr bald noch mehr erreichen kann.

Philipp Ernst – U16 -- 3 Punkte -- Platz 25 -- Gesamtspielzeit: über 20 Stunden
Philipp spielte sein erstes Turnier mit langer Bedenkzeit. Sein Turnierverlauf ist typisch für den Auftritt unserer 4 Debütanten. Er begann enorm stark und konzentriert, bezwang einen Top-10-Spieler. Doch mit den Niederlagen der folgenden Runden schwanden zuerst die Kondition und dann das Selbstvertrauen. Tiefpunkt waren einige untypische Patzer sowie das Remisgebot in klarer Gewinnstellung in der 6. Runde. Doch gerade noch rechtzeitig fand Philipp seine Lockerheit wieder und beendete das Turnier mit einem schönen Sieg. Eine vierstellige Erst-DWZ ist der verdiente Lohn.

Jean Steinberg – U16 -- 3 Punkte -- Platz 27 -- Gesamtspielzeit: fast 14 Stunden
Jean konnte an sein gutes Ergebnis vom Vorjahr leider nicht anknüpfen. Gute Partien wechselten mit Patzern über die er eigentlich schon hinweg ist. Knackpunkt war die unnötige Niederlage nach einem Fingerfehler – und allerdings ausgesprochen fairem Verhalten – in der 5. Runde. Kleine Unkonzentriertheiten verdarben ein Ergebnis, das seinem Können entsprochen hätte.

Alexander Hardenberg – U16 -- 2 Punkte -- Platz 30 -- Gesamtspielzeit: über 17 Stunden
Alexander musste in seinem ersten Turnier viel Lehrgeld bezahlen. Aber gerade bei ihm kann man sicher sein, dass er von diesen Erfahrungen profitieren wird. Sein Können – gepaart mit der hier erworbenen Routine – wird ihn schon bald weiter nach vorn bringen.

Sebastian Krieger – U16 -- 2 Punkte -- Platz 33 -- Gesamtspielzeit: 11,5 Stunden
Dass es für Sebastian ein sehr schweres Turnier werden würde, war vorher abzusehen. Er hat es mit Bravour bestanden und Erfahrungen gesammelt, die ihm in den nächsten Wettkämpfen weiterhelfen werden. Wenn Sebastian ideenreich angreifen konnte, war er in seinem Element und ließ sein Können aufblitzen.

Cara Hoffmann – U14 -- 4 Punkte -- Platz 10 -- Gesamtspielzeit: über 17 Stunden
Cara hat ihre Ziele erreicht. Mit einem Platz in den Top-10 und einer spürbaren DWZ-Steigerung qualifizierte sie sich für den Stichkampf um die Meisterschaft der U14-Mädchen. Eine Medaille sollte dort auf jeden Fall zu holen sein und die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft bleibt das Ziel. Die Partien waren nicht in jedem Falle ihrem Können angemessen. Da ist eine Steigerung möglich und nötig, um im Stichkampf zu bestehen.

Roland Pugliese – U14 -- 2 Punkte -- Platz 23 -- Gesamtspielzeit: fast 14 Stunden
Unser Jüngster musste besonders schmerzhaft erfahren, wie schwer ein solches Turnier ist und wie gnadenlos jeder Fehler hier bestraft wird. Aber gerade Roland ist ein Typ, den solche Erfahrungen nach der ersten Enttäuschung voran bringen und aufbauen. Wir haben alle – den Trainer eingeschlossen – mal so angefangen. Kopf hoch – wir wissen was du kannst!!

Thomas Binder, Februar 2005