Berliner Meisterschaft 2012 – 2. Vorrunde

Bild Bild 1. Tag

Mit dem Wort "steigerungsfähig" sind die Leistungen des ersten Tages noch recht schmeichelhaft umschrieben. Für die folgenden Runden ist dringend zu wünschen, dass uns ein Licht aufgehen möge…

Für die Lichtblicke der heutigen Runden sorgte allein Khai Liem (Foto rechts). Am Morgen gewann er nach gut drei Stunden eine anstrengende Partie. Sein Gegner rührte solch harten Beton an, dass es selbst mit einer Mehrfigur nicht leicht war, die Mauern einzureißen. Am Nachmittag traf er dann mit Kilian Lischeid auf einen Spieler des erweiterten Favoritenkreises. Er befreite sich aus einer etwas gedrückten Stellung mit scheinbar schlechtem Läufer gegen guten Springer und hatte später sogar einen soliden Mehrbauern. Es war wohl auch der langen Erstrundenpartie geschuldet, dass "KLT" hier mit einem Remis zufrieden war.

Die drei Verlustpartien des Nachmittags standen alle im Zeichen einer von der gegnerischen Bauernkette eingesperrten Leichtfigur. Ein Blick in unsere Trainingseinheit Nr. 7 hätte vielleicht geholfen, dieses Motiv rechtzeitig zu erkennen. Besonders ärgerlich war der Partieverlust von Daniel. Die Endrundenqualifikation rückt damit vorerst in weite Ferne. Daniel zog viel zu schnell, wurde ein Opfer seiner eigenen Ungeduld ("Ich habe seit mindestens zwei Stunden kein Schach gespielt.") Als Nr.1 der Setzliste war er nämlich am Vormittag spielfrei gewesen. Die Turnierleitung hatte vergessen, einen abwesenden Spieler aus der Startliste zu streichen. Ein Freilos gab es auch am Nachmittag – diesmal für Marian.

Den Niederlagen des Vormittags konnte man noch einigen Optimismus abgewinnen. Pablo spielte erneut eine schöne Angriffspartie aus dem Skandinavischen Gambit. Viele gute Ideen hätten eigentlich für einen Punkt reichen sollen, doch kurz vor Schluss verdarben zwei eingestellte Figuren den Tag.
Auch Marian und Firat verstolperten den Start. Beide begannen das gründliche Nachdenken erst, als ihre Damen schon neben dem Schachbrett standen. In der Folge bewiesen sie, dass sie wohl die besseren Schachspieler sind, aber der materielle Rückstand konnte nicht mehr ganz ausgeglichen werden.

2. Tag

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Bild Schöne Bilder gab es am zweiten Turniertag zu sehen. Vieles, was gestern noch nicht klappte, lief heute schon viel besser. Das gilt ausdrücklich auch für Firat (Foto rechts). Gegen zwei wesentlich turniererfahrenere Spiele hielt er ordentlich mit, auch wenn es noch nicht für einen Punkt reichte. Seiner ansteckenden Fröhlichkeit tat dies keinen Abbruch.
Firats Drittrundengegner saß allerdings nur in der hinteren Punktgruppe, weil er den ersten Tag komplett pausiert hatte. Dies ist eine Unsitte, die im Berliner Jugendschach immer mehr um sich greift und der man m.E. Einhalt gebieten sollte – selbst wenn diesmal keine solch grob unsportliche Wettbewerbsverzerrung zu erwarten ist, wie vor einem Jahr. Damals hatte ein Spieler auf diese Weise sogar die Endrunde erreicht, ohne auf einen Gegner aus dem oberen Tabellenviertel getroffen zu sein.

Bild Bild Damit zu unseren Doppelschlägen der Runden 3 und 4: Daniel und Pablo verließen das Brett heute nach beiden Partien als Sieger. Daniel (Foto ganz links) hat die gestrige Enttäuschung gut weg gesteckt – und das war vielleicht die größte Leistung, denn am Brett forderten ihn beide Gegner kaum. In Erinnerung bleibt vor allem der Damen-Ersticker aus Runde 4 – immerhin gegen einen U10-Finalisten des Vorjahres (siehe Foto oben Mitte). Die Finalchancen für Daniel sind nun wieder intakt. Am zweiten Wochenende warten gewiss starke Gegner – und an denen konnte er sich bislang jedenfalls immer steigern.
Zwei überzeugende Siege gelangen auch Pablo (Foto links innen). In beiden Partien belegten schöne Mattbilder seine klare Überlegenheit, das vom Vormittag ist auf dem linken Foto der oberen Reihe festgehalten.

Bild Marian (Foto rechts) musste zunächst eine anstrengende Partie von fast 2½ Stunden überstehen. In der 1. Vorrunde hatte er gegen den gleichen Gegner noch schnell verloren. Diesmal gelang Marian ein sehr schöner Stellungsaufbau, der schließlich zu einem Qualitätsgewinn führte. Später wurde der gegnerische Freibauer zwar noch brandgefährlich, doch unser Spieler behielt die Übersicht und hatte am Schluss wohl sogar gute Gewinnchancen. Das Remis ist dennoch ein gerechtes Ergebnis. Nach der Pause auf dem Bolzplatz gab es dann einen etwas widersprüchlichen Auftritt. Marian ließ sich von der Hibbeligkeit und Albernheit seines Gegners anstecken und verwandelte mit einigen unüberlegten Zügen die vorteilhafte Position in eine klare Verluststellung. Zum Glück schaltete dann aber Marian den Denkapparat als Erster wieder ein und setzte den Gegner mit etwas Glück noch matt (Foto oben rechts). Nach dem gleichen ärgerlichen Muster (und mit dem gleichen Happy-End) war übrigens auch die Partie dieser beiden Spieler in der 1. Vorrunde verlaufen…

Marian hat nun ebenso 2½ Punkte wie Khai Liem. Wie weit können sie in der Spitzengruppe mitreden?
Für "KLT" gab es am Vormittag eine schwere Verteidigungspartie gegen den hohen Turnierfavoriten Ronny Heldt (DWZ 1815). Erst in Zeitnot schlug das Pendel gegen unseren Spieler aus. Von solchen Niederlagen lässt sich Khai Liem nicht aus der Bahn werfen und so folgte am Nachmittag ein überzeugender Sieg gegen die frühere Berliner U10-Meisterin Victoria Berdin.

3. Tag

Bild Bild Die zu dieser Jahreszeit übliche Erkältungswelle hat das BJEM-Feld wie immer deutlich dezimiert. Auch wir blieben davon nicht verschont: Firat musste vor dem zweiten Wochenende die Segel streichen und auch Marians Spielfähigkeit ist zumindest grenzwertig. Die Turnierleitung trug dieser Entwicklung Rechnung, änderte die Ansetzungen mehrfach – sogar noch als die 5. Runde bereits begonnen hatte und sich abzeichnete, wo ein Brett frei bleibt. Im Sinne der Kinder sicher eine gute Verfahrensweise – freilich hätten wir uns eine nur annähernd so flexible Reaktion schon bei der ersten Vorrunde gewünscht…

Am Schachbrett wurde es erwartungsgemäß schwer. Drei unserer vier Spieler hatten es in beiden Runden mit deutlich DWZ-stärkeren Gegnern zu tun. Stellt man dies in Rechnung, gab es einige ansprechende Leistungen zu sehen.
Zu je einem Sieg kamen heute Khai Liem und Daniel. "KLT" (Foto rechts) gewann am Morgen eine typische KLT-Partie. Geduldig angesammelte Vorteile wurden schließlich in einen Bauerngewinn umgewandelt, ehe der Gegner die Partie mit dem ersten gröberen Fehler beendete. Am Nachmittag war dann gegen Mitfavorit Gerrit Geldner ein unnötiger Bauernverlust der erste Schritt in die Niederlage.
Daniel (Foto links) verlor in Runde 5 eine ärgerliche Partie. Bei vollem Brett wurde sein Springer eingefangen. Der leichte Sieg am Nachmittag erhält ihm die Chance auf ein Alles-oder-Nichts-Spiel am Sonntag.

Pablo hatte Gegner, die um 600 bzw. 500 DWZ-Zähler höher eingestuft sind. Davon war auf dem Brett lange nichts zu spüren. Vor allem am Vormittag griff unser Spieler beherzt an, lieferte Julian Fege einen offenen Schlagabtausch. Mehrmals musste der Gegner den einzigen Verteidigungszug finden.

Marian zeigte zunächst eine ganz starke Partie, fand auch eine sehr schöne Mattdrohung. Leider ging er dabei zu direkt vor und verzichtete bei einem Turm"tausch" auf das Wiedernehmen. Danach konnte sich der Gegner doch noch retten. Bei korrekter Abwicklung wäre Marian eine glanzvolle Gewinnpartie sicher gewesen.
Am Nachmittag fehlte ihm leider die Kraft, noch eine Partie mit voller Konzentration zu spielen. Ein früher Figureneinsteller im Evans-Gambit kostete den Punkt.

4. Tag

Den ersten Punkt gab es heute schon bei der Anreise: Pablo war spielfrei und schließt das Turnier mit 3 Punkten ab. Normalerweise ärgert man sich ja über kampflose Zähler, hier kann man es als verdienten Lohn für seine Leistungen werten.
Unseren beiden Spielern in der Spitzengruppe gelangen auch am letzten Tag interessante Partien. Khai Liem erreichte gegen Daniel Klodt ein sicheres Remis. Er hatte immer etwas Initiative, aber in den vorderen Regionen der U14 wird doch schon mit sehr geringer Fehlerquote gespielt.

Daniel bekam die erhoffte Chance einer Alles-oder-Nichts-Partie, in der das Stellungsglück immer hin und her wogte. Mit einer kleinen Kombination eroberte Daniel zwei Leichtfiguren für den Turm – und das gegen einen der Final-Qualifikanten. Leider setzte er dann nicht ganz konsequent fort, statt Bauerngewinn folgte ein Figurenverlust. Jetzt zeigte Daniel endlich den vom Trainer eingeforderten Kampfgeist und setzte bei Minusqualität und Mehrbauer alles auf seinen starken Freibauern. Auch in dieser Phase ließen beide Spieler bessere Chancen aus und so kam es zum folgerichtigen Remis.

Marian wählte aus dem alten Spruch "Rochiere weil du es willst oder weil du es musst – nicht weil du es kannst." die schlechteste Möglichkeit und fand sehr früh Dame und König auf den Spitzen einer Springergabel wieder – schade.

Fazit und Einzelkritik

Danel Lewin – U12 – 5. Platz – 4½ Punkte: Wie in der 1. Vorrunde hat sich Daniel in seinem ersten ernsthaften Schach-Jahr in der Spitzengruppe etabliert. Einige Unkonzentriertheiten kosteten eine noch bessere Platzierung.

Khai Liem Tran – U14 – 8. Platz – 4 Punkte: Mit souverän geführten und unspektakulären Partien spielte Khai Liem immer in der erweiterten Spitzengruppe mit. Nur gegen die beiden wohl besten Spieler des Feldes unterlag er. Ein sattes DWZ-Plus wird der Lohn sein.

Pablo Schlesselmann – U14 – 20. Platz – 3 Punkte: Pablos Ergebnisse – noch mehr aber die gespielten Partien – sind ein deutlicher Schritt nach vorn. Offensives und ideenreiches Schach sind bei ihm eine ganz neue Qualität und werden künftig auch den Grundstein für kontinuierlich bessere Platzierungen legen.

Marian Hauser – U12 – 21. Platz – 2½ Punkte: Ein gutes erstes Wochenende brachte Marian weit nach vorn. In den letzten drei Runden war er dann gesundheitlich gehandicapt und konnte nur noch eine gute Partie zeigen. Jetzt freut er sich auf seine erste DWZ und auf die nächsten Turniere.

Firat Soman – U12 – 0 Punkte: Firats Partien zeigten, dass der Abstand zu den Vereinsspielern gar nicht so groß ist. Aber es war eben immer noch eine Kleinigkeit dabei, die den Ausschlag für den Gegner gab. Das zweite Wochenende musste Firat dann wegen einer Erkrankung auslassen, da wären gewiss noch Siegpunkte möglich gewesen.


Bericht und Fotos:Thomas Binder