Berliner Meisterschaft 2011 – 1. Vorrunde

Bild Sechs junge Spieler vertraten Verein und Herderschach-AG bei der 1. Vorrunde der BJEM U12 bzw. U14. Finalplatzierungen standen diesmal nicht im Fokus. Nach sieben anstrengenden Runden können wir mit den Ergebnissen nur teilweise zufrieden sein. Florian konnte sich deutlich steigern und auch die (Fast-)Debütanten erreichten ansprechende Platzierungen.

1. Runde

Für unsere Spieler war es der erwartet schwere Auftakt. Nur Maxi ist in der oberen Tabellenhälfte gesetzt. Diese Position bestätigte er in der 1. Runde mit einem schnellen und sicheren Sieg. Die fünf übrigen Spieler mussten die Überlegenheit ihrer weit erfahreneren – zum Teil schon im Erwachsenenbereich spielenden – Gegner anerkennen. Während einige dieser Niederlagen noch zu schnell ins Scoresheet kamen, zeigten Anton und Julius sehr ordentliche Partien. Antons Gegner hatte mit dem Evans-Gambit eigentlich nichts erreicht, aber ausgerechnet die Rochade unseres Spielers kam dann im falschen Moment. Mit einem Sperrzug hätte er seine bereits klar vorteilhafte Stellung sichern können.
"Nano" büßte irgendwann eine Figur ein, stellte dann aber interessante Drohungen auf der 2. Reihe auf, die den Gegner zu einer sehr genauen Verwertung seines Vorteils zwangen.

2. Runde

Bild Bild Drei Siege gab es am Nachmittag zu bejubeln – und schon zu Beginn der Partie hat der Fotograf unsere drei Sieger mit einem Schuss erwischt. Ihre Erfolge kamen jeweils nach konsequent vorgetragenen Angriffen zustande. Florian besiegte nach allerdings sehr verdächtiger Eröffnung einen ca. 250 DWZ-Punkte höher eingestuften Gegner sehr sicher. Linus (Bild rechts) kam zu seinem ersten Erfolg in einer DWZ-gewerteten Partie überhaupt und wird auf jeden Fall demnächst in diese Rangliste aufrücken. Julius war seinem Gegner deutlich überlegen und verwertete eine nette Fesselung.
Unter den "Verlierern" ist erneut Anton zu loben. Gegen eine der stärksten Berliner Spielerinnen seiner Altersklasse kam er in ein ausgeglichenes Endspiel. Erst dort setzte sich die erfahrenere Spielerin durch. Maxi wurde von der gegnerischen Eröffnungswahl früh aus der Bahn geworfen und Pablo versäumte die Rochade, was letztlich mit einer Springergabel über c7 bestraft wurde. Auch danach stellte er noch ein paar ideenreiche Fallen, doch der Gegner blieb aufmerksam genug, allen Drohungen auszuweichen.

3. Runde

Bild Kollektive Auszeit und Nullrunde unserer U14-Spieler – so hatten wir uns den Auftakt des zweiten Tages nicht vorgestellt. Gegen respektable, aber nicht übermächtige Konkurrenz gerieten einige unserer Partien schnell auf die schiefe Bahn. Wieder einmal sorgten Anton und Linus für die besseren Eindrücke. Anton erreichte erneut ein vorteilhaftes Endspiel, fiel erst einer geschickt ausgenutzten Grundreihenschwäche zum Opfer. Linus schlug sich gegen einen der großen Turnierfavoriten sehr achtbar und spielte mit fast 200 Minuten seine bislang wohl längste Schachpartie.
Zum Retter(chen) des Herder-Teams wurde der Jüngste: Pablo (Bild rechts) feierte seinen ersten Sieg in einer Meisterschaftspartie. Aus etwas nachteiliger Position stellte er dem Gegner eine kleine Mattfalle und hatte dann eben das verdiente Glück…

4. Runde

Auch in der unteren Hälfte des Feldes werden anspruchsvolle Partien geboten, sind die Punkte nicht im Vorübergehen zu holen. Immerhin konnten wir die Bilanz gegenüber Runde 3 etwas aufbessern, von den gesteckten Zielen blieben wir aber doch ein gutes Stück entfernt.
Maximilian kam mit einer konzentrierten und erneut recht langen Partie zu seinem zweiten Sieg. Auch wenn es keine so ganz schwere Aufgabe war, ist dies nach der kurzen Pause und der Enttäuschung über die vermurkste Partie am Vormittag eine starke Leistung.
Erster Sieg endlich auch für Anton: Nach drei guten Partien, in denen nur ein wenig Routine fehlte, nutzte er die Gelegenheit gegen einen der schwächeren Gegner problemlos.
Florian und der erneut vorbildlich kämpfende Julius hatten gegen starke Konkurrenz keine Chance, Linus war nach der mehr als dreistündigen Partie zuvor ausgepowert.
Pablo traf auf die Berliner Mädchen-Meisterin seines Jahrgangs und lieferte in fast 2 Stunden Spielzeit seine bislang beste Partie des Turniers – auch wenn ausgerechnet diese verloren ging.

5. Runde

Drei Siege gab es am dritten Vormittag für uns. Linus und Florian hatten mit ihren Gegnern nicht viel Mühe und gewannen nahezu im Gleichschritt. Zweiter Sieg auch für Pablo: Unser U12-Spieler spielte eine Partie aus einem Guss und brachte einen zielstrebigen Angriff über die h-Linie zum Erfolg.
Sehr gut sah es auch für Anton aus. Nach einer insgesamt ordentlichen Partie erreichte er ein Turmendspiel mit zwei Mehrbauern. Doch leider lief er mitten auf dem Brett in ein einzügiges Matt – schade…
Julius und Maxi suchen weiter nach ihrer Normalform und konnten gegen etwas erfahrenere Gegner nicht punkten.

6. Runde

Bild same procedure…: Anton und "Nano" übernahmen die Gegner, gegen die wir am Morgen siegreich waren und holten sich jeweils verdient ihren zweiten Sieg. Anton hätte allerdings in der Eröffnung dennoch etwas mehr Sorgfalt walten lassen können.
Dicht am Erfolg war auch Pablo. Gegen einen Spieler mit beachtlicher DWZ hatte er bereits einen Turm gewonnen, übersah jedoch leider eine Mattdrohung entlang der langen Diagonale. Das zweite "Schade" in unserem Team am heutigen Tag.
Florian war gegen Jakob Galley chancenlos, der mir schon bei Turnieren gegen Erwachsene sehr angenehm aufgefallen ist. Leider kommen Florians Niederlagen gegen deutlich überlegene Gegner immer noch etwas zu schnell und deutlich zustande.
Schließlich lieferten sich Linus und Maxi eine spannende Partie, die zu den längsten – und sicher auch besseren – der ganzen Runde gehörte. Das nebenstehende Foto zeigt, dass der Turniersaal schon sehr aufgeräumt ist, während die beiden Klassenkameraden noch um den Punkt kämpfen. Linus hatte immer leichte optische Vorteile und konnte diese schließlich zu seinem zweiten heutigen Sieg verdichten.

7. Runde

Bild Bild Rätselhafte chinesische Schriftzeichen standen heute im Blickpunkt. Was wollen uns diese Worte sagen? Sachdienliche Hinweise zur Entschlüsselung sind jederzeit willkommen.
Rätsel gaben uns auch die heutigen Partien unserer Spieler auf…
Gegen die "auswärtige" Konkurrenz konnten wir am letzten Tag leider keine Erfolge mehr einfahren. So blieb es bei zwei Zählern aus den internen Duellen der Herderschach-Cracks. Anton und Julius trennten sich leistungs- und stellungsgerecht in einem interessanten Bauernendspiel remis. Florian kam zu einem überraschenden Erfolg gegen Maxi. Seine eigenwillige Spielanlage war diesmal das richtige Rezept gegen Maximilians passiven Aufbau. Mit einem schönen Bauerndurchbruch wurde die Stellung geknackt und ein überraschendes Matt krönte den Angriff.

Schön, dass wir auch Leser haben, die des Chinesischen mächtig sind. Schon zwei Tage nach der Veröffentlichung ging die Auflösung bei uns ein – "Danke" an unseren Yiyang Huang. Demnach steht auf dem Rucksack "Hündchenfreund". Die Schriftzeichen des Tattoos haben dann schon eher mit dem Schachturnier zu tun: "mächtiger Schatz".

Fazit

Bild Dass wir mit den Ergebnissen dieser 1. Vorrunde nicht ganz zufrieden sind, ist nicht zu verheimlichen. Unsere Spieler werden aus ihren Partien aber die richtigen Lehren ziehen und gehen optimistisch in die zweite Vorrunde und in die Mannschaftswettkämpfe.

Florian Suhre, 3 Punkte, 18. Platz U14: Florian steigerte sich erneut und kann sich über einen sehr beachtlichen DWZ-Zuwachs (ca. 130 Punkte) freuen. Immer wenn er aus der Eröffnung heraus mit Bauernsturm und guten Ideen angreifen konnte, war er in seinem Element. Leider blieben bei diesem unorthodoxen Spiel die Königssicherheit und Figurenentwicklung oft noch auf der Strecke. Gegen sehr starke Gegner führte dies dann zu drastischen und schnellen Niederlagen. Wenn er nun also das richtige Gleichgewicht von Risiko und Sicherheit findet, steht einer weiteren Steigerung nichts im Wege.

Linus Dilewski, 3 Punkte, 19. Platz U14: Auch für Linus war diese BJEM ein großer Schritt nach vorn. Er wird für seine Leistungssteigerung des letzten Jahres mit einer ansehnlichen Erst-DWZ belohnt. Sein Durchhaltevermögen in langen Partien wurde mehrfach auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Mit dieser neuen Herausforderung kam Linus gut zurecht. Etwas mehr Gespür für taktische Standardwendungen wird sich mit wachsender Turnierpraxis noch einstellen.

Julius Tens, 2½ Punkte, 21. Platz U14: Eine BJEM-Vorrunde ohne "Nano" ist für mich einfach nicht vorstellbar. Diesmal blieb er etwa im Rahmen der DWZ-Erwartung, sollte aber eigentlich in der Lage sein, noch etwas mehr zu erreichen. Vielleicht kann er schon in der zweiten Vorrunde an das Top-Ergebnis von 2008 anknüpfen.

Anton Hopmann, 2½ Punkte, 22. Platz U14: Für Anton war es das erste Turnier auf diesem Niveau. Er hat sich kontinuierlich an unsere Meisterschaftsfelder heran gekämpft. Punktzahl und Platzierung spiegeln dabei seine Leistung nicht ganz wider. Eine klar vorteilhafte Partie ging völlig unnötig verloren. Da kam noch der "alte Anton" durch, der impulsiv und ohne gründliche Überlegung zieht. Doch oft genug waren schon wesentlich bessere Ansätze zu sehen – vor allem, wenn die Gegner zu ideenreichem Angriffsspiel einluden.

Maximilian Ringleb, 2 Punkte, 24. Platz U14: Woran es lag, dass Maxi diesmal so weit von seiner Normalform entfernt war, haben wir ausführlich besprochen. Seine Spielanlage war viel zu passiv und ideenlos. Dann genügt eben ein kleiner Fehler, um unrettbar auf die Verliererstraße zu geraten. Das Gefühl, das sich dann im Laufe eines Turniers einstellt, kennt dein Trainer aus eigenem Erleben nur zu gut – und er weiß auch, dass danach das nächste Turnier wieder viel besser läuft.

Pablo Schlesselmann, 2 Punkte, 26. Platz U12: Auch Pablo gab sein Meisterschafts-Debüt. Im Laufe der sieben Runden konnte man eine deutliche Steigerung beobachten, die er sicher in der zweiten Vorrunde fortsetzen wird. Schon diesmal waren die gezeigten Leistungen für mehr als zwei Punkte gut, aber manchmal fehlte ihm noch das Gespür für eine heraufziehende Gefahr.


Bericht und Fotos: Thomas Binder