Berliner Meisterschaft 2011 – 2. Vorrunde

Erneut waren sechs Spieler unserer Schach-AG am Start. Es gelang ihnen eindrucksvoll, das etwas unbefriedigende Ergebnis des ersten Turniers zu übertreffen. Wir gingen diesmal mit der notwendigen Ernsthaftigkeit ans Werk und konnten uns über durchweg leistungsgerechte Punktzahlen und Platzierungen freuen. Obwohl die zweite Vorrunde diesmal nicht schwächer besetzt war als die erste, konnten wir uns deutlich steigern.

Bild Bild 1. Runde

Starker Auftakt für unsere Spieler, auch wenn die Punktbilanz deutlich negativ erscheint. Wie schon fast traditionell, gehörten unsere Partien zu den längsten der jeweiligen Runde. Selbst U12-Zwerg Pablo ist von diesem positiven "Herderschach-Virus" bereits angesteckt.

Allen voran ist heute Khai Liem (Foto ganz rechts) zu nennen. Fast vier Stunden saß er gegen die Deutsche U12-Meisterin und Jugend-Nationalspielerin Elina Lagunov (DWZ über 1800) am Brett. Zeitweise sah es sogar nach einer Siegchance für "KLT" aus. Am Ende stand nach einer großartigen Partie ein gerechtes Remis. Bis auf die beiden Könige war das Schachbrett geleert.

Den einzigen Sieg feierte Deniz Leon. Er siegte nach einem anstrengenden Turmendspiel, aus dem (auch mit Blick auf die beiderseitigen Ungenauigkeiten) viele interessante Erkenntnisse für das Training zu gewinnen sind.

Die vier Niederlagen dieser Runde kamen durchweg gegen Spieler der Spitzengruppe nach achtbarer Gegenwehr zustande. So spielte Maxi (Foto rechts) gegen den Top-Gesetzten Philipp Lerch (DWZ knapp unter 2000) eine ordentliche Partie. Dass dies sein Wunschgegner war, spricht dabei ausdrücklich für unseren Spieler.

2. Runde

Am Nachmittag des ersten Tages bestätigten unsere Spieler den guten Eindruck der Auftaktrunde. Mit vier Siegen ist diesmal auch die zahlenmäßige Bilanz sehr erfreulich. Nur Pablo, dessen Kondition noch nicht für zwei gute Partien reichte, und "DLO" (gegen einen Finalanwärter) gingen leer aus.

Khai Liem ließ sich vom Trainer zu einem kleinen Spaziergang an frischer Luft überzeugen und hatte dann nur knapp 30 Minuten nach seiner tollen Auftaktpartie schon genug Kraft getankt, in der 2. Runde sicher zu gewinnen. Auch Maxi hatte mit seinem Zweitrundengegner keine große Mühe. Dessen Königsgambit lief irgendwie ins Leere und so konnte sich unser Spieler ruhig aufbauen. Als die Partie gerade so richtig beginnen sollte, ging sie durch einen Dameneinsteller auch schon zu Ende.

Unsere stärkste Partie dieser Runde lieferte Florian (Foto links). Gegen "DLO"s Gegner vom Vormittag setzte er sich souverän durch. Eine Bauerngabel gewann früh eine Figur. Die damit gewonnene Sicherheit setzte Florian dann in der gesamten Partie um. Die Königsstellung wurde solide zusammen gehalten und auch ein scheinbarer Damenfang wurde sehr sehenswert widerlegt.

Schließlich konnte auch Vincent seine Zweitrundenpartie gewinnen. Der frühe Qualitätsgewinn war allerdings trügerisch. Das gegnerische Läuferpaar hätte im Zusammenspiel mit der Dame sehr gefährlich werden können. Doch als Schwarz diese Konsequenz vermissen ließ, kam Vincent problemlos zum Sieg.

Bild Bild 3. Runde

Tatendurstig und ausgeschlafen starteten unsere Spieler heute in den zweiten Turniertag. Die Bilanz der 3. Runde kann sich sehen lassen.
Khai Liem bleibt weiter ungeschlagen und setzte sich in der Spitzengruppe fest. Heute besiegte er den letztjährigen U12-Finalisten Max Lilienthal sicher.
Flotter Sieg auch für Maximilian, dem sein Gegner keine großen Probleme stellen konnte.
Für den dritten vollen Punkt dieser Runde sorgte Deniz Leon (Foto ganz links) nach einer wechselhaften Partie gegen eine frühere Berliner U10-Meisterin. Auch nachdem frühzeitig sein Läufer gefangen wurde, hatte man immer das Gefühl, dass "DLO" der klar bessere Spieler ist und gewiss noch gewinnen wird. Sein konsequenter Angriff gegen die sehr passive Spielweise der Gegnerin war dann auch von Erfolg gekrönt, obwohl er kurz vor Schluss noch einmal ins Straucheln kam – an dieser Stelle war ihm dann auch das "Glück des Tüchtigen" hold.

Florian und Vincent wurden von zwei starken Nachwuchsspielern der TSG Fredersdorf bezwungen, die sich mit schönen Angriffen behaupteten.

Im U12-Turnier stand Pablo (Foto links) dicht vor dem ersten Erfolg. Zeitweise mit einem Turm mehr spielend, wurde er am Ende von den gegnerischen Bauern doch sehr unter Druck gesetzt und musste schließlich zum Remis abwickeln.

Bild 4. Runde

Nach der erfolgreichen Vormittagsrunde wurden die Aufgaben naturgemäß noch schwieriger. So konnte am Sonntagnachmittag nur Florian einen vollen Punkt feiern. Recht schnell und sicher verbuchte er seinen zweiten Sieg.
Über eine starke kämpferische Leistung freuten wir uns bei Vincent (Foto rechts). Gegen Max Lilienthal verlor er früh einen Bauern, rettete sich dann aber mit diesem Minusbauern ins Turmendspiel. Dort bewahrheitete sich wieder einmal die alte Weisheit "Turmendspiele sind immer remis". Max fand keinen Gewinnplan, Vincent verteidigte sich aufmerksam und so wurde der Punkt geteilt.

Unentschieden auch bei "DLO" gegen einen sehr erfahrenen Kontrahenten. Beide Spieler ließen nichts anbrennen und gehören weiter zur oberen Tabellenhälfte.
Dort bleibt auch "KLT", obwohl er nun seine erste Niederlage kassierte. Endrundenanwärter Gerrit Geldner belagerte geduldig und erfolgreich Khai Liems rückständigen c-Bauern. Auch Maxi unterlag nach frühem Bauernverlust gegen einen Mitfavoriten.

Unser U12-Spieler wurde von einem Doppelangriff überrascht und blieb im entscheidenden Moment noch nicht cool genug, die richtige Verteidigung zu finden.

Nach dem ersten Wochenende ist der Trainer zuversichtlich, dass diese Vorrunde für uns erfolgreich enden wird. Die Tabellenpositionen lassen noch viele Möglichkeiten. Eine ganze Reihe unserer Spieler steht vor deutlichem DWZ-Zuwachs und vor allem die Qualität der Partien hebt sich sehr positiv von der 1. Vorrunde ab.

5. Runde Bild

Zum Auftakt des zweiten Wochenendes konnten wir schon früh zwei Punkte verbuchen. Pablo blieb spielfrei und Florian (Foto links) besiegte einen U12-Finalisten des Vorjahres recht klar.

Im weiteren Verlauf der Runde galt es jedoch vor allem ausgelassene Chancen zu betrauern. Dass Khai Liem gegen einen der Top-Favoriten unterlag, war noch "eingeplant", in den drei übrigen Partien schienen aber Siege möglich.
"DLO" erwischte einen schwachen Vormittag und wurde von seinem konzentriert agierenden Gegner sicher dominiert.
Maxi erlangte in einer sehr interessanten Partie klaren Vorteil. Für die Minusqualität hatte er zunächst drei, dann vier und zeitweise gar fünf Mehrbauern. Doch sein Kontrahent fand eine aktive Aufstellung mit Drohungen beider Türme und zu allem Überfluss kehrte bei Maxi das schon besiegt geglaubte Zeitnotgespenst zurück. Hatte er die erste Zeitkontrolle noch problemlos und in guter Stellung geschafft, wurde kurz danach die entscheidende Bedenkzeit verbraucht, ohne einen Gewinnweg zu finden.

Verbrauchte Maxi also zu viel Bedenkzeit, so hätte sich Vincent im richtigen Moment deutlich mehr Zeit lassen sollen. Dann wäre nach klar überlegener Partie auch der verdiente Sieg sicher gewesen. So ging der Mehrturm wieder verloren und die Stellung versandete im Remis.

Bild 6. Runde

Bis zur vorletzten Runde haben wir das Turnier ohne internes Duell überstanden. Nun erwischte es Maximilian und Vincent. Maxi setzte sich verdient durch und muss nun auch noch in der letzten Runde gegen einen Teamkameraden ans Brett.

Starke Partien sahen wir heute von "KLT" und Pablo. Khai Liem besiegte einen deutlich höher eingestuften und schon für die U12-Endrunde qualifizierten Spieler. Mit 3½ Punkten liegt er weiter in der oberen Tabellenhälfte. Pablo spielte eine sehr ansehnliche Partie ohne Risiko und mit konsequentem Schlussangriff. Besonders schön ist, dass er dabei einen Gegner bezwang, dem er in der 1. Vorrunde noch unterlegen war. Schön auch, dass er auf nebenstehendem Bild genau beim Mattzug und der "Schachmatt"-Ansage erwischt wurde.

Florian hatte es mit einem Spieler der erweiterten Spitzengruppe zu tun. Immer etwas schlechter stehend rettete er sich in ein Endspiel, das nach beiderseitigen Ungenauigkeiten hätte remis ausgehen sollen. Leider machte dabei Flori den "letzten Fehler" und musste doch noch aufgeben. Nach dem Verlauf der gesamten Partie war dieses Ergebnis aber wohl korrekt.

Für "DLO" gelang die Rehabilitation nach der Niederlage vom Morgen nur zum Teil. Erneut als Favorit in die Partie gegangen, fand er gegen das umsichtige Spiel seiner Gegnerin keine Mittel und erreichte nur ein Remisendspiel mit ungleichen Läufern.

7. Runde Bild

Eine schöne BJEM-Vorrunde ging mit einem erfolgreichen Tag für uns zu Ende. Die heutige Bilanz von 4½ Punkten aus 5 Partien übertrifft alle Erwartungen.
Für den ersten Zähler sorgte U12-Spieler Pablo. Er kam gegen einen sehr ambitionierten und schon im Erwachsenenbereich spielenden Gegner zwar mit einer Minusfigur aus der Eröffnung, doch nach entgegengesetzten Rochaden erhielten seine Schwerfiguren offene Angriffslinien. Der Gegner trieb dann mit seinem Springer Pablos Turm so lange übers Brett, bis dieser perfekt zum Mattsetzen stand… Und diese Chance nutzte Pablo eiskalt aus. Mit einem ganz starken zweiten Wochenende ist er noch bis ins Mittelfeld vorgestürmt.

Wenig später hatte auch Vincent (Foto links) das Punktekonto aufgestockt. Er eroberte mit einem Doppelangriff am Ende eines Generalabtauschs (fast) aller Leichtfiguren einen Läufer und ließ dann mit dieser Mehrfigur nichts mehr anbrennen, zumal der Gegner sich relativ passiv seinem Schicksal ergab.

In der zweiten internen Auseinandersetzung des Turniers saßen sich Maxi und Florian gegenüber. Die gleiche Paarung hatte es auch zum Schluss der ersten Vorrunde gegeben. Maximilian drehte diesmal den Spieß um und überflügelte Florian damit auch noch in der Tabelle. An Maxis Ergebnissen lässt sich der Qualitätssprung unseres Teams zwischen beiden Turnieren am deutlichsten ablesen.

Etwas Sorgenfalten verursachte die Partie von Deniz Leon dem Trainer. Irgendwie lief es bei ihm an den beiden letzten Tagen nicht so ganz rund. Auch heute kam er mit einem Minusbauern ins Schwerfigurenendspiel. Beeindruckend war jedoch sein Wille, diese Partie unbedingt zu gewinnen. Mehrmals lehnte er Remisgebote ab und strickte mit den Türmen "unauffällig" an einem Mattnetz, in dem sich schließlich der gegnerische König verfing.

Dass Khai Liem jetzt zuletzt erwähnt wird, hat einen einfachen Grund: Seine Partie dauerte fast vier Stunden und war die letzte der ganzen BJEM. Lange sah es sogar nach einem Sieg aus. Mit zeitweise zwei Mehrbauern im Turmendspiel ließ sich gewiss etwas machen. Aber Tobias Kühn, der mit seinen beiden Fredersdorfer Mannschaftskameraden in jeder Hinsicht zu den positiven Überraschungen dieses Turniers gehörte, fand auch eine Reihe guter Ideen. Das Remis mag zwar nicht das logische Ende dieser Partie sein – wie Vincent zeigte, hatte "KLT" kurz vor Schluss noch einen Gewinnweg – aber nach langem Kampf war es wohl das gerechteste Resultat.

Bild Bild (pre-)Final Fun

Bevor wir zum Turnierfazit kommen, blicken wir auf zwei Partieformulare aus der U12 (Herder-Schüler waren nicht beteiligt). Vermutlich war einer der Spieler über das Remis so enttäuscht, dass er es als Niederlage empfand und ein "Null zu Null" notierte. Der Gegner hatte zunächst die normalen halben Punkte verbucht, dann aber auch sein Formular brav korrigiert…

Fazit Bild

Der Qualitätssprung an Einstellung und Ernsthaftigkeit gegenüber der ersten Vorrunde war offenkundig und schlug sich auch in den nüchternen Zahlen nieder. Bei gleicher Spielerzahl steigerten wir uns von 15 auf 21½ Punkte.
Blicken wir auf die Ergebnisse unserer sechs Teilnehmer:

Bild Khai Liem Tran, 4 Punkte, 12. Platz U14: "KLT" (Foto rechts) spielte ein Super-Turnier, zeigte sein bestes Schach überhaupt. Er traf fast durchweg auf renommierte Spieler und konnte diesen erfolgreich Paroli bieten. Im Gegensatz zu früheren Auftritten ist die Fehlerquote deutlich gesunken. Die beispielhafte Konzentrationsfähigkeit in (sehr) langen Partien war schon immer seine Stärke. Mit diesem Turnier ist Khai Liem da angekommen, wo ihn der Trainer schon seit mehreren Jahren sieht – in der erweiterten Berliner Spitze seiner Altersklasse. Ein DWZ-Zuwachs von mehr als 150 Punkten gibt diesem Leistungsstand nun auch zahlenmäßig Ausdruck.

Maximilian Ringleb, 4 Punkte, 13. Platz U14: Klarer Aufwärtstrend nach der verkorksten Vorrunde in Baumschulenweg. Maxi (Foto links) zeigte sich einmal mehr als Kämpfer, den Niederlagen nicht umwerfen, sondern stärker machen. Dass es doch wieder eine ärgerliche Zeitnotpartie gab, zeigt uns, dass wir an diesem Thema weiter arbeiten müssen.

Deniz Leon Ochmann, 4 Punkte, 16. Platz U14: "DLO" mischte am ersten Wochenende erwartungsgemäß in der Spitzengruppe mit. Die zweite Turnierhälfte verlief dann nicht so ganz nach seinen Wünschen. Doch sein Siegeswille, der vor allem in der 7. Runde schön demonstriert wurde, half ihm, das Tief zu überwinden und noch in die obere Hälfte aufzurücken.

Pablo Schlesselmann, 3½ Punkte, 17. Platz U12: Pablo war unser Held des zweiten Wochenendes. Dort holte er die maximale Punktausbeute. Sein Auftritt machte dem Trainer viel Freude: Deutliche Steigerung gegenüber der 1. Vorrunde – u.a. ausgedrückt durch einen Sieg gegen einen Gegner, dem er damals noch unterlegen war – ordentliche Partien (als Highlight die Runde 6) und vor allem seine ständige Spielfreude und Lernbereitschaft zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Florian Suhre, 3 Punkte, 22. Platz U14: Florian konnte das Ergebnis der 1. Vorrunde wiederholen, mit dem er dort noch unser bester Spieler war. Erneut kann er seine DWZ deutlich verbessern, auch weil die Punkte gerade gegen deutlich höher eingestufte Gegner erzielt wurden. Die Spielanlage ist schon spürbar besser geworden, jetzt arbeiten wir noch am Endspiel…

Vincent Freytag, 3 Punkte, 23. Platz U14: Nach dem Aufrücken in die höhere Altersklasse konnte Vincent nahtlos an das Vorjahresturnier anknüpfen. Zu den positiven Eindrücken zählen sichere Gewinnpartien und eine hartnäckige Verteidigung zum Remis in der 4. Runde. Dass er in mindestens einem Fall einen halben Punkt durch zu schnelles Ziehen "weggeworfen" hat, war eine heilsame Lehre und wird gewiss nicht wieder passieren.


Bericht und Fotos: Thomas Binder