Unser WK-II-Team bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft 2011

Sportliches Fazit

Bild Man kann eine WK-II-Meisterschaft nur bedingt mit den Turnieren der jüngeren Altersklassen vergleichen. Wie wir schon im Vorjahr feststellten, ist der Leistungssprung enorm, weil sich viele ambitionierte Schulen auf die oberste Wettkampfklasse konzentrieren. Hatten wir 2010 noch einen Sprung von 250 Punkten pro Spieler an jeweils gleicher Setzlistenposition konstatiert, waren es diesmal fast 400 Zähler – was allerdings vorwiegend dem deutlich schwächer besetzten WK-III-Turnier geschuldet ist.
Unser 7. Platz entspricht der realistischen sportlichen Erwartung und bedeutet eine Verbesserung um einen Platz gegenüber der Setzliste. Zugleich gehört er zu den besten Platzierungen, die Berliner Vertreter in dieser Klasse im letzten Jahrzehnt erreicht haben.

Am Ende bleibt dennoch ein zwiespältiger Eindruck. Wir kamen zu vier relativ leichten Siegen gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel. Ihnen waren wir klar überlegen, wobei selbst hier der Qualitätsunterschied zu nach der Papierform vergleichbaren Gegnern in früheren WK-III-Jahren spürbar wurde.
Nur gegen den hoch verdienten Deutschen Meister aus Erlangen mit Eduard Miller (DWZ 2156), Frauen-Nationalspielerin Hanna-Marie Klek (DWZ 2136, hier mit 7 Siegen) und dem Ex-Berliner Lukas Tong (DWZ 1957) waren wir chancenlos.

Den beiden in der Setzliste knapp vor uns geführten Teams aus Dresden und Neubrandenburg lieferten wir Duelle auf Augenhöhe, die jeweils hätten unentschieden ausgehen sollen, aber durch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen in knappe Niederlagen umkippten. Zu den Einzelheiten dieser Partien lesen Sie bitte unseren ausführlichen Bericht.
Um es klar zu sagen: Wir wurden durch diese Entscheidungen nicht bewusst benachteiligt und der Einfluss auf unser Gesamtergebnis war marginal – das Schweizer System heilt solche Wunden in aller Regel schnell. Die Umstände dämpften aber unsere Freude an der Meisterschaft erheblich und brachten uns vermutlich auch um die Chance, noch ein paar weitere direkte Duelle mit den Mannschaften aus dem erweiterten Kreis der Medaillenanwärter auszufechten.

Einzelkritiken

Bild Leon Rolfes

Am Spitzenbrett bekam es Leon wie erwartet mit sehr starker Konkurrenz zu tun. Seine kompromisslos offensive Spielweise ist da nicht immer das Erfolg versprechende Mittel, woraus letztlich zwei Niederlagen resultierten. Dass er auf diesem Niveau mitspielen kann, bewies Leon mit der wichtigen Gewinnpartie in Runde 6 und mit einer ganz starken Leistung gegen Eduard Miller. Auch von den zunächst ausbleibenden Siegen ließ er sich nicht entmutigen und hievte sich mit zwei Erfolgen zum Schluss noch auf 50%.
Leider kann ich zu den Partien noch nicht abschließend urteilen. Die Datenbank des Ausrichters ist unvollständig und ein visuelles Beobachten der Spitzenbretter war wegen der unzweckmäßigen Turnierräume in Verden nicht möglich.

Bild Margarita Kostré

Wie schon im Vorjahr war Margarita ausgerechnet bei der DSSM von ihrer Normalform weit entfernt. Ihre enorme Turniererfahrung und Cleverness halfen jedoch – z. B. im Spiel gegen Elmshorn – mit 2½ Punkten noch ein achtbares Ergebnis zu erzielen.

Brett 1 und 2

6 Punkte aus 14 Partien an den stark besetzten Spitzenbrettern sind ein ordentliches Ergebnis. Dennoch blieben wir hier ein wenig unter den Erwartungen. Um in den Kampf um die Medaillen einzugreifen, hätten wir an den vorderen Brettern noch eine weitere Steigerung gebraucht und vor allem mehr "Big Points" holen müssen. Letzteres gelang nur Leon im Spiel gegen Ingelheim und Margarita, als sie ihrem Gegner aus Elmshorn überraschend komplizierte Probleme stellte, die dieser in Zeitnot nicht mehr lösen konnte.

Bild Bild Raphael Lagunow

Raphael war der jüngste Teilnehmer des ganzen Turniers. Dass er hier ungeschlagen blieb (2 Siege, 5 Remis), kennzeichnet seine Leistung nur unzureichend. Die Remis-Partien waren durchweg ausgekämpft und gingen oft auf beiden Seiten ans Zeitlimit. Das war einfach eine enorm "erwachsene" Leistung unseres Youngsters, der sich zudem großartig in das Team der Älteren integrierte. Wir können noch viel Freude miteinander haben…

Kevin Song

Bild Wieder einmal war Kevin eine zuverlässige Größe in einem DSSM-Team. Die einzige Niederlage gab es gegen den neuen Deutschen Meister, das Remis mehr gegen den Schiedsrichter als gegen den schachlichen Gegner und dazu zwei sichere Siege. Die Gewinnpartie gegen Neubrandenburg gehörte zum Besten, was unsere Mannschaft in den Tagen von Verden geboten hat. Am Schlusstag durfte er sich dann mit einer erfrischenden Angriffspartie für seine Gesamtleistung belohnen.

Tilman Brämick

100% bei 3 Einsätzen – Tilman erfüllte gegen die nach der Papierform schwächeren Mannschaften seine Aufgabe zuverlässig und sorgte zweimal schnell für eine Führung, die dem Team Sicherheit geben sollte. Auch als Ruhepol und menschlich vielleicht "erwachsenster" Spieler bewährte er sich in den Tagen von Verden hervorragend.

Brett 3 und 4

Die hinteren Bretter sind traditionell die große Stärke von Herder-Teams bei der Deutschen Meisterschaft. So auch diesmal: 10 Punkte aus 14 Partien, die einzige Niederlage gegen den überlegenen Meister, dazu zwei unglückliche Entscheidungen am grünen Tisch – viel mehr kann man nicht erwarten.
Wenn es darauf ankam, sorgten Raphael, Kevin und Tilman für die "Big Points" bzw. für richtungweisende Vorentscheidungen.