Berliner Meisterschaft 2014 – 2. Vorrunde

1. Tag – U14

Bild Es gehört zu den Konstanten nach mehr als zehn Jahren Herderschach, dass es immer wieder Tage gibt, an denen ein einzelner Spieler über sich hinauswächst – Tage, an denen er sich und seine Trainer für mehrjährige geduldige Arbeit mit vielen Erfolgen und Rückschlägen belohnt.
Heute war solch ein Tag – Heute war Firats Tag.

Oft genug hat der hibbelige Junge seine Trainer und Betreuer in mehr als drei Jahren verzweifeln lassen. Seit heute wissen wir, dass aus ihm ein vorzeigbarer Schachspieler geworden ist.
Schon der Auftaktsieg gegen einen gut 400 DWZ-Punkte stärkeren Gegner ließ aufhorchen. OK – so ganz schief kann es also bei diesem Turnier nicht gehen.
In Runde 2 wartete dann eine um mehr als 700 Zähler (wir reden von 1469 zu 755) stärkere Spielerin, die im Berliner Jugendschach schon beachtliche Meriten aufzuweisen hat.
Was dann auf dem Brett abging … aber sehen Sie selbst: Firat Soman – Katharina Du

Für Daniel verlief der erste Tag "nach Plan". Ein schwer erkämpfter – und damit umso wertvollerer – Sieg eröffnete die Meisterschaft. Am Nachmittag folgte eine Niederlage gegen die Nummer 1 der Setzliste nach ordentlicher Gegenwehr.

Unsere jüngeren Vertreter haben erwartungsgemäß noch einen schweren Stand. Kristoffer war am Vormittag spielfrei – der Fluch der ungeraden Teilnehmerzahl – und verlor dann in Runde 2. Moritz blieb zweimal ohne Punkt. Seine Partie aus Runde 2 zeigte aber, dass er hier mithalten kann und gewiss noch punkten wird.

1. Tag – U12

Nach der sehr erfolgreichen 1. Vorrunde hat sich Duc Anh viel vorgenommen. Die Mission "Ich will in die Endrunde" hat er heute konzentriert mit zwei sicher erspielten Siegen aufgenommen. In Erinnerung bleiben die ersten fünf Zuge der Auftaktpartie. Duc Anh hatte Schwarz und es geschah:
1.e2-e4 e7-e5 2.Lf1-c4 Lf8-c5 – soweit "normal"
3.Lc4-b3!? Sb8-c6 4.Dd1-e2!? d7-d6 5.De2-c4.

Das ist wohl der umständlichste Weg, ein Schäfermatt vorzubereiten und natürlich war diese Illusion nach 5… Lc8-e6 auch schon vorbei.

Sein Klassenkamerad Julius konnte am ersten Tag noch keine Punkte verbuchen. Er wird in den verbleibenden Runden sicher noch von sich hören lassen.

2. Tag – U14

Bild Firat konnte das gestern eingeschlagene Tempo heute nicht halten. Beide Partien des Tages gingen recht schnell verloren. Die Ausgangsposition für das zweite Wochenende ist aber immer noch sehr gut.
Für Daniel gab es Sieg und Remis. Er liegt also in der erweiterten Spitzengruppe. Ob es noch für einen Angriff auf die wenigen Finalplätze reicht, werden wir wohl schon nach der nächsten Runde wissen.

BJEM-Debütant Kristoffer (Bild rechts) – Aufsteiger aus der Jugend-Open-Szene – ist nun endgültig in der richtigen Meisterschaft angekommen. Seinen Auftritt kann man als eine Rechtfertigung für das aktuelle Wettkampfmodell aus Offenen Turnieren und Titelkämpfen verstehen. Am Vormittag spielte er eine starke Partie und hatte zeitweise einen Turm mehr. Damit wäre dann auch der Kampf gegen drei verbundene Freibauern zu ertragen gewesen, doch Kristoffer strauchelte leider noch. In Runde 4 folgte dann ein sicherer Sieg gegen einen Gegner mit DWZ nahe 1100. Der Weg zur ersten eigenen Wertzahl ist also geebnet.
Für Moritz ist am ersten Wochenende ein widersprüchliches Fazit zu ziehen. Seine Partieanlage ist deutlich(!) besser geworden. Mit ordentlichem Aufbau hält er gegen die jeweils viel erfahreneren Gegner lange Zeit mit. Um daraus auch ganze oder halbe Punkte zu machen, fehlt noch die Routine und Turnierhärte. Beides erwirbt er sich gerade durch diesen BJEM-Start.

2. Tag – U12

Unsere beiden U12-Spieler hatten heute einen gebrauchten Tag erwischt. Duc Anh verlor zunächst gegen die Nummer 1 der Setzliste. Das Ergebnis kann man verschmerzen. Der Trainer hätte sich aber einen ausgeglicheneren Kampf gewünscht. Seine Niederlage am Nachmittag gehörte dann in die Kategorie "unnötig und unverständlich". Julius unterlag in Runde 3 einem seiner Vereinskameraden vom SC Weisse Dame und konnte dann in Runde 4 endlich den ersten Erfolg feiern. Der Sieg wurde ihm allerdings recht leicht gemacht.

3. Tag – U14

Bild Bild Großartiger dritter Turniertag für Daniel: Er kann sogar noch von der Finalteilnahme träumen. Unser Hauptziel bleiben aber gute Partien und eine spürbare DWZ-Verbesserung. Heute traf Daniel (DWZ 1279) auf Gegner mit Wertzahlen von 1469 bzw. 1588 – und verließ zweimal als Sieger das Brett. Am Morgen hatte er noch etwas Glück, als die Gegnerin in schwieriger, aber haltbarer Position ohne Not ein Matt in der Brettmitte zuließ (siehe Foto). In Runde 6 spielte Daniel dann eine ganz starke und konzentrierte Partie. Er stellte seinen Gegner immer wieder vor schwierige Probleme, so dass dieser schon nach 20 Zügen fast die gesamte Bedenkzeit aufgebraucht hatte. Daniel (Foto links) bildete dann bei der Überleitung ins Springerendspiel einen Freibauern und konnte mit seinen aktiveren Figuren schließlich dessen Weg zur Umwandlung ebnen.

Firat ist hingegen noch nicht wieder bei der Form des ersten Tages angekommen. Heute gab es zwei weitere Niederlagen, darunter im internen Duell gegen Kristoffer.
Bei Moritz klaffen weiter die gezeigte Leistung und das Ergebnis weit auseinander. Seine Partien sind viel besser als es die Tabelle ahnen lässt. Bezeichnend war seine einzige heutige Partie nach dem Freilos in Runde 5. Moritz spielte stark, wehrte den gegnerischen Angriff aufmerksam ab und gewann eine Figur. Jetzt hätte er sich nur der alten Regel erinnern müssen, dass man mit Materialvorteil Figuren abtauschen soll. Der Gegner bot sogar seinerseits den Damentausch an, doch Moritz strauchelte gerade an dieser Stelle und geriet noch ins Hintertreffen.

3. Tag – U12

3 Punkte aus 4 Partien: Das ist die gute Bilanz unserer beiden U12-Spieler am heutigen Tag. Duc Anh gewann am Vormittag nach frühem Figurengewinn eine starke Angriffspartie. Vor allem seine Zeiteinteilung war wieder sehr zu loben. Ein ideenreich vorgetragener Königsangriff beendete die Partie standesgemäß – da war Duc in seinem Element. Am Nachmittag ging dann irgendwo ein Bauer verloren und das ist in den oberen Regionen der U12-Vorrunde schon zu viel. Der Gegner brachte seinen Mehrbauern souverän ins Endspiel und verwertete ihn dort sicher.
Doppelsieg für Julius. Nach dem Auftakt mit drei Niederlagen hat er nun drei Siege folgen lassen. Hält sie Serie auch morgen? Der Gegner wird auf jeden Fall schwerere Aufgaben stellen, als es heute geschah. Da war das Leistungsgefälle in diesem Turnier doch recht deutlich spürbar.

7. Runde – U12

Bild Die Siegesserie von Julius fand nun doch noch ein Ende. Wir sehen dies aber mit lachendem und weinendem Auge: Der Punkt bleibt im Hause Herderschach. Im Duell der beiden Klassenkameraden war Duc Anh (Foto rechts) deutlich favorisiert und wurde dieser Rolle mit einem sicher herausgespielten Sieg auch gerecht. Insgesamt kommt er nach einem klassischen Schweizer-System-Zickzack auf einen Platz in der oberen Tabellenhälfte. An die Top-Leistung der 1. Vorrunde konnte Duc zwar nicht ganz anknüpfen. Seinen Platz in der erweiterten Spitzengruppe hat er aber nach der langen Turnierpause sofort wieder eingenommen.

7. Runde – U14

Vierkampf um 3 Finalplätze

Das war heute prickelnde Spannung pur. Vier Spieler (ok – drei Spieler und eine Spielerin) kämpften um drei Plätze im Finalturnier. An den Spitzenbrettern gab es lange ein gegenseitiges Belauern, Ausrechnen der Buchholz-Wertung und Beobachten der anderen Partien – zeitweise bei eigener laufender Schachuhr. Zwischenzeitlich stand sogar ein Szenario im Raum, bei dem sich Daniel – im Falle eines eigenen Sieges – selbst mit 5½ Punkten aus 7 Runden nicht qualifiziert hätte – unglaublich. Die Favoriten zeigten Nerven: Sowohl Bennett Schnabel als auch Marcel Petersen kamen gegen vermeintliche Außenseiter nicht über Unentschieden hinaus. Mindestens in einem Fall schien sogar eine komplette Überraschung möglich.
In dieser angespannten Atmosphäre blieb nur eine Spielerin völlig cool und abgeklärt: Cecilia Lange von der TSG Oberschöneweide krönte ihren (erneut) phantastischen Auftritt mit 6½ Punkten.

Daniel lieferte eben dieser Turniersiegerin einen großen Kampf. Seine schwierigste Entscheidung lag heute darin, ob er das Remis forcieren oder auf Gewinn spielen sollte. Er spielte eine starke Partie mit vielen guten Ideen. Als dann aber die Entscheidung heranreifte, verschmähte er die sichere Remisabwicklung und setzte noch einmal alles auf die Karte "Finale". Mit einem durchaus chancenreichen Qualitätsopfer versuchte Daniel das Unmögliche. Im Interesse eines asymmetrischen Spiels unterließ er den sofortigen Rückgewinn der Qualität, der wohl in ein ausgeglichenes Bauernendspiel geführt hätte. Die letzten Gewinnversuche waren dann allerdings mit der Entblößung des eigenen Königs verbunden. Cecilia konnte Damentausch erzwingen und gewann dann mit genauer Endspieltechnik.
Daniel hat keinen Grund zur Enttäuschung. Über beide Vorrunden hat er seine DWZ um fast 200 Punkte verbessert.

Im Schatten der großen Vier

Firat beendete das Turnier, wie er es begonnen hatte: Sieg gegen einen deutlich höher eingestuften Gegner. Nach frühem Qualitätsgewinn wehrte Firat alle Angriffsversuche aufmerksam ab, sammelte noch ein paar Bauern ein und durchbrach dann die gegnerische Verteidigung. Sein Abschneiden in dieser Meisterschaft ist ein Quantensprung nach vorn und muss künftig Firats Maßstab sein. Dann wird auch die Durststrecke in der Mitte des Turniers kürzer (oder ganz) ausfallen.

Kristoffer und Moritz konnten ihr Konto heute nicht mehr aufstocken. Kristoffer unterlag einem Klassenkameraden aus Grundschultagen, der im entscheidenden Moment den Geistesblitz einer schönen Kombination zündete. Moritz nahm wohl am falschen Flügel die gegnerischen Bauern weg – oder rochierte eben zum falschen Flügel. Jedenfalls konnte danach nur sein Gegner die freigelegten Linien zum Königsangriff nutzen. Hier wehrte sich Moritz lange Zeit hartnäckig, geriet aber schließlich doch ins Mattnetz.

Ergebnisse

Klasse Platz Name Punkte DWZ-Bilanz
U12 15. Duc Anh Tran 4 – 16
28. Julius Wolff 3 ± 0
U14 5. Daniel Lewin + 73
15. Firat Soman 3 + 158
17. Kristoffer Sturm 3 Erst-DWZ 928
23. Moritz Nadolny 1 – 25

Die Aussagen zur DWZ-Bilanz stammen von der Turnierleitung und sind insofern vorläufig.


Bericht und Fotos: Thomas Binder