Berliner Meisterschaft 2018 – Endrunden

Bild In vier von fünf Altersklassen hatten sich unsere Top-Spieler für ihre jeweiligen Vereine zu den BJEM-Endrunden qualifiziert. Darüber hinaus verzichteten Coco und Joachim auf die Teilnahme. Joachim hat bereits einen Freiplatz zur Deutschen Meisterschaft, Coco möchte sich über die Mädchenmeisterschaft qualifizieren.
Leider musste Kevin seine Teilnahme krankheitsbedingt absagen, so dass wir in der U16 nicht vertreten waren.

In klassischen Rundenturnieren bei sehr guten Spielbedingungen in der Aula des Andreas-Gymnasiums wurde durchweg anspruchsvolles Schach geboten, das einer Landesmeisterschaft würdig war.

Bild Nam wird U12-Meister

Die U12-Meisterschaft ließ einen Zweikampf zwischen Nam und dem "Königsjäger" Jonas Eilenberg erwarten. Mit deutlichem Vorsprung führten sie die Setzliste an und wurden diesem Anspruch auch in den neun Runden gerecht. Kurz vor der Meisterschaft trafen beide Spieler mit ihren Schulteams aufeinander, dabei setzte sich Jonas souverän durch.
In die BJEM startete Nam mit einer überraschenden Niederlage gegen seinen Vereinskameraden Andranik Movsisyan. Über das Thema "Partien gegen eigene Teamkameraden" ist schon oft geschrieben worden – und wird man auch diesmal einiges zu sagen haben…
Doch nach diesem Weckruf fügte Nam Sieg an Sieg, während Jonas gleich in vier Partien halbe und ganze Punkte abgab. So sorgte die perfekte Dramaturgie des Spielplans für ein echtes Finale am Schlusstag. Nam (Foto rechts) ging mit einem ganzen Punkt Vorsprung in die entscheidende Partie und konnte nach einigen bangen Momenten schließlich diesen Abstand wahren.

Zwei Medaillen in der U14

Bild Zwei Top-Favoriten gab es auch in der nächsthöheren Altersklasse: Daniel und seinen Vereinskameraden Sander Breitzmann. Da aber aus gutem Grund die internen Partien in den frühen Runden abgewickelt werden, trafen beide schon in der ersten Runde aufeinander und teilten nach langem Kampf den Punkt. Es lief also auf einen Wettlauf über die folgenden Runden hinaus. Würde sich einer der beiden Rivalen eine Blöße geben?

Bild Es geschah in Runde 5: Sander gab einen halben Punkt ab, so schien der Weg zum Titel für Daniel frei. Doch seine Partie gegen Hakob fügte der oben angedeuteten Serie interner Partien mit kuriosem Ausgang ein weiteres aufregendes Kapitel hinzu. Daniel stand mit zwei Mehrbauern klar überlegen. Hakob setzte alles auf die Karte "Königsangriff" und behielt schließlich Recht. Das Ende der Partie ist dabei fast schon absurd: Hand aufs Herz – wer sieht sofort, dass in der links abgebildeten Stellung der "Läufergewinn" Td1–f1+ nebst Tf1xf6 direkt ins Verderben führt?
Als Trost bleibt Daniel die Silbermedaille und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft.

Hakob und Titelverteidiger Minh waren knapp hinter den Medaillenplätzen gesetzt, kämpften aber über das gesamte Turnier um einen Platz auf dem Podest. Ihre Partie untereinander entschied Minh in der rechts abgebildeten Position mit dem Springereinschlag auf a7 sehenswert für sich.
Dennoch hatte im Kampf um Bronze schließlich Hakob die Nase vorn. Die oben gezeigte Gewinnpartie gegen Daniel trug dazu entscheidend bei.
Hakobs Serie stark wechselnder Resultate schlägt jedenfalls in letzter Zeit deutlich nach oben aus.
Minh hingegen wird mit seinem 50%-Ergebnis nicht ganz zufrieden sein.

Brian mit starkem Auftritt in seiner letzten Jugendmeisterschaft

Brian hatte sich zwei Wochen vor dem Turnier über eine sehr gute Leistung im Kandidatenturnier für die Meisterschaft qualifiziert. Er ging als krasser Außenseiter ins Rennen und – sorgte gleich zum Auftakt für Furore.
Gegen den hohen Turnier-Favoriten (Elo und DWZ klar über 2100) gewann er eine vor allem von Zeitnot geprägte Partie. Er nutzte eine Springergabel zum Qualitäts-Gewinn und blieb danach souverän in der Verwertung des Vorteils.
Kuriose Beobachtung zum Thema Bedenkzeit: Als in dieser Partie gerade 14 Züge(!) geschehen waren, hatten im zeitgleich gestarteten Kinder-Open mit 30-Minuten-Partien sowohl Selina als auch Uladzimir schon je drei Partien(!) gewonnen.

Leider findet sich Brians viel beachteter Sieg nicht in der Abschlusstabelle. Sein Gegner verlor auch in der nächsten Runde und brach das Turnier danach ab.
Brian ging in jeder weiteren Runde als Außenseiter ans Brett. Aber gerade gegen die stärksten Spieler des Feldes konnte er überzeugen. So bezwang er einen weiteren 1900er, remisierte gegen den neuen Berliner Meister und spielte auch gegen die frühere Berliner Frauen(!)-Meisterin remis.
Insgesamt ein sehr starker Auftritt von Brian, der auch mit einem ansehnlichen DWZ-Gewinn im letzten "echten" Jugend-Turnier belohnt wird.


Bericht und Fotos: Thomas Binder