Berliner Meisterschaft 2008 – 1. Vorrunde U12

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Fünf Herder-Schüler vertraten Schule und Verein bei der 1. BJEM-Vorrunde in Neuenhagen. Eigentlich standen diesmal nicht die Finalplätze im Mittelpunkt, sondern das Sammeln von Erfahrungen. Für die meisten unserer Spieler war diese BJEM mit Abstand das bisher anspruchsvollste Turnier. Doch nach 4 anstrengenden Turniertagen konnten wir einen unerwarteten Erfolg bejubeln.

1. Tag
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Mit 6 Punkten aus 9 Partien startete unser Fünfer in das schwere Turnier. Zahlenmäßig ist damit die Vorgabe des Trainers weit übertroffen. Allerdings muss man auch erkennen, dass das Leistungsgefälle im Feld der 46 jungen Spieler diesmal recht groß ist. Während vorn sehr ansehnliches Schach geboten wird, enden die Partien auf den "billigen" Plätzen oft schon nach wenigen Minuten.

Bild Auftakt nach Maß für Yiyang!(Foto oben links) Der Abrafaxe-Sieger gewann am Morgen das interne Duell gegen Julian nach einem spannenden und lange ausgeglichenen Verlauf. Julian wehrte zunächst alle Angriffe ab und stand sogar etwas besser, wollte aber zu schnell die Entscheidung erzwingen. Am Nachmittag traf Yiyang dann auf BSV-Kaderspieler Frederik Altenhein. Er stand schon sehr komfortabel, als er einen Läuferspieß übersah und einen Turm einbüßte. Mit 3 Freibauern für den Turm konnte man aber noch gut kämpfen. Am Ende besaß unser Spieler einen Mehrbauern für die Qualität…
Siehe dazu das Partiediagramm (Huang – Altenhein): Fritz bewertet die Stellung als Remis, etwa nach Tg4-g2. Doch Weiß wollte die Abzugsdrohung auf der 7. Reihe entkräften und zog 34… Kb7-a6??, was zum sofortigen Matt durch 36.Sd7-b8 führte. Laut Mega-Database aus fast 4 Millionen Partien übrigens ein einmaliges Mattbild.

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Gut erholt von der Niederlage am Morgen, zeigte sich Julian (Foto oben rechts) seinem zweiten Gegner klar überlegen. Das bekannte Damenfangmotiv aus der Russischen Partie klappt eben manchmal auch mit den schwarzen Steinen …
Martin hatte in der 1. Runde eine anstrengende Partie zu überstehen. Bereits klar im Vorteil, unterliefen in der Aufregung seiner ersten BJEM-Partie einige unnötige Fehler. So wurde aus dem Mehrbesitz von Turm und Läufer am Ende nur eine Mehrqualität und der Gegner hätte sogar mattsetzen können. Nachdem er dies ausließ, war Martin wieder Herr der Lage und gewann das Endspiel noch sicher. Am Nachmittag war er gegen einen der Endrundenanwärter chancenlos.

Tom (Foto links) und Julius trieben dem Trainer am Vormittag einige Sorgenfalten ins Gesicht.
Zu schnell gingen ihre Partien verloren. Doch in der zweiten Runde konnten sie erste Siegpunkte einfahren. Dabei hatte es Julius allerdings sehr leicht – brauchte nur 6 Züge bis zum Matt. Tom hingegen spielte eine lange und konzentrierte Partie mit vielen guten Ideen und lehrreichen Situationen – wohl sogar unsere beste Partie des ersten Tages.

2. Tag

Bild Heute hat sich Yiyang endgültig in der Berliner Spitze seiner Altersklasse etabliert. Er besiegte zunächst den Vorjahres-Fünften Max Kümpfel. Yang startete einen ideenreichen Angriff, verhaspelte sich dann aber und stellte einen Läufer ein. Auch mit einer Minusfigur blieb er wie gewohnt cool und nutzte kampfstark jede noch so kleine Chance zu einem letztlich verdienten Sieg.
Eigentlich waren alle seine bisherigen Gewinnpartien mit mehr oder weniger großen Fehlern behaftet, wurden aber letztlich mit schönem Siegeswillen noch gedreht. So gab der Trainer für den Nachmittag die Devise aus, endlich eine ordentliche Partie zu spielen…
Das tat Yang dann auch, hatte den DWZ-Riesen (inzwischen über 1500) Philipp Lerch am Rande der Niederlage, ehe er im Endspiel mit einem einzigen überhasteten Zug eine Figur einstellte. Statt dessen hätte er einen wichtigen Bauern erobern und gute Gewinnchancen bekommen können.

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Julian setzte das Ergebnismuster des Vortages fort: Am Vormittag Niederlage gegen einen Teamkameraden – am Nachmittag souveräner Sieg gegen auswärtige Konkurrenz. Diesmal ließ Julian zunächst gute Chancen aus, wehrte dann aber eine trickreiche Mattdrohung ab und brachte seinen Materialvorteil schließlich nach Hause.
Tom und Martin spielten am Vormittag überzeugend. Tom nutzte gegen Julian ein hübsches Abzugsmotiv zum klaren Vorteil. Martin wehrte sich aufmerksam gegen Mattdrohungen. Da der Gegner für diese Drohungen einen Turm geopfert hatte, gewann Martin schließlich eine recht lange Partie. Am Nachmittag waren beide dann gegen klar favorisierte Gegner (den letztjährigen Vorrundensieger Joel Mittelstädt bzw. DJEM-Teilnehmerin Vanessa Conrad) chancenlos. Vor allem Martin aber hielt in einer turbulenten Partie lange dagegen.
Julius (Foto rechts) – unser Jüngster – konnte heute gegen erfahrene Kontrahenten nicht punkten. "Nano" wird am zweiten Wochenende neue Chancen bekommen und sicher auch nutzen.

3. Tag

Bild Das zweite Wochenende begann mit einigen Schrecksekunden. Zunächst mussten wir Julius aus dem Turnier nehmen. So richtig gesund sind wir alle nicht, aber ihn hat es am schlimmsten getroffen :-(
Dann ließ uns auch noch die S-Bahn im Stich und so kamen wir ein paar Minuten zu spät nach Neuenhagen. Dort lief auch in der 5. Runde nicht alles nach Wunsch. Yiyang kam gegen Joel Mittelstädts Orang-Utan-Eröffnung gar nicht klar und auch Julian begann mit dem Nachdenken erst, als die Partie schon sehr unglücklich stand. Zu allem Überfluss waren dann auch noch bei Martin nach guter Partie einmal die Finger schneller als der Kopf…
Mit einer jederzeit ordentlichen Partie und verdientem Sieg vermied wenigstens Tom den Super-GAU für uns.

Dafür war dann die Ausbeute des Nachmittags fast perfekt. Martin hatte schnell eine Figur mehr und konnte den Vorteil ganz entspannt vergrößern. Julian war in einer beiderseits recht "murksig" gespielten Partie zuerst am Drücker und setzte gekonnt matt.
Yiyang kam gegen den früheren Endrundenteilnehmer Erik Scharfe etwas problematisch aus der Eröffnung, setzte dann aber alles auf die Karte "Angriff" und stellte schnell klar, dass er der deutlich stärkere Spieler ist. Morgen dürfte es nun für ihn eine echte Entscheidungspartie um den Einzug in die Endrunde geben. Allein, dass er es bis zur letzten Runde offen hält, ist ein Riesenerfolg.

In unserer längsten Partie der Runde holte Tom ein beachtliches Remis gegen Frederik Altenhein. Früh um eine Leichtfigur im Rückstand, tauschte er sich konsequent in das Endspiel mit 2 verbundenen Bauern gegen Springer und Randbauer durch. Sicher ließ der Gegner einige Chancen aus und in der Endstellung weisen die Tablebases auch einen Gewinn für Frederik aus, aber dazu hätte man schon perfekt spielen müssen. Selbstverständlich nahm Tom das Remisgebot an und sicherte uns eine Runde ohne Niederlage.

4. Tag

Bild Ooooh – was war das für ein Krimi. Er begann für uns bereits am Vorabend, als klar war, dass Yiyang die Entscheidungspartie ausgerechnet gegen seinen Klassenkameraden Tom bestreiten musste. Die Partie nahm dann einen spannenden Verlauf, fernab jeder taktischer Erwägungen. Yang stand schnell vorteilhaft, fand aber keinen zwingenden Weg zum klaren Gewinn. So konnte sich Tom befreien und die Partie ausgeglichen bis chancenreich gestalten. Doch dann kostete eine Unachtsamkeit seine Dame und diese Gelegenheit, ließ sich Yiyang nicht nehmen…
Unglücklich begann der Tag auch für unsere beiden übrigen Starter. Nach einer zweifelhaften Neuauslosung wurden sie in der letzten Runde gegeneinander gesetzt. Nach spannender und lange ausgeglichener Partie setzte sich Julian mit einer konzentrierten Leistung durch.
Das große Zittern um den Finalplatz begann aber jetzt erst. Yang hatte zwar eine recht gute Buchholz-Wertung, doch die Konkurrenz holte immer mehr auf bzw. zog sogar vorbei. Lange schien es so, als sollte er trotz Sieg in der Schlussrunde noch um 2 bis 3 Plätze abrutschen. Doch am Ende reichte es mit einem Wertpunkt Vorsprung zum Sprung ins Finale.

Das Foto zeigt die 6 Qualifizierten. Man kann wohl sagen, dass sich die besten Spieler durchgesetzt haben. Freilich gibt es viele weitere würdige und ehrgeizige Kandidaten, die in der 2. Vorrunde ihre Chance suchen werden.
Die 6 ersten Finalisten kommen übrigens aus 6 verschiedenen Vereinen: von links – Paul Spilke (3. / GW Baumschulenweg), Philipp Lerch (2. / TuS Makkabi), Aron Moritz (1. / Empor), Elina Lagunov (4. / Schachpinguine), Richard Pixa (5. / Treptower SV), Yiyang Huang (6. / SF Siemensstadt)


Einzelkritik

Yiyang Huang: (Platz 6, 5 Punkte) – Ebenso sensationell wie verdient qualifizierte sich Yiyang für das Finale. Zudem belohnt er sich mit einer phantastischen Einstiegs-DWZ. Beeindruckend waren seine Ruhe und Gelassenheit selbst in verdächtigen Stellungen. An der Qualität der Partien gab es noch einiges auszusetzen. Bis zur Endrunde ist genügend Gelegenheit, daran zu arbeiten.

Julian Rausch: (Platz 19, 4 Punkte) – Nach einem Turnier mit Höhen und Tiefen landet Julian knapp oberhalb seines Setzlistenplatzes. Da er gleich dreimal gegen eigene Teamgefährten ans Brett musste, fällt eine Bewertung schwer. Mancher Patzer wäre aber mit gründlicherem Nachdenken zu vermeiden gewesen.

Tom Castendyk: (Platz 21, 3,5 Punkte) – Bei Toms erster BJEM hat eigentlich alles gepasst: Ein Platz in der oberen Hälfte, zweitbester DWZ-loser Spieler (hinter Yiyang) und eine sehr ordentliche Erst-DWZ. Da kann man rundweg strahlen, zumal auch einige vorzeigbare Partien dabei waren.

Martin Wu: (Platz 26, 3 Punkte) – Im Laufe seiner ersten BJEM kam Martin immer besser in Schwung. Am Ende verhinderte Lospech den verdienten Sprung in die obere Hälfte. Dennoch kann er auf seine Leistung stolz sein und sich über eine ordentliche erste DWZ freuen. Gerade Martin ist ein Typ, der die Lehren eines solchen anstrengenden Turniers effektiv umsetzen kann.

Julius Tens: Nach dem ersten Wochenende noch in Lauerstellung und auf dem Sprung, wenigstens das Mittelfeld der Tabelle zu stürmen, setzte eine böse Grippe unseren Jüngsten matt. Macht nix – nächstes Mal bist du wieder fit, "Nano".


Bericht und Fotos: Thomas Binder