Deutschen Schulschachmeisterschaft 2010 – WK-II

Bild Als Nachrücker kam unser WK-II-Team zu einer überraschenden Chance bei der Deutschen Meisterschaft. Auch wenn sich "Platz 16" nicht unbedingt wie eine Erfolgsgeschichte liest, können wir mit Leistung und Auftreten zufrieden sein. In der Setzliste waren wir auf dem letzten Platz eingestuft, mit fast 200 Punkten DWZ-Durchschnitt(!) Rückstand zum Vorletzten. Wenn man dann 5 Mannschaftspunkte erreicht, ist das ein sehr beachtliches Ergebnis.

Drei Spieler haben bisher keinerlei Wettkampferfahrung außerhalb des Berliner Schulschachs gesammelt, konnten sich hier gegen erfahrene Vereins- und Meisterschaftsspieler achtbar behaupten.

Insgesamt war das WK-II-Turnier von Bad Homburg sehr stark besetzt. Noch der Vorletzte der Setzliste (und auch der Abschlusstabelle) hatte am Spitzenbrett einen Spieler mit einer DWZ nur knapp unter 2000 – unglaublich. Die Ursache ist einfach. Selbst im höheren Leistungsbereich können nur wenige Schulen über ein so breites Feld turnierfähiger Spieler verfügen, wie es unser Konzept charakterisiert. So konzentrieren sie ihre Kräfte in einer Altersklasse – notwendigerweise in der ihres ältesten Spielers.
Bei der Meisterschaft in Bad Homburg war diese Diskrepanz der beiden Wettkampfklassen besonders deutlich: Hält man die Setzlisten der Turniere gegeneinander, so war die jeweils gleichrangige Mannschaft der WK-II an jedem einzelnen Brett gegenüber der WK-III gleich um mehr als 250 DWZ-Punkte besser besetzt.

Einzelkritiken

Bild Kevin (3 aus 7) brillierte wie im Vorjahr bei der Deutschen Meisterschaft. Angesichts der sehr starken Gegner sind seine Ergebnisse großartig: u.a. Sieg gegen DWZ 1970, Remis gegen DWZ 1976. Die inoffizielle Rechnung weist eine Performance von 1839 aus. Kevin gelingt es in den Wettkämpfen der Schulmannschaft – warum eigentlich nur dort – immer, seine Chancen zu 100% zu nutzen und sein Können perfekt und mannschaftsdienlich umzusetzen

Jonas (1 aus 5) musste an Brett 2 rücken, weil eine Aufstellung nach DWZ-Liste vorgeschrieben – und gewiss auch sinnvoll – ist. Er hat selbst bei einem zahlenmäßig bescheidenen Ergebnis die DWZ-Erwartung deutlich übertroffen. Das sagt alles über den Anspruch dieser Meisterschaft und das Niveau seiner Gegner. Allerdings wussten wir auch, dass Jonas mit dieser Herausforderung umgehen kann. Er ist eben ein echter Sportler, wie ihn unser Team in dieser schwierigen Situation gebraucht hat.
In Erinnerung bleibt der nervenstarke Auftritt, als er mit nur wenigen Sekunden auf der Uhr über Gebühr lange zeigen musste, dass er ein Damenendspiel auch unter größtem Druck unfallfrei übersteht.

Sebastian (1½ aus 5), Dehua (3 aus 6) und Jacky (2 aus 5) traten zum ersten Mal in einem Turnier auf diesem Niveau an. Sie bewiesen, dass unsere fundierte und geduldige Schach-Ausbildung auch ohne ausgiebige Spielpraxis Früchte trägt. Alle drei haben in den Tagen von Bad Homburg viel gelernt, der Effekt war schon während des Turniers zu spüren. Die Qualität der Partien war sogar noch besser, als es die Zahlen vermuten lassen.
So gab es vor allem bei Sebastian noch manche Eröffnungsüberraschung und manches neue taktische Motiv zu verkraften. Seine Gewinnpartie war hingegen eine unserer besten an diesem Wochenende.
Dehua hat gelernt, dass man auch den Lauf der (Bedenk)zeit im Auge halten muss. Auch bei ihm zeigten die gewonnenen Partien schöne Ideen und offensives Spiel.
Jacky war immer dann besonders stark, wenn er ruhige Stellungen mit Geduld und Konzentration zum Gewinn ausbauen konnte.
Alle drei hier vorgestellten Spieler haben eine DWZ-Performance über 1100 erspielt. Dies bewertet ihren gegenwärtigen Leistungsstand treffend und zeigt, was bei mehr Turnierpraxis möglich ist…