Deutschen Schulschachmeisterschaft 2010 – WK-III

Bild Wie schon 2006 und 2009 kehren wir mit einem Spitzenplatz von der Deutschen Meisterschaft aus Bad Homburg zurück. Mit dem Abstand einiger Tage wird man sicher auch zu der nüchternen Einschätzung kommen, dass wir stolz darauf sein können, uns erneut in der Spitzengruppe des Deutschen Schulschachs etabliert zu haben.
Unsere zahlenmäßigen Ergebnisse sprechen für eine Erfolgsbilanz: Wir haben nur gegen Meister und Vizemeister verloren, gegen den Dritten und Vierten jeweils unentschieden gespielt. Dabei nahmen wir dem Tabellendritten aus Darmstadt den einzigen Punkt ab, den er in vollständiger Besetzung verlor. In den Runden 4 und 5 hatten die Hessen (wie schon 2006 – und auch damals "auf unsere Kosten") ein Brett frei gelassen und somit für eine der Deutschen Meisterschaft unwürdige Wettbewerbsverzerrung gesorgt.

Aus dem unmittelbaren Erleben überwiegt ein wenig die Enttäuschung, dass es diesmal nicht zu einer Medaille gereicht hat. Die Meisterschaft war gegenüber 2009 deutlich schwächer besetzt. Bezeichnend ist, dass eine inoffizielle DWZ-Auswertung gleich vier unserer Spieler trotz des vorderen Platzes im Minus sieht. Ein Platz auf dem Treppchen war wohl noch nie "so billig" zu haben.
Doch dazu hätten wir eben einen 100%igen Leistungsabruf gebraucht – und auch das Glück, das uns im Vorjahr noch hold war.

In der letzten Runde fehlte irgendwie die Entschlossenheit, unsere Chance beim Schopfe zu packen. Beim 2:2 gegen Köthen waren wir schachlich nicht auf der Höhe und in einigen Wettkämpfen gerieten einzelne Partien zu früh auf die schiefe Bahn. Da fehlte uns ein Spieler vom Schlage Kevins, der im Vorjahr nicht nur überragend punktete, sondern auch immer wieder sehr früh für klare Vorteile und eine zumindest "gefühlte" 1:0-Führung sorgte – auch ein Aspekt des Schachs als Mannschaftssport, den man bei solchen Turnieren erlernt.

Einzelkritiken

Bild Margarita (3 aus 7) war in den Tagen von Bad Homburg nicht in Bestform. Wie sie mit einer solchen Situation umgeht, zeichnet eine Spitzenspielerin mit ihrem Erfahrungsschatz aus. Vor allem die Rettung aus schwieriger Stellung gegen Hamburg hat uns sehr beeindruckt. Gegenüber dem Vorjahr konnte sie sich um einen halben Punkt steigern.

Leon (5½ aus 7) spielte eines seiner besten Turniere und bestätigte damit den Trend der letzten Auftritte im Verein und bei der BJEM. Schachlich kann er bei dieser Meisterschaft mit jedem Gegner mithalten. Kämpferisch zeigte er sich weiter verbessert. Mehrmals spielte Leon ausgeglichene Stellungen weiter und konnte in der Tat meist noch Gewinnchancen herauskitzeln.

Yiyang (2½ aus 5) spielte ein Turnier mit Licht und Schatten, wobei er meist gegen die starken Gegner im Einsatz war. Allerdings wirkten beide Niederlagen etwas kraft- und lustlos, ging es zum Schluss auch konditionell abwärts. Bei den Gewinnpartien spielte Yang vor allem seine Endspielstärke aus.
Das Remis gegen Neubrandenburg entsprang einer Entscheidung nach FIDE-Regel 10.2, obwohl der Turnierleiter diese Regel im Vorfeld ausgeschlossen hatte. Hier hätte man mit etwas mehr Phantasie wohl einen vorzeigbaren Gewinnversuch unternehmen können, auch wenn dieser rein schachlich nicht zum Erfolg geführt hätte.

Tilman (3 aus 5) hätte ein ganz großes Turnier spielen können, wenn er die Partie gegen Köthen nicht in Zeitnot so unerklärlich verdorben hätte – wohlgemerkt in gegnerischer Zeitnot. Immerhin rettete er mit starker Partie unser Unentschieden gegen Darmstadt und kann insgesamt noch zufrieden sein.

Matthias (2 aus 4) holte einen ganz wichtigen Sieg im Spiel gegen Köthen, als die Mannschaft insgesamt schwächelte. Ansonsten gab es auch bei ihm Licht und Schatten, aber das war eben der Eindruck, den unsere Mannschaft insgesamt vermittelte.