Berliner Meisterschaft 2014 – 1. Vorrunde

Göbel – Engelmann
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Nachdem Schwarz gerade noch eine Chance
zum Ausgleich verstreichen ließ, ging es ganz
schnell: Matt in zwei Zügen.
Henke – Hauser
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Marian hat hier schon viele gute Fortsetzungen,
wie z.B. Sf6-d5. Aber auch nach dem Partiezug
… a5xb4 war Weiß in allen Varianten verloren.

1. Tag – U12

Bild Mit ganz unterschiedlichen Erwartungen gehen Rachela und Duc Anh ins Turnier. Rachela strebt natürlich die Finalteilnahme an und sollte dies auch schaffen können. Für Duc Anh ist es das erste Turnier dieser Qualität nach längerer Pause.

Zum Auftakt gelang Rachela ein sicherer Sieg. Auch in Runde 2 schien sie schon in der Erfolgsspur. Doch mit einem Turm im Rückstand und mit direkter Mattdrohung konfrontiert fand ihr Gegner eine starke Rettung zum Dauerschach. Rachela bleibt in der Spitzengruppe und hat die Finalplätze fest im Blick.
Duc Anh (Foto rechts) spielte am Vormittag die längste Partie der Runde. Gegen einen starken Gegner hielt er den Kampf sehr lange offen. Allerdings ließ er seinen Springer "ewig" in einer Fesselung stehen. Dies kostete dann schließlich die Figur und später den ganzen Punkt.
Nach solch anstrengender Partie nahm man den kampflosen Punkt in der Nachmittagsrunde durchaus gerne hin.

1. Tag – U14

Welch ein Tag für unsere U14-Spieler, die doch als Außenseiter ins Rennen gehen…
In Runde 1 mussten sich die Klassenkameraden Daniel und Severin direkt duellieren. Erwartungsgemäß hatte Daniel die Nase vorn. Ein effektvolles Doppelschach mit Springergabel entschied die Partie.
Am Nachbarbrett zeigte Marian, was er sich heute vorgenommen hat. Er spielte gegen einen um fast 350 DWZ-Punkte stärkeren Gegner eine konzentrierte Partie und siegte sicher.

Der Nachmittag setzte den guten Trend vom Morgen fort. Zuerst jubelte Severin über den schnellen Sieg gegen einen nach Setzliste erneut klar besseren Gegner.
Marian hatte zu seinem Zweitrunden-Gegner gar 500 DWZ-Punkte zu überbrücken. Erneut ging er konzentriert zu Werke, bekam im richtigen Moment etwas Schützenhilfe, als der Gegner in komplizierter Abwicklung die Übersicht verlor, und holte so seinen zweiten Sieg.
Auch bei Daniel sah es lange so aus, als würden knapp 500 Punkte Unterschied zur Gegnerin keine Rolle spielen. In bereits klar besserer Stellung unterlief ihm dann leider ein ärgerlicher Patzer mit Turmverlust – Schade, aber "Kopf hoch".

Bild 2. Tag – U12

Nach vier Runden kämpft noch ein sehr dichtes Feld um die Qualifikationsplätze. Rachela und Duc Anh gehören dazu!
Rachela ist nach dem ersten Wochenende noch ungeschlagen. Ähnlich wie gestern gab es heute Sieg und Remis, jeweils nach anstrengenden Endspielen.

Duc Anh gehört bislang zu den Entdeckungen des Turniers. Er saß heute gefühlte sechs Stunden am Schachbrett und beendete beide Partien gegen gestandene Turnierspieler als Sieger. Seine vorbildliche Konzentration und ausstrahlende Ruhe sind in dieser Altersklasse ein ganz wichtiger Faktor. Nach längerer Turnierpause auf diesem Niveau hat er sofort wieder seine Position in der Berliner Spitzengruppe gefunden.

Ducs Nachmittagspartie gegen Adrien Moulart war wieder einmal die längste der Runde. Die Pokale im Sommer-Open waren verteilt, die Spieler hatten längst den Heimweg angetreten. Unvermittelt dreht sich Adrien zu mir um und fragt: "Warum ist es denn auf dem Flur so still?" – Antwort des Schiedsrichters: "Das Open ist vorbei."

2. Tag – U14

Für Marian und Severin gab es in der heutigen Doppelrunde keine weiteren Erfolgserlebnisse. Sie liegen aber noch auf Kurs und können das Turnier am zweiten Wochenende zu einem sehr erfolgreichen Auftritt machen. Daniel (Foto rechts) schob sich heute in die unmittelbare Verfolgergruppe der Final-Anwärter. In schwierigen Endspielen holte er zunächst einen Sieg und dann ein Remis gegen einen deutlich höher eingestuften Spieler.

3. Tag – U12

Bild Dritter Turniertag – und zum dritten Mal 1½ Punkte für Rachela (Foto links). Diesmal war lediglich die Reihenfolge der Partien vertauscht. Am Morgen gab es nach gehaltvoller Partie ein Remis im Duell der beiden Erstplatzierten der Setzliste. Am Nachmittag stand Rachela dann gegen den groß aufspielenden Jonathan Sondermann schwer unter Druck. Mit einem Minusbauern ins Endspiel gekommen, belagerte sie zunächst gekonnt die Achillesferse der gegnerischen Bauernformation und fing wenig später einen vergallopierten Springer ein.
Jonathan hatte sein Können schon am Vormittag mit dem Sieg gegen Duc Anh unter Beweis gestellt. Unser Spieler war dann in der 6. Runde seinem Kontrahenten sichtlich überlegen, wickelte aber schließlich unglücklich zum Endspiel mit König und Bauer gegen König ab. Dort bewies der Gegner dann sehr genau spielend, dass es eben remis wird, wenn der Bauer schon die Brettmitte überschritten hat und der Verteidiger seinen König davor platzieren kann.

Bild 3. Tag – U14

Insgesamt ausgeglichen fällt heute die Bilanz unserer U14-Spieler aus. Daniel begann mit einem konzentrierten Remis gegen die enorm erstarkte Cecilia Lange aus Oberschöneweide. Dabei musste sich Daniel zunächst aus einer recht verdächtigen Stellung befreien. Am Nachmittag gewann er dann seine Partie. In einer komplizierten Abwicklung blieb eine Mehrfigur auf der richtigen Seite und so hält Daniel Anschluss an die Spitzengruppe. Ein deutlicher DWZ-Gewinn scheint sicher. Leider geht es hier nur um zwei Finalplätze – dieses Ziel heben wir uns also für die 2. Vorrunde auf.

Göbel – Wille
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Hier ließ sich Severin die Chance
Db2:e5+! nicht entgehen.
Das Matt in wenigen Zügen ist sicher
und wurde zielstrebig umgesetzt.
Marian spielte gegen einen deutlich DWZ-schwereren Gegner zunächst Remis. Das Ergebnis geht in Ordnung, die Partie hatte jedoch einen ganzen Punkt verdient. In der Analyse entdeckten wir gleich mehrere gute Gewinnpläne. Die Partie aus der Nachmittagsrunde war dann hingegen ein Fall für den berühmten Mantel des Schweigens. Morgen muss ein Sieg her, um diese BJEM immer noch als tollen Erfolg abzuschließen.

In der 5. Runde hatte man bei Severin (Bild rechts) den Eindruck, dass der Gegner immer etwas bessere Chancen hätte. Doch unser Spieler verteidigte sich umsichtig. Erst im ausgeglichenen Endspiel fehlte ihm die Erfahrung und Cleverness, an ein paar Stellen die richtigen Züge zu finden.
Am Nachmittag gelang Severin dann der zweite Sieg. Materiell hatte er zwar eine Qualität eingebüßt, doch den Gabelspringer auf a1 hätte man jederzeit einsammeln können – und wohl auch irgendwann mal einsammeln sollen…
Schließlich bot sich durch eine Fesselung jedoch die Möglichkeit, mit allen Figuren über den gegnerischen König herzufallen. Diese Gelegenheit ließ sich Severin nicht entgehen – siehe Stellungsbild.

7. Runde – U12

Rachela bleibt ungeschlagen. Mit vier Siegen und drei Unentschieden ließ sie nie Zweifel an der Final-Qualifikation aufkommen.

Für die spannendste Partie des Tages sorgte erneut Duc Anh. Unser Schachzwerg saß wieder fast vier Stunden konzentriert am Brett. Im richtigen Moment verbrauchte er enorm viel Bedenkzeit und konnte den gegnerischen Angriff über die g- und h-Linie aufmerksam abwehren. Ungefähr ab dem 25 Zug "lebte" er fast nur noch vom 30-Sekunden-Inkrement, fand aber auch in dieser Phase immer die richtigen Lösungen. Schließlich stand er nach Abwehr aller Drohungen mit zwei gesunden Mehrbauern da.
Im Endspiel wurde es dann noch einmal kribblig, als der Gegner – immerhin ein Spieler des BSV-Leistungskaders – die a-Linie öffnen und mit dem Turm eindringen konnte. Duc wählte jetzt eine chancenreiche Abwicklung statt der "korrekten" aber ziemlich tristen und perspektivlosen Fortsetzung. Davon sichtlich beeindruckt gab der Gegner die von Duc geopferte Figur postwendend zurück und der Rest war dann ein sehenswertes Schaulaufen zur Verwertung der Mehrbauern.

Duc hat nach langer Turnierpause auf diesem Niveau einen großartigen Wettkampf gespielt. Er hat wieder Freude am Schach und ist schon jetzt auf die zweite Vorrunde gespannt. Nachdem diesmal nur zwei Buchholz-Pünktchen zur Finalqualifikation fehlten, ist das Ziel für den November wohl absehbar.

Bild 7. Runde – U14

Zwei-Klassen-Gesellschaft unter unseren U14-Spielern: Daniel krönte sein starkes Turnier mit einem weiteren Remis gegen einen um 200 DWZ-Punkte höher eingestuften Spieler. Dieser hatte allenfalls minimale strategische Vorteile, sicherte sich aber durch das Unentschieden den Finalplatz.
Daniel kann nach seinem besten Turnier seit 2 Jahren optimistisch nach vorn blicken. Ein satter DWZ-Zuwachs und der anerkannte Platz in der erweiterten Berliner U14-Spitze sind sein Lohn.

Bei Marian und Severin wechselten im Turnierverlauf Licht und Schatten ab. Heute war der Tag dann allerdings geradezu wolkenverhangen. Gegen nach der Papierform wohl erreichbare Gegner wurden die Partien ziemlich drastisch verloren. Severin lief ohne Not in eine Höchststrafen-Gabel (Dame + König), nachdem er die Wirren des Königsgambit eigentlich überstanden hatte. Marian (Bild rechts) schien bereits auf der Siegerstraße, als ihn eine Bauerngabel aus dem Tritt brachte. Leider fand er trotz langem Nachdenken nicht den rettenden Ausweg und war nach dem Figurenverlust chancenlos.
Wenn am Ende beide Spieler dennoch deutlich DWZ gewonnen haben, kann man nur ahnen, was bei durchgängiger Normalform möglich gewesen wäre…

Ergebnisse

Klasse Platz Name Punkte DWZ-Bilanz
U12 2. Rachela Rosenhain – 9
6. Duc Anh Tran Erst-DWZ 1107
U14 6. Daniel Lewin + 102
15. Marian Hauser + 90
19. Severin Göbel 2 + 57

Bericht und Fotos: Thomas Binder