Fazit

Diese Meisterschaft war ein weiterer Schritt nach vorn für die Nachwuchsabteilung der Schachfreunde Siemensstadt und die Talente aus der Herderschach-AG. Erstmals nach langer Zeit geht eine Medaille in einer Einzelmeisterschaft in unsere Reihen. Roland Pugliese krönte damit seine kontinuierliche Leistungsentwicklung. Dass wir aber auch insgesamt zu den besten Einzelspielern aufgeholt haben, zeigen einige weitere herausragende Plätze: vier Spieler in den Top-Ten sind eine Bilanz, die nur wenige Vereine überbieten konnten. Darüber hinaus zeigt das Ergebnis von Sebastian, dass ausdauerndes Training letztlich vom Erfolg gekrönt wird.
Natürlich gab es auch einige enttäuschte Gesichter. Hier muss ich als Trainer kritisch anmerken, dass viele Partien zu schnell verloren gingen. Kampfkraft und Ausdauer sind sonst oft unsere Stärke. Davon war diesmal zu wenig zu sehen.


Einzelkritiken

Sebastian Krieger – U18 -- 3 Punkte -- Platz 14 -- Gesamtspielzeit: fast 22 Stunden
Sebastian spielte mit Abstand sein bisher bestes Turnier. Mit der niedrigsten DWZ gestartet, etablierte er sich im Mittelfeld. Der Grund ist ein fundamentaler Wechsel seiner Wettkampfeinstellung, der in enorm verbesserter Bedenkzeiteinteilung zum Ausdruck kommt. Sebastian verbrauchte fast doppelt so viel Zeit wie im Vorjahr. Dadurch gelang es ihm, seine guten Ideen auch in korrektes Spiel umzusetzen. Verdienter Lohn ist der höchste DWZ-Zuwachs aller BJEM-Gruppen.

Jean Steinberg – U18 -- 2 Punkte -- Platz 21 -- Gesamtspielzeit: über 14 Stunden
Jean stand diesmal völlig neben sich. Wenn es in einem Turnier erst einmal nicht läuft, findet man ganz schwer wieder zu Normalform – ein Gefühl, das wohl jeder Schachspieler kennt. Wir wissen, dass Jean viel mehr kann und zum Glück zeigt er das auch regelmäßig in den Mannschaftskämpfen.

Jan Porschen – U16 -- 4,5 Punkte -- Platz 6 -- Gesamtspielzeit: fast 19 Stunden
Jans Bilanz bleibt zwiespältig. In der ersten Turnierhälfte gab es neben leichten Siegen zwei ärgerlich schnelle Niederlagen. Danach bewies er aber den Kampfgeist und die Kraft, sich aus dieser kleinen Krise aufzurichten und erreichte so noch sein bisher bestes BJEM-Ergebnis.

Florian Schmidt – U16 -- 4,5 Punkte -- Platz 7 -- Gesamtspielzeit: fast 23 Stunden
Florian blieb in der BJEM ungeschlagen – das ist Qualitätsbeweis genug. Er hat sich weiter stabilisiert und ist nun ein anerkanntes Mitglied der Berliner Jugend-Spitze. Etwas aktiveres Spiel hätte vielleicht aus dem einen oder anderen Remis noch einen Sieg gemacht. Seine phantasievolle Spielweise mit taktischen Ideen wird Florian noch viele schöne Erfolge bescheren.

Dmitry Chervyakov – U16 -- 3 Punkte -- Platz 22 -- Gesamtspielzeit: fast 14 Stunden
Fabian Laude – U16 -- 2 Punkte -- Platz 23 -- Gesamtspielzeit: 10,5 Stunden
Jonas Pohl – U16 -- 2 Punkte -- Platz 25 -- Gesamtspielzeit: 15,5 Stunden
Die 3 Mitglieder unseres erfolgreichen WK-III-Teams sollten bei ihrem ersten Turnier Erfahrungen sammeln. Nur selten gelang es ihnen, ihr zweifellos vorhandenes Können aufblitzen zu lassen. Fabian sorgte mit dem Auftaktsieg gegen einen Spieler der Jugend-Bundesliga für einen Paukenschlag. Jonas erarbeitete sich mehrfach klare Gewinnstellungen, konnte diese aber nicht immer nutzen. Dmitry fand nur gegen die eigenen Teamkameraden zu Normalform. Alle drei werden von der Erfahrung dieses Turniers profitieren. Das Beispiel von Roland und Sebastian – die vor einem Jahr ähnlich abschnitten – zeigt, wohin die Reise gehen kann.

Roland Pugliese – U14 -- 5 Punkte -- Platz 2 -- Gesamtspielzeit: fast 17 Stunden
Rolands Leistung ist über jede Kritik erhaben. Er unterlag nur dem überlegenen Turniersieger und wurde verdient mit dem Gewinn der Silbermedaille für Trainingsfleiß und Einsatzbereitschaft belohnt.

Cara Hoffmann – U14 -- 4,5 Punkte -- Platz 6 -- Gesamtspielzeit: über 17 Stunden
Cara lag lange Zeit in der Spitzengruppe. Mit ihrer reifen Spielanlage gehört sie zweifellos zu den absoluten Top-Spielern dieser Altersklasse. Leider waren es dann einige taktische Überseher, die einen noch besseren Platz verdarben. Aber sie bekommt eine zweite Chance: Die hier gezeigte Form sollte Mut machen, sich in der Mädchen-Meisterschaft noch für die deutschen Titelkämpfe zu qualifizieren.


Die Turniere

U18

1. Attila Figura SC Kreuzberg 2352 6,5 29,0
2. Nils Decker Zitadelle Spandau 2001 5,0 29,5
3. Andreas Mai Friesen Lichtenberg 1730 5,0 26,5
4. Carsten Schirrmacher Zitadelle Spandau 1915 4,5 29,5
5. Clemens Krautschick Empor Berlin 1769 4,5 28,0
6. Konstantin Bubolz König Tegel 2051 4,0 29,5
7. Laurin Baumgardt Empor Berlin 2081 4,0 27,5
8. Alina Rath König Tegel 1853 4,0 27,0
14. Sebastian Krieger SF Siemensstadt 978 3,0 24,0
21. Jean Steinberg SF Siemensstadt 1493 2,0 19,5

In einem stark besetzten Turnier war der hohe Favorit ungefährdet – auch weil sich die Verfolger gegenseitig die Punkte abnahmen. Spannung kam also nur um Platz 2 und 3 auf, dafür aber reichlich und mit durchaus überraschendem Ausgang.

U16

1. Robert Glantz Königsjäger SW 1828 6,0 29,0
2. Friedrich Koch Borussia Friedrichsfelde 1707 5,5 28,0
3. Oliver Rath König Tegel 1746 5,0 33,0
4. Charly Gräfe Borussia Friedrichsfelde 1702 4,5 29,0
5. Gregor Spieß Empor Berlin 1737 4,5 28,0
6. Jan Porschen SF Siemensstadt 1643 4,5 25,5
7. Florian Schmidt SF Siemensstadt 1466 4,5 23,0
22. Dmitry Chervyakov SF Siemensstadt 1267 3,0 20,0
23. Fabian Laude SF Siemensstadt 2,0 24,5
25. Jonas Pohl SF Siemensstadt 2,0 21,5

Die U16 war stark und in der Spitze sehr ausgeglichen besetzt. Mit Robert Glantz gewinnt der vermutlich in Sachen Turniertaktik reifste Spieler des Feldes. Seine Verfolger waren noch zu unausgeglichen. Persönlich freue ich mich über den Erfolg von Friedrich Koch, dessen Entwicklung ich schon lange mit Sympathie beobachte. Unsere Top-Spieler haben inzwischen die Routine, auf diesem Niveau mitzuspielen.

U14

Bild

1. Georg Kachibadze TuS Makkabi 1917 7,0 29,0
2. Kelvin Yao SK Tempelhof 1623 5,0 29,0
3. Roland Pugliese SF Siemensstadt 1078 5,0 28,0 – 200,0
4. Duc Son Le Treptower SV 1300 5,0 28,0 – 194,5
5. Oliver Lutz Rot-Weiß Neuenhagen 1040 5,0 24,0
6. Cara Hoffmann SF Siemensstadt 1312 4,5 32,5

Der überragende Favorit setzt sich mit makelloser Bilanz durch. Platz 2 geht völlig verdient an den einzigen Spieler, der ihn in der direkten Partie in ernsthafte Gefahr brachte. Unsere Vertreter landen in der Spitzengruppe, wobei Caras sehr hohe Buchholzwertung zeigt, dass sie etwas unter Wert geschlagen wurde. Auf den mittleren und hinteren Plätzen wurde leider oft ein Schach geboten, das einer Landesmeisterschaft nicht wirklich würdig war.

Nachtrag im März 2006: Die Abschlusstabelle wurde nachträglich korrigiert. Damit ergibt sich auf Platz 2 und 3 noch eine erfreuliche Veränderung:

1. Georg Kachibadze TuS Makkabi 1917 7,0 26,0
2. Roland Pugliese SF Siemensstadt 1078 5,0 26,0 – 158,5
3. Kelvin Yao SK Tempelhof 1623 5,0 26,0 – 149,5

Thomas Binder, Februar 2006