Fazit und Einzelkritiken

Es war klar, dass es bei dieser BJEM nicht um viele Spitzenplätze gehen konnte. Die meisten Spieler starteten zum ersten Mal in einem solch anspruchsvollen Turnier. Sie haben viel gelernt und gehen gestärkt in die künftigen Wettkämpfe.
Die Geschichte unserer AG zeigt genau diesen Trend:
Die erste BJEM-Teilnahme ist zum Lernen da. Ab dem zweiten Jahr werden vordere Plätze angepeilt.
Den Trainer freut außerdem die Fülle lehrreichen Materials, vor allem für die Endspielausbildung.

Einzelkritiken

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Jonas PohlU16 – 4,5 Punkte – 4.Platz.
Ein Jahr nach dem völlig verkorksten BJEM-Debüt ist Jonas in der Spitzengruppe des Berliner Jugendschachs angekommen, und das obwohl ihm die meisten Gegner an Wettkampferfahrung und Theorieausbildung weit voraus sind. Seine Leistung ist aus unserer Sicht die eigentliche Sensation der diesjährigen BJEM. Entsprechend seinem abgeklärten Wesen legte er auch seine Partien ruhig an und machte kaum offensichtliche Fehler. Wenn es dann ins Endspiel ging, konnte er seine Stärken im analytischen Denken und genauen Berechnen ausspielen. Die Krönung war das viel beachtete Endspiel mit 3 Bauern gegen Turm und einen Bauern in der vorletzten Runde.
Sehr beachtlich war auch Jonas´ Zeiteinteilung. Obwohl er nie wirklich in Zeitnot kam, gehörten seine Partien fast immer zu den längsten der Runde.

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Roland PuglieseU16 – 4 Punkte – 5.Platz.
Der fünfte Platz ist mit der vorjährigen U14-Silbermedaille etwa gleichzusetzen. Roland spielte diesmal auch gegen die vermeintlich übermächtigen Gegner ordentlich und offensiv mit – auch wenn dies noch nicht belohnt wurde. Sein Kampfgeist rettete zudem eine schlecht stehende Partie zum Remis. Die übrigen Spitzenspieler seiner Altersklasse haben ihm vor allem eine umfassendere Wettkampfpraxis voraus – aber daran lässt sich gewiss in naher Zukunft etwas ändern.

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Cara HoffmannU16 – 3,5 Punkte – 11.Platz.
Für Cara lief diesmal nicht alles nach Wunsch, aber eigentlich lag es nur an einer einzigen übersehenen Springergabel. Gegen die Top-Spieler verkroch sie sich nicht, sondern spielte aktiv mit. Das allein ist eine neue Qualität ihres Spiels. Alle Partien sind aufgrund ihrer soliden Ausbildung sehr planvoll angelegt, doch leider kommt eben immer noch hier und da ein taktisches Übersehen dazwischen. Wenn wir das in den Griff bekommen, ist ein neuer Leistungssprung möglich – vielleicht schon zur separaten BJEM der Mädchen.

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Louis MatheoschatU16 – 1 Punkt – 15.Platz.
Für Louis war diese Meisterschaft das erste ernsthafte Turnier überhaupt. Seine Leistungs- und Lernbereitschaft sind hoch anzuerkennen. Er spielte hier um mindestens zwei Klassen besser, als sonst im Training gewohnt. Seine Partien waren durchweg ordentlich angelegt und ohne grobe Fehler. Es lag wohl an der ernsthaften Turnieratmosphäre einer solchen Meisterschaft, dass er die richtige Einstellung zu den Partien fand. Erst gegen Ende des Turniers fehlte ihm ein wenig die Kondition.
In komplizierten Stellungen fiel es Louis noch schwer, einen brauchbaren Plan zu finden. Das führte dann meist zu unnötigen Schwächungen.
Die hier gezeigten Leistungen müssen nun Maßstab für sein weiteres Auftreten in Training und Wettkampf werden, dann ist schon bald eine deutliche Steigerung zu erwarten.

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Yann Paul HartmannU14 – 2,5 Punkte – 24.Platz.
Das Abenteuer BJEM hat sich für Yann Paul gelohnt. Er ist mit der Erfahrung dieses Turniers nun unter den "richtigen Schachspielern" angekommen. Sein Ergebnis entspricht unseren Erwartungen. Gegen die deutlich erfahreneren Spieler hat er ordentlich mitgehalten. Freilich war der eine oder andere Fehler noch nicht zu vermeiden. Sein besonnenes Auftreten und sein gründliches Durchrechnen der Zugmöglichkeiten wurden aber schon mit den ersten Erfolgen belohnt. Sehr vorteilhaft hob er sich gegenüber einer ganzen Reihe von U14-Spielern ab, die Verluststellungen bis zum Matt weiterspielen. Schon bei einem Figurenverlust in perspektivloser Stellung gab er seine Partien auf – so wie es eben vernünftige Schachspieler tun.
Das Ergebnis dieser BJEM und die ansehnliche Erst-DWZ sollten ihm das Selbstvertrauen geben, künftig noch optimistischer an seine Partien heranzugehen.

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Kevin SongU14 – 2 Punkte – 26.Platz.
Von Kevin hatten wir nach den Leistungen in der AG schon mehr erwartet. Aber das intensive Training in seinem Verein trug hier noch keine Früchte. Nach gutem Eröffnungsaufbau versiegten die Ideen doch recht früh und hin und wieder schlichen sich grobe Patzer ein, die schnell auch Punkte kosteten. Wenn es Kevin hingegen gelang, aus der Eröffnung heraus einen gewinnbringenden Angriff aufzubauen, war er in seinem Element und fuhr attraktive Siege ein.

Finalturnier U12

Für die U12 gelten andere Maßstäbe als bei den offenen Turnieren der oberen Altersklassen. Hier hatten sich Robin und Erik über anstrengende Vorrunden qualifiziert und unter den Top-12 unseres Landes etabliert. Man muss sich nur die ca. 70 Spieler hinter ihnen vorstellen, denen das nicht gelang – schon erscheinen die Plätze 10 und 12 in besserem Licht.

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Robin ToebsU12 – 2 Punkte – 10.Platz.
Für Robin begann das Turnier mit zwei herben Enttäuschungen nach unglücklichem Partieverlauf. Leider gelang es ihm nicht schnell genug, sein Selbstvertrauen wieder zu finden. So folgten noch einige unnötige Punktverluste. Das ist eben auch der Nachteil eines Rundenturniers: Im Gegensatz zum Schweizer System kommen hier keine "Aufbaugegner", wenn man sie brauchen würde. Doch gerade gegen die starken Kontrahenten sah Robin dann wieder besser aus, nahm Lukas Tong einen entscheidenden halben Punkt (es konnte auch ein ganzer sein) ab, der diesem zum Stichkampf fehlte, und brachte auch Aron Moritz an den Rand einer Niederlage.

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Erik NissenU14 – 1 Punkt – 12.Platz.
Erik ging mit der richtigen Einstellung in dieses Finale. Als Außenseiter war er zum Lernen und zum Sammeln wichtiger Erfahrungen da. Die Turnierwoche hat ihm gewiss Spaß gemacht und wird ihn für die künftigen Team-Wettkämpfe enorm voran bringen. Das auf den ersten Blick schwache Abschneiden hat eine ganz einfache Ursache, die sich in nahezu allen Partien wiederfand: Erik spielte extrem ruhig und passiv. Das ist für sich genommen ja nicht schlecht. Petrosjan ist so Weltmeister geworden ;-)
Aber wenn dann regelmäßig auch noch die Bedenkzeit knapp wird, schleichen sich kleine Ungenauigkeiten ein, geht hier ein Bauer oder dort eine Qualität verloren. Mit aktivem Spiel und offensiver Stellung könnte man solche Verluste sicher noch vertragen, bei passiver Stellung führen sie unmittelbar zur Niederlage. Das erkannt zu haben und es künftig besser zu machen, war für Erik und seine Trainer eine wichtige Erfahrung.