Berliner Meisterschaft 2009 – 2. Vorrunde U12

1. Tag
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Starker Auftakt für Maxi: Mit zwei Siegen gegen DWZ-Gegner – darunter ein "Tausender" – startete er hervorragend ins Turnier. Sein ruhiges, abgeklärtes Auftreten ist eine sichere Grundlage für erfolgreiches Schach. Auch heute spielten die Gegner gewiss nicht schlechter als er, aber sie machten einfach ein paar Fehler mehr. Am Morgen buddelte sich unser Spieler mit viel Geduld aus einer verdächtig passiven Stellung heraus und sammelte nach und nach kleine Vorteile ein. Am Ende stand der verdiente Sieg nach fast 2½ Stunden und der längsten Partie der 1. Runde.
Am Nachmittag spielte Maxi schon offensiver, ließ aber einen hübschen Figurengewinn aus. Doch auch in der Folge war er immer Herr der Situation und setzte seinen starken Freibauern gekonnt zum Qualitätsgewinn ein. Im Endspiel wurde dann auch diese Partie sicher gewonnen.

Lospech für Tim: Zum Auftakt gab es einen kampflosen Punkt und dann natürlich in seiner ersten offiziellen Turnierpartie gleich einen starken Gegner. Doch davon ließ er sich nicht beeindrucken. Nach der Eröffnung stand Tim mit einem Mehrturm(!) da. Wenig später hätte auch noch eine Figur dazu kommen können.
Doch der erfahrene Gegenspieler kämpfte vorbildlich und arbeitete sich nach und nach wieder heran. Dennoch hätte es für Tim sicher gereicht, wenn da nicht noch diese Sache mit dem Grundreihenmatt gewesen wäre…

2. Tag
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Schwere Aufgaben gab es heute für unser Duo.
Tim traf am Vormittag auf einen etablierten Gegner und geriet mit 2 Minusbauern ins Turmendspiel. Doch da zeigte er alles, was er gelernt hat und erkämpfte sich ein verdientes Remis. Nach dieser langen und anstrengenden Partie reichte die Kraft noch nicht für den Nachmittag. Leider ging die 4. Runde etwas zu schnell verloren.

Maxi traf mit Nils Torzinski und Michel Kuschela auf zwei heiße Endrunden-Anwärter. In beiden Partien kam er sehr gut aus der Eröffnung, hatte auch gesunde Mehrbauern. Doch leider erkannte er in beiden Fällen zu spät die Gefahren für den eigenen König und wurde jeweils noch mit sehr starkem Angriff bezwungen. Vor allem der langfristige und sehr aufmerksam vorgetragene Gewinnplan von Michel beeindruckte alle Beobachter.

Für das zweite Wochenende sind unsere Chancen noch intakt. Maximilian wird sich gewiss wieder in die Spitzengruppe schieben und Tim kann mit den Erfahrungen seines ersten Turnierwochenendes sicher auch weiteren verdienten Lohn ernten.

3. Tag
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Enttäuschte Gesichter gab es bei den Spielern und dem Trainer nach der Vormittagsrunde. Maxi und Tim trafen auf (aktuelle bzw. vorjährige) U10-Finalisten. Beide begannen ihre Partien konzentriert und erarbeiteten sich schöne Vorteile. Hier waren es zwei Mehrbauern, dort eine Qualität – und das jeweils in soliden Stellungen. Doch leider kippten beide Partien weg. Tim geriet in einen zielstrebigen Gegenangriff und fand dann nicht die cleversten Verteidigungszüge. Eine kleine Mattkombi belohnte den Gegner für sein ideenreiches Spiel. Noch tragischer verlief die Partie von Maxi: Er behandelte das Schwerfigurenendspiel mit starkem Freibauern zunächst sehr korrekt und nach einem bösen Patzer des Gegners hätte er einzügig mattsetzen können… Doch nach dieser ausgelassenen Chance wirkten beide Spieler wie ausgewechselt – Maxi geriet völlig aus der Bahn, während sein Gegner förmlich aufblühte und mit sehr starken Manövern das Blatt noch wendete.

Bild Aus welchem Holze sie geschnitzt sind, zeigten beide Herderschach-Vertreter dann nach einer erholsamen Mittagspause. Tim gelangte schnell in Vorteil, das Selbstvertrauen kehrte zurück und ganz selbstverständlich fand er jetzt auch die richtig guten Züge. Mit einem Matt mitten auf dem Brett verdiente er sich den Punkt. Maxi geriet nach ungünstigem Eröffnungsverlauf mächtig unter Druck, aber solche Situationen machen ihn oft erst richtig stark. Auch diesmal buddelte er sich mit Geduld und Zähigkeit wieder aus und bestrafte das zögernde und planlose Spiel des Gegners mit einem überraschend schnellen Matt.

4. Tag

Heute gab es noch einmal sehr anstrengende und lange Partien für beide Herder-Schüler. Maxi geriet gegen die Nr. 3 der Setzliste erneut früh unter Druck. Daher entschloss er sich im richtigen Moment, die Dame gegen Turm und Leichtfigur zu opfern. Bei heterogenen Rochaden entstand so eine Stellung mit beiderseitigen Chancen. Mit einer schön erkannten taktischen Finesse eroberte unser Spieler dann eine weitere Leichtfigur und hatte nun schon alle Vorteile auf seiner Seite. Doch leider kostete diese Partiephase viel Bedenkzeit. In "gefühlter" Zeitnot (10 Minuten für 12 Züge sind eigentlich noch kein Grund zur Panik) unterliefen dann doch zwei entscheidende Fehler – dennoch eine denkwürdige Partie, aus der wir die positiven Momente mitnehmen wollen!

R. Werner – T. Gabriel
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Nach Ke6-d6! geht weiteres Material
verloren. Der Turm ist gefangen, weil
auch das Feld f5 für beide Türme
durch die Springergabel auf e3
vermint ist.

Bei Tim merkte man, welchen Auftrieb ihm der gestrige Sieg gegeben hat. Heute nun zeigte er, dass er schon mehr als 2 Stunden konzentriert durchspielen kann. Nach einem frühen Figurengewinn gab es nur eine kurze Zittereinlage, als der Gegner eine Bauerngabel um einen Zug aufschieben wollte. Doch dessen vermeintliche Verstärkung konnte Tim cool widerlegen und danach spielte er den Vorteil souverän nach Hause. Ein Turmfang in der Brettmitte krönte die Partie (siehe Diagramm).

Einzelbilanzen

Tim Gabriel – 22. Platz, 3½ Punkte: Wieder einmal durften wir erleben, wie ein Spieler bei seiner ersten Meisterschaft schon im Laufe des Turniers reift und sich von Runde zu Runde verbessert. Tim erarbeitete sich in fast jeder Partie klare Vorteile. Anfangs streute er immer noch böse Patzer ein, nach denen der Punkt zum Gegner wanderte. Doch die Lehren daraus zahlten sich noch im selben Turnier aus und brachten am Ende eine sehr erfreuliche Bilanz. Der erste Schritt zum "richtigen" Schachspieler ist getan…

Maximilian Ringleb – 25. Platz, 3 Punkte: Für Maxi erfüllten sich nicht alle Träume. Dennoch darf er viel Positives aus dem Turnier mitnehmen: Da ist vor allem sein zäher Kampfgeist mit dem er schwierige Stellungen erfolgreich verteidigte. Wenn dann Maxis Gegenangriff ins Rollen kam, waren auch schöne kombinatorische Ideen zu sehen. Der Tabellenplatz ist klar unter Wert, da er auf 4 Top-Gegner traf, mit denen er sich auf Augenhöhe duellierte. In Summe aus beiden Vorrunden, winkt eine vierstellige DWZ, das kann sich sehen lassen.


Text und Bilder: Thomas Binder