Fazit und Einzelkritiken

Wir sind bei dieser BJEM deutlich unter den – gewiss nicht zu hoch angesetzten – Erwartungen geblieben. Viele unserer Spieler erreichten nicht ihre Normalform. Zum anderen fehlte uns eine Leitfigur, die in der Lage gewesen wäre mit begeisternden Partien und guten Ergebnissen, die Teamkameraden mitzureißen.
Leider musste der Trainer auch an jedem Tag über den einen oder anderen elementaren Fehler den Kopf schütteln. Da boten wir stellenweise ein Niveau, das einer Landesmeisterschaft nicht würdig war. Unsere Idee, möglichst vielen Spielern das Erlebnis dieses hochkarätigen Turniers zu ermöglichen, steht auf dem Prüfstand und es gibt viele Lehren zu ziehen, über die wir nun in aller Ruhe nachdenken werden.

Wenn wir auf das Abschneiden der 10 Spieler blicken, werden wir aber neben viel Schatten auch den einen oder anderen Hoffnungsfunken schimmern sehen.

Einzelkritiken

Bild Florian Schmidt – U18 – 3,5 Punkte – 8. Platz
In einem enorm starken Feld spielte Florian wohl seine beste BJEM und belohnte sich mit einem schönen DWZ-Zuwachs.
Äußerlich souverän, konzentriert und ausgeglichen gab er ein Vorbild ab, von dem sich die jüngeren Spieler gerne eine Menge abgucken dürfen. Kampfgeist und Siegeswille waren jederzeit vorhanden. Eine Gesamt-Bedenkzeit von 27 Stunden für 7 Partien spricht für sich.

Bild Roland Pugliese – U16 – 3,5 Punkte – 7. Platz
Roland war hier sicher nicht in Bestform, wohl auch nach dem anstrengenden Potsdamer Weihnachtsturnier etwas überspielt. Aber ein Spieler mit seinen Kämpferqualitäten wird auch mit solcher Situation fertig. Bei fast 23 Stunden Spielzeit muss er sich jedenfalls nichts vorwerfen.
Ob man hier und da mit etwas mehr Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft einen halben Punkt mehr verdienen konnte, muss Roland selbst entscheiden. Er unterlag nur dem Vizemeister, aber 5 Remisen waren dann eben doch etwas zu viel für den Kampf um die Medaillen…

Bild Leon Rolfes – U14 – 3,5 Punkte – 16. Platz
Leons realistisches Ziel war ein Platz unter den ersten Zehn. Davon ist er am Ende sehr weit entfernt. Der Abstand zu den besten Spielern war zu groß und gegen gleichwertige Konkurrenz wurden mindestens 1–1½ Punkte unnötig vergeben. Leon ließ sich zu sehr vom Umfeld ablenken und spielte vor allem in vorteilhaften Positionen viel zu nachlässig. Wenn er volle Konzentration zeigt, werden sich auch wieder Ergebnisse einstellen, die seinem Leistungsvermögen entsprechen.

Bild Kevin Song – U14 – 3,5 Punkte – 18. Platz
Kevin konnte sich zum Vorjahr deutlich steigern. Seine Partien waren aber noch recht wechselhaft und nur 11 Stunden Gesamtspielzeit zeugen nicht unbedingt von allerbester Konzentration. Dennoch ein Ergebnis, welches zeigt, dass es weiter nach vorn gehen kann.

Bild Tilman Brämick – U14 – 3 Punkte – 19. Platz
Mit vorbildlichem Kampfgeist versuchte Tilman in der letzten Runde noch in die obere Hälfte zu kommen. Dass dies schließlich nicht gelang, ist kein Beinbruch. Tilman spielte überwiegend ordentlich und konzentriert. Ein unnötiger Einsteller vermieste eine schon gewonnen geglaubte Partie.

Bild Yann Paul "Ypsi" Hartmann – U14 – 3 Punkte – 20. Platz
Nach etwas zähem Start arbeitete sich Ypsi noch auf 3 Punkte vor. Mit diesem Ergebnis kann er noch zufrieden sein und wird bei gewohnt selbstkritischem Nachdenken über seine Partien sicher selbst gemerkt haben, wo noch Reserven liegen. Ein grober Patzer genügt eben meist, und der Punkt wandert auf die andere Tischseite…

Bild Jonas Brenck – U14 – 2,5 Punkte – 23. Platz
Jonas ging völlig unbelastet in sein erstes mehrtägiges Turnier – und kommt gestärkt, selbstbewusst und mit wertvollen Erfahrungen heraus. In Erinnerung bleibt natürlich vor allem sein effektvoller Sieg gegen einen renommierten Gegner.
Eine ansehnliche Erst-DWZ ist der verdiente Lohn.

Bild Erik Nissen – U14 – 2,5 Punkte – 24. Platz
Einstellung, Konzentration, Zeiteinteilung – alle "weichen Kriterien" haben eigentlich gestimmt. Das Problem, welches bisher bessere Ergebnisse verhindert, liegt in Eriks passiver Spielweise. Es gelingt ihm nicht, aktiv – sagen wir ruhig "aggressiv" – zu spielen. So können sich auch eigentlich schwächere Spieler ein Remis erklammern und gegen Stärkere genügt dann ein kleiner Fehler, um die passive Stellung zu einer Verluststellung zu machen.

Bild Khai Van Tran – U14 – 1,5 Punkte – 27. Platz
Erneut ist es Khai Van nicht gelungen, sein großes Wissen und zweifellos vorhandenes Können in Ergebnisse umzusetzen. Auch einige elementare Patzer widersprechen völlig seiner sonst so ausgeglichenen Persönlichkeit, seiner vorbildlichen Konzentration und Ausdauer. Als zuverlässiger Mannschaftsspieler hat er schon oft bewiesen, dass es auch besser geht. Irgendwann wird sich das auch in einem Einzelturnier zeigen lassen.
Mit einem gekonnten Klaviersolo umrahmte Khai Van die Siegerehrung und zeigte einmal mehr, dass unsere Schachspieler auf vielen Gebieten talentiert sind.

Bild Sebastian Maaßen – U14 – 1 Punkt – 28. Platz
Mehr als 20 Stunden Gesamtbedenkzeit dürften U14-Rekord sein. Der Blick auf Platz und Punkte trügt. Zwar leistete sich Sebastian auch ein paar kapitale Schnitzer, aber weit öfter war er ganz dicht am Erfolg. Was er wirklich kann, zeigte er bei zwei zäh und umsichtig – und schließlich auch erfolgreich – verteidigten Turmendspielen mit Minusbauern. Wenn wir diese positiven Erinnerungen und die vielen lehrreichen Erfahrungen mitnehmen, hat der BJEM-Start sein Ziel erreicht.

Alle Berichte, Kommentare und Fotos dieser BJEM: Thomas Binder