Berliner Meisterschaft 2013 – 2. Vorrunde U14

Bild 1. Runde

Sechs grübelnde Schachdenker vertreten uns bei dieser 2. Vorrunde. Drei gestandene Meisterschaftsspieler werden durch ein Trio ergänzt, das sich beim Sommer-Open für höhere Aufgaben empfohlen hatte. Für diese drei Spieler steht das Erreichen einer Erst-DWZ als ganz klares Turnierziel zuoberst. Leider haben die Organisatoren das Turnier aus unerfindlichen Gründen – im Widerspruch zur veröffentlichten Ausschreibung und zur verbindlichen Festlegung der Rundenzahl in der Jugendspielordnung des BSV – auf 5 Runden verkürzt, so dass man sich zum DWZ-Erwerb keine kampflose Runde oder ein Spiel gegen einen Gegner ohne Wertzahl erlauben kann. Es wäre schade, wenn einer der "Aufsteiger" an dieser Bedingung scheitert.

Bild In der ersten Runde gab es dann auch eine Zweiteilung unserer Ergebnisse – jedoch in gänzlich unerwarteter Weise: Alle drei Neulinge punkteten nach engagierten und konzentrierten Partien. Hingegen standen die erfahrenen Spieler reihenweise neben sich und ließen die Punkte liegen.
Lazar siegte im internen Duell gegen seinen Klassenkameraden Pablo. Dessen Turmopfer in schwieriger Lage war wohl nicht nötig und dann reichte auch die Bauernwalze nicht mehr zum Ausgleich. Arman gewann in seiner ersten Partie unter echten Turnierbedingungen sicher und Severin fand nach anfänglichen Problemen immer besser ins Spiel. Ein clever behandeltes Endspiel entschied den Tag für ihn.

Blickt man allerdings auf die nebenstehende Uhr gegen Ende von Severins Partie, so bekommt man doch etwas Stirnrunzeln: Mit 75 Minuten (also 1:15) wurde begonnen. Dann gibt es pro Zug 30 Sekunden Zuschlag. Wie man sieht, haben Severin und seine Gegnerin nach ca. 70 gespielten Zügen deutlich mehr Zeit auf der Uhr als zu Beginn. Das war zu schnell…

Daniel und Marian verloren nach indiskutablen Leistungen, wobei Daniel sogar als klarer Favorit in seine Partie gegangen war.

Bild 2. Runde

Arman Pour Tak Dost – diesen Namen kennen spätestens jetzt auch die Top-Spieler der U14. Mit seinem zweiten Sieg – diesmal gegen einen Gegner mit DWZ über 1200 – zeigt Arman, wohin die Reise gehen soll. Morgen sitzt er am Spitzenbrett!
Das war heute am Nachmittag eine enorm konzentrierte Partie. Ein Damenendspiel mit gleicher Bauernzahl gewinnt man auch nicht jeden Tag. Arman behandelte es am Ende einer langen Partie bemerkenswert umsichtig.

Auf der Habenseite steht in dieser Runde nur noch das Grundreihenmatt von Daniel gegen Pablo. Letzterer wird den Tag mit zwei internen Duellen ganz schnell vergessen wollen und blickt morgen nach vorn. Severin und Lazar bekamen es mit starken Gegnern zu tun, die den Mini-Mannschaftskampf zwischen uns und dem SV Empor in dieser Runde doch noch mit 2:1 für sich entschieden.

Schließlich musste Marian eine weitere Niederlage quittieren. Auch gegen die Spieler des unteren Setzlisten-Drittels ist eine Unachtsamkeit bereits eine zu viel…

3. und 4. Runde

Bild Am zweiten Tag wurde es für unsere drei BJEM-Debütanten erwartungsgemäß sehr schwer. Im Feld der besten Berliner Spieler ihrer Altersklasse hingen die Trauben heute noch zu hoch. Das "beschleunigte" Schweizer System tat sein Übriges: Es verlagert die Paarungen mit großer Leistungsdifferenz aus den ersten in die nachfolgenden Runden. So konnten Arman, Severin und Lazar trotz ordentlicher Partien das Punktekonto nicht weiter erhöhen. Für die drei erfahreneren Spieler Daniel, Pablo und Marian (Foto links) gab es je einen Sieg und eine Niederlage. In der letzten Runde in zwei Wochen müssen sie nun zeigen, ob diese BJEM-Vorrunde noch ein Erfolg werden kann. Heute haderte der Trainer vor allem damit, wie schwierige aber nicht aussichtslose Stellungen behandelt wurden. Da fehlte noch die Routine, eine sichere Remisfestung aufzubauen.

5. Runde

Bild Das Los führte in der Schlussrunde noch einmal zwei Herderschach-interne Paarungen zusammen. Dabei setzten sich mit Pablo und Marian in beiden Fällen die schon deutlich erfahreneren Spieler durch. Marian und Lazar erlebten zunächst einige Wirrungen, aus denen schließlich Marian mit Turm und zwei Mehrbauern gegen Lazars Läuferpaar hervorging. Das könnte etwa ausgeglichen sein, doch er zerrte den gegnerischen König ins Freie, wo dieser dann auch bald mattgesetzt wurde.
Severin lieferte gegen Pablo lange einen ausgeglichenen Kampf, ehe der Favorit im Endspiel dank einer Fesselung eine Figur gewann und diesen Vorteil sicher verwertete.

Daniel (Foto rechts) wollte das durchwachsen verlaufene Turnier versöhnlich mit einem sicheren Sieg beschließen. Gegen seine deutlich stärker gewordene Gegnerin ergab sich ein schwieriger Kampf – auch äußerlich sichtbar eine buchstäbliche "Zitterpartie". Zeitweise spielte Daniel mit einem Bauern weniger in vergleichsweise unspektakulärer Stellung. Eine kleine Kombination eroberte den Bauern zurück und in diesem Moment wechselte dann wohl auch die emotionale Verfassung beider Spieler. Daniel agierte im verbleibenden Turmendspiel aktiver, gewann zwei weitere Bauern und wenig später die Partie.

Die spannendste Partie gab es bei Arman – übrigens die letzte andauernde Partie des ganzen Turniers. Gegen den schon mehrfach für die BJEM-Endrunden qualifizierten Georg Henke griff Arman ideenreich an. Die genaue Analyse steht noch aus, aber das war eine sehr interessante Partie. Als der Gegner alles abgewehrt hatte, verpasste Arman dann leider den Weg ins sichere Remis und geriet noch auf die Verliererstraße. Das war allerdings auch seiner Zeitnot geschuldet, musste er doch schon etwa ab dem 20. Zug vom 30-Sekunden-Inkrement leben.

Fazit

Bild Der Gesamteindruck wird durch die völlig unmotivierte – und im übrigen regelwidrige – Verkürzung des Turniers auf 5 Runden getrübt. Das in den oberen zwei Dritteln recht ausgeglichene Starterfeld hätte zwei weitere Runden gut vertragen. Da zudem gleich fünf interne Duelle unserer Spieler zustande kamen, ist schlicht keine ausreichende Basis für die Beurteilung da.

Daniel rangiert in der oberen Tabellenhälfte, nur einen halben Punkt hinter den Qualifikanten. Dennoch ist er mit seinem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Über die kurze Distanz war die Auftaktniederlage gegen einen "unterklassigen" Gegner nicht mehr zu kompensieren.

Arman hat sich bei seinem ersten Meisterschaftsstart gleich unter den besten Berliner Jugendspielern eingereiht. Er konnte die meist sehr langen Partien problemlos bewältigen und leistete mit dem Sieg in Runde 2 sein Meisterstück. Der Grundstein für eine "Schach-Karriere" ist gelegt, die noch viel Freude machen wird. Eine sensationell gute Erst-DWZ belohnt Armans engagierten Auftritt.

Pablo und Marian standen zeitweise etwas neben sich, konnten nicht ganz an ihr Leistungsvermögen heran reichen. Mit den Siegen in der Schlussrunde gelang die Schadensbegrenzung. Gerade diesen beiden Spielern hätte ein Turnier über die "volle Distanz" gut getan.

Severin und Lazar (Foto links) wagten sich nach dem starken Auftritt beim Jugend-Sommer-Open in die unvergleichlich schwerere BJEM U14. Dass es für beide zu einem Punkt (jeweils schon in der 1. Runde) reichte, ist letztlich der Garant für den Erwerb einer Einstiegs-DWZ und damit für ihr sportliches Hauptziel in diesem Turnier. Blickt man auf die jeweils vier Verlustpartien, war da durchaus Ermutigendes zu sehen, gab es keinen eklatanten Klassenunterschied zu den Spielern des Mittelfelds.

Ergebnisse

Platz Name Punkte DWZ-Veränderung
12. Daniel Lewin 3 – 50
16. Arman Pour Tak Dost 2 Erst-DWZ: 1239
18. Marian Hauser 2 + 37
20. Pablo Schlesselmann 2 – 5
22. Lazar Daskalov 1 Erst-DWZ: 774
23. Severin Göbel 1 Erst-DWZ: 797

Bericht und Fotos: Thomas Binder