Berliner Meisterschaft 2012

Bild Bild Bild Angesichts der weihnachtlichen Bühnen-Dekoration hätte man drauf kommen können, dass bei dieser Meisterschaft etwas schief läuft. Und so war es dann auch: Während der ersten vier Tage mussten die Spieler bei zweistelligen Minusgraden (Außentemperatur) in der ungeheizten Aula spielen. Die Organisatoren waren davon ausgegangen, dass bei einer vom Bezirksamt zur Verfügung gestellten öffentlichen Schule eben auch für die Heizung gesorgt sein würde. Das war leider nicht so. In dicker Winterkleidung saß man an den Schachbrettern – und nicht jeder überstand dies ohne gesundheitliche Schäden.

Davon blieben auch wir nicht verschont. Besonders arg traf es Maximilian: Nach drei Tagen musste er das Turnier abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt lag er auf Platz 3, hat aus nur zwei gespielten Partien mehr als 100 DWZ-Punkte zugelegt. Im gleichen Turnier stieg auch Linus vorzeitig aus, nachdem er gegen zwei deutlich besser eingestufte Gegner remis gespielt hatte.

Im U18-Turnier konnten Raphael (als 11jähriger!) und Robin die Erwartungen erfüllen. Bester Herderschach-Vertreter im Open war Florian mit einem sehr guten 4. Platz.

Über allem thront freilich das Ergebnis unserer jüngsten Spielerin: Rachela ist Berliner Vizemeisterin der U10.

1. Tag

Bild Für den Paukenschlag des ersten Tages sorgte Ex-Herderschach-Spieler Robin Toebs. Für die Farben unseres Partnervereins spielend, besiegte er den um 350 DWZ-Punkte höher gesetzten Hochkaräter Leonid Sawlin. Leonid hatte eigentlich eine klare Gewinnstellung, doch Robin sicherte sich Gegenchancen, die prompt zum Tragen kamen, als der Gegner seine Attacke etwas zu forsch vortrug.
Im gleichen Turnier unterlag Margarita dem aktuellen Deutschen U14-Meister Philipp Lerch, Raphael startete mit einem Remis, das etwas unter seinen Erwartungen geblieben sein dürfte.
Nicht viel gibt es aus der U16 zu vermelden: Maximilian blieb spielfrei, weil man seinen Gegner ins Turnier aufgenommen hatte, obwohl er zur vorgeschriebenen Registrierung und dann auch zur 1. Runde nicht erschien. Schade – jetzt fehlt zumindest eine Partie beim Rennen um die zweite ELO-Halbnorm. Linus unterlag einem Spieler der oberen Setzlisten-Hälfte. Nach guter Eröffnung kosteten einige ungenaue Züge bei zu schnellem Spiel den möglichen Erfolg.
Rachela (Bild links) startete mit einem sicheren Sieg in das U10-Turnier. Erneut war ihre äußere Ruhe und Gelassenheit beeindruckend. In dieser Form kann sie sogar um eine Medaille kämpfen.

Beim Jugend-Winteropen mit knapp 60 Teilnehmern von 5 bis 25 Jahren wurde bereits eine Doppelrunde absolviert. Florian liegt erwartungsgemäß mit makelloser Bilanz in der Spitzengruppe. Am Morgen bezwang er Pablo im internen Duell, siegte dann auch am Nachmittag souverän. Für Pablo gab es da schon die zweite Niederlage, so dass er nun aus Lauerstellung angreifen muss.
Malte startete in sein erstes Turnier dieses Niveaus mit 1½ Punkten. Das liest sich gut, wird aber relativiert, wenn man weiß, dass das Remis aus einem Patt in klarer Verluststellung resultierte. Am Nachmittag musste er gegen den jüngsten Teilnehmer nur alle eingestellten Figuren wegnehmen. Leider lässt ihm das beschleunigte Schweizer System praktisch keine Chance auf den Erwerb einer DWZ.

2. Tag

Bild Aufregende Partien erlebten wir am zweiten Spieltag. Dazu gehörte vor allem das interne Duell, bei dem Robin gegen Raphael schon ganz klar auf Gewinn stand. Als Raphael nur noch wenige Restsekunden auf der Uhr hatte, jagte Robin dem Phantom eines Turmfangs nach und büßte eine Figur ein.
Für Margarita gab es bereits die zweite Niederlage, aber es ist noch Zeit, sich ins Mittelfeld vor zu kämpfen.

Weiterhin auf Medaillenkurs ist Rachela. Sie gewann sicher gegen die Nummer 3 der Setzliste und spielte am Nachmittag remis, wobei sogar noch Chancen ungenutzt blieben.

Unsere U16-Spieler kamen heute ebenfalls zu halben Punkten. Dabei ließ Maxi den Unterschied von 450 DWZ-Punkten nicht erahnen, stand lange Zeit sogar klar vorteilhaft. Sonst hätte der für seinen vorbildlichen Kampfgeist bekannte Georg Siegemund gewiss nicht ins Remis eingelenkt. Linus steigerte sich deutlich und wurde mit einem ersten Remis belohnt. Seine Gegnerin hat Berlin bereits mehrfach bei Deutschen Meisterschaften vertreten.

Im Open kam Pablo (Bild rechts) zu zwei klaren Erfolgen. Er brauchte wie immer etwas Anlaufzeit, ist nun aber in seinem Element. Florian erlitt im Kampf um die Medaillen einen kleinen Dämpfer. Nach dem Sieg in der 4. Runde ist er aber wieder auf Kurs.
Auch Malte hat gut ins Turnier gefunden und steht jetzt bei 2½ Zählern.

3. Tag

Rosenhain – Wierzbicki
Bild
An dieser Stelle 16. Tf1-f6 zu finden,
ist schon großartig. Schwarz zog
16.… Tf8-e8 und war nach 17.Tf6xh6
im Mattnetz gefangen.
Natürlich hätte es im 16. Zug bessere
Verteidigungen gegeben, aber das war
am Brett zu schwer. Im Gegensatz zur
Analyse beim BSV dürfte 16.… Sd4-f5
am stärksten sein.

Für die guten Nachrichten ist weiterhin Rachela zuständig. Mit einem Sieg über die hoch favorisierte Nummer 1 der Setzliste hielt sie heute den Medaillentraum wach. In der Eröffnung brachte Rachela ein chancenreiches Qualitätsopfer, das sie sehr gezielt mit ihren Vereinstrainern vorbereitet hatte. Rein schachlich gesehen, ist diese Variante sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Doch man konnte sich wohl darauf verlassen, dass der Gegner mit "normalen Entwicklungszügen" bald Probleme bekommen würde. Zudem wusste Rachela natürlich um die konkreten Ideen und entfesselte einen starken Königsangriff, den sie mit der nebenstehend abgebildeten tollen Schlusswendung krönte.

Auch aus der U16 kommt – eigentlich – gute Kunde. Maximilian und Linus bleiben den zweiten Tag in Folge ungeschlagen, spielten erneut Remis gegen deutlich höher eingestufte Konkurrenz. Allerdings wurde Maxi am Abend wohl von einem Grippevirus flach gelegt. Wenn über Nacht kein Wunder geschieht, wird er auf Platz 3 liegend das Turnier aufgeben müssen.

Er wäre damit das erste aber wohl nicht das einzige Opfer des eiskalten Turniersaales. Unglaublich – aber bei zweistelligen Minusgraden wird die Meisterschaft in einer ungeheizten Aula ausgetragen. Nach Auskunft der Organisatoren hat das zuständige Bezirksamt verweigert, die Heizungen einzuschalten.

Im Rennen um die U18-Meisterschaft konnte nur Raphael mit einem Remis punkten. Er ist weiter ungeschlagen und hat Tuchfühlung zu den Medaillenplätzen. Für Margarita und Robin hingen die Trauben heute zu hoch.

In den Runden 5 und 6 des Offenen Turniers konnte sich Florian mit dem vierten Sieg sowie einem Remis gegen die Nummer 1 der Setzliste wieder in die Spitzengruppe schieben.
Pablo und Malte haben ihre Vormittagspartien leider verloren. Am Nachmittag verbuchte immerhin Pablo einen weiteren Sieg und hat damit seinen Klassenkameraden in der Tabelle überflügelt.

4. Tag

Bild Und weiter geht Rachelas Medaillentraum. Dem Sieg am Vormittag ließ sie ein Remis gegen die Nr. 2 der Setzliste folgen und liegt weiter allein an der Tabellenspitze. Wer sich mit dem Kurzremis nach nur 11 Zügen die besseren Chancen erhalten hat, werden wir erst am Wochenende wissen…
Immerhin ist mittlerweile das größte Problem des Turniers gelöst. Nach dem Ende des Winteropens können nun die BJEM-Spieler aus der eiskalten Aula in wärmere (weil kleinere) Klassenräume umziehen.

Dort haben die Open-Teilnehmer heute ihr Turnier abgeschlossen. Für Florian (Foto links) gab es mit einem weiteren Sieg ein Happy-End. Schließlich landet er mit 5½ Punkten auf dem undankbaren(?) vierten Platz, aber auch das ist der verdiente Lohn für seine ständige Wettkampfbereitschaft. Mindestens in dieser Hinsicht kann er vielen Mitschülern als Vorbild dienen.
Für Pablo fand die Achterbahnfahrt der Turniertage ihr Ende mit einer Niederlage gegen einen der stärkeren Rivalen. Er wird mit seinem Ergebnis nicht ganz zufrieden sein, freut sich aber schon auf die ausführliche Analyse.
Malte fuhr zum Schluss einen vollen Punkt ein, beendet sein erstes Turnier mit der ungewohnt langen Bedenkzeit bei 50%. Schade, dass er keine echte Chance auf einen DWZ-Erwerb hatte. Schuld daran war vor allem das "beschleunigte" Schweizer System. Dieser Modus eignet sich vor allem für Turniere mit großem Leistungsunterschied der Teilnehmer. Auf den ersten Blick war er also wie geschaffen für unser Winteropen. Doch seine Vorteile kommen nur zum Tragen, wenn dieses Leistungsgefälle durch fundierte Wertzahlen (fast) aller Spieler dokumentiert wird. Das war hier bei ziemlich genauer Hälftenbildung zwischen Spielern mit und ohne DWZ nicht der Fall.

Kummer bereitet uns der Blick auf die oberen Altersklassen. Bei Maxi blieb das Wunder aus. Die widrigen Spielbedingungen haben ihn gesundheitlich matt gesetzt. Auch Linus fehlte heute und kann das Turnier leider nicht fortsetzen.

Robins Durststrecke ging mit einer weiteren Niederlage weiter. Während Raphael gegen den Deutschen U14-Meister seine erste Niederlage einstecken musste, konnte Margarita erstmals gewinnen.

5. Tag

Heute stand das schon seit U12-Zeiten immer wieder interessante Duell zwischen Robin und Margarita auf dem Programm. Robin war gut auf das Jänisch-Gambit vorbereitet und kam mit zwei Mehrbauern aus der Eröffnung. Später ließ er seinen Vorteil wieder entgleiten und schließlich waren wohl beide mit dem Remis im Läuferendspiel zufrieden.

Raphael musste zum zweiten Mal in Folge aufgeben und wird nun in der Schlussphase des Turniers wieder unbeschwert angreifen.

Rachelas Sturm an die Tabellenspitze wurde heute durch die erste Niederlage gestoppt. In ausgeglichener Stellung übersah sie einen Mattüberfall. Die Medaillenchancen sind aber natürlich weiter intakt. Rachela gehört jetzt zu einem punktgleichen Führungstrio.

6. Tag

Es geht nach einer anstrengenden und – durch die äußeren Umstände – nicht ganz optimal verlaufenen Woche auf die Zielgerade.
Optimal lief es heute allerdings sowohl für Robin als auch für Rachela. Robin setzte sich nach einer Partie mit entgegengesetzten Rochaden mit der schnelleren Attacke sicher durch. Ein Abzugsangriff entschied schließlich den Kampf für ihn.

Rachela zeigte sich von der gestrigen Niederlage gut erholt. Da ihr stärkster Rivale im Titelkampf erneut nur remisierte, sind die Chancen vor der Schlussrunde noch sehr gut.

Das Herderschach-interne Duell zwischen Margarita und Raphael endete – nicht ganz unerwartet – mit der Teilung des Punktes.

7. Tag

Bild Heute fiel nun die Entscheidung in der U10-Meisterschaft. Rachelas einziger Bezwinger kam gegen einen der schwächeren Gegner zu einem schnellen Sieg und machte damit alles klar. Rachela, der man das enorm anstrengende Turnier doch etwas anmerkte, gab sich gegen einen etwa gleichstarken Konkurrenten mit dem Remis und der Absicherung des 2. Platzes zufrieden. Die Silbermedaille ist ein Riesenerfolg in diesem starken Starterfeld. Es ist immer wieder eine Freude, unsere junge Spielerin bei ihren Partien zu beobachten. Neben dem beachtlichen schachlichen Können beeindruckt vor allem ihre Ausstrahlung von Ruhe und Selbstbewusstsein.

Für das schachliche Highlight sorgte heute Raphael (Foto rechts). Er bezwang den Titelverteidiger und liegt als jüngster U18-Spieler nach einer Woche mit Höhen und Tiefen nun bei 50%.

Margarita hat auch nach einer insgesamt enttäuschenden Meisterschaft nicht die Spielfreude verloren. Ihr ideenreicher Angriff gegen den letztjährigen U16-Meister wurde allerdings abgeschlagen und so fand sie sich nach interessantem Opferspiel mit zwei Figuren zuwenig wieder.

Auch Robin haderte mit den ausgelassenen Chancen. Eine lange Zeit überlegen geführte Partie verflachte im Turmendspiel zum Remis – ein Bild, das sich in diesen Tagen durch seine ganze Bilanz zog. Dennoch ist sein Ergebnis angesichts der geringen Spiel- und Trainingspraxis als Erfolg zu bewerten.

Ergebnisübersicht der Spieler von Herderschach und Partnerverein

Turnier Patz Name Punkte
U10 2. Rachela Rosenhain 6½ aus 9
U16 Maximilian Ringleb 2 aus 3
Linus Dilewski 1 aus 3
U18 8. Raphael Lagunow 3½ aus 7
9. Robin Toebs 3 aus 7
10. Margarita Kostré 2 aus 7
Open 4. Florian Suhre 5½ aus 7
29. Malte Radde 3½ aus 7
35. Pablo Schlesselmann 3 aus 7