Berliner Meisterschaft 2019 – 1. Vorrunde

Bild 13 Teilnehmer aus dem Hause Herderschach waren bei der 1. Vorrunde in der Freien Universität als Vertreter ihrer Vereine dabei. Die Erwartungshaltung war sehr unterschiedlich, und genauso unterschiedlich fällt der Rückblick auf die Ergebnisse aus. Die Endrundenplätze haben wir diesmal knapp verpasst. Nicht alle Träume gingen in Erfüllung, doch einige Spieler konnten sich deutlich steigern.

U12-Trio verpasst Endrunde knapp

Natürlich gehörten Coco, Jakob und Joachim zu den Anwärtern auf einen Finalplatz. Doch gerade im Jugendschach müssen einmal erarbeitete Positionen immer wieder neu bestätigt und verteidigt werden. Das bekamen an diesen beiden Wochenenden auch andere Mitfavoriten deutlich zu spüren.

Bild Dass es am Ende nicht ganz gereicht hat, lag sicher auch daran, dass die Teamgefährten quasi ein internes Turnier spielen mussten. Alle drei möglichen Partien untereinander standen auf dem Programm.
Dabei unterlag Joachim nach jeweils von beiden Seiten stark geführten Partien. Ein weiteres Remis kostete früh die Hoffnungen auf einen Finalplatz.
Diesen hatten Coco und Jakob bis zur letzten Runde fest im Blick. Doch jetzt führte das Los beide zusammen (Foto links). Coco startete einen schönen Königsangriff. Als Jakob die erste Welle abgewehrt hatte, einigte man sich – aus meiner Sicht etwas früh – auf Remis. Die Hoffnung, die Konkurrenz werde nun die passenden Ergebnisse liefern und eine(n) der beiden noch auf Platz 3 spülen, erfüllte sich nicht. Für Jakob bleibt am Ende Platz 4 mit der höchsten Buchholz-Zahl aller Teilnehmer und einem deutlichen DWZ-Gewinn. Coco wird sich auf die Mädchen-Meisterschaft konzentrieren und Joachim greift sicher in der zweiten Vorrunde wieder an.

Auch die beiden weiteren U12-Spieler können zufrieden sein. Duc Minh (Foto rechts) hat vergleichsweise wenig Wettkampfpraxis und konnte hier die Erwartungen mit einem Platz fast noch im vorderen Drittel der Tabelle erfüllen. Parag kam bei seinem ersten Turnier auf diesem Niveau zu zwei Siegen. Der Blick auf seine Partien zeigt zudem, dass mit wachsender Routine sogar noch mehr möglich ist.

Bild U14: Zwei Top-Ten-Plätze

Lior und Sophie bestätigten einmal mehr, dass sie zur erweiterten Spitze dieser Altersklasse gehören. Beide kommen knapp vor ihren Setzlistenplätzen ins Ziel und haben ihre DWZ fast bestätigt. Lior (Foto links) scheute vielleicht etwas zu oft das Risiko. So hat er nur in Runde 2 am Spitzenbrett gegen den Top-Favoriten verloren, konnte diesen später sogar im Endklassement hinter sich lassen. Drei Remisen waren dann aber doch eines zu viel.
Sophie ging wesentlich kompromissloser zur Sache und kommt mit dieser Einstellung ebenfalls auf 4½ Punkte.

Bild Bild Zwei Senkrechtstarter

Auch wenn hier vielleicht die Vereinsbrille den Blick etwas verklärt, können sich die beiden Siemensstädter Kai und Taha als die Sieger des Turniers fühlen.
Beide überzeugten in den meisten Partien sowohl mit der Spielanlage als auch mit dem Ergebnis. Sehr deutlicher DWZ-Zuwachs (bei Taha sogar dreistellig) ist der verdiente Lohn. Für beide führt der Weg nun wohl in die zweite BMM-Mannschaft ihres Vereins.
Taha (Foto rechts) nahm schon in der Auftaktrunde der später fürs Finale qualifizierten und ungeschlagenen Lotta Berghold (Glückwunsch nach Lichtenberg) einen halben Punkt ab. Zwar stehen nach dem üblichen Auf und Ab für ihn am Ende "nur" 50% in der Tabelle, doch 5 seiner 7 Gegner hatten jeweils mehr als 300 DWZ-Punkte Vorsprung mitgebracht!

Zwei Plätze und einen halben Punkt weiter vorn rangiert Kai (Foto rechts außen) . Seine Partie gegen einen Spieler, der eigentlich regelmäßig die BJEM-Endrunden erreicht, war für mich einer der Höhepunkte des zweiten Wochenendes. Mit ideenreichem Königsangriff verdient sich Kai den vollen Punkt. Zugleich gibt diese Partie einen schönen Eindruck vom Spielniveau auch an den mittleren Brettern einer U14-Vorrunde: Das ist schon richtiges Schach…!
Die entscheidende Phase der Partie können Sie hier nachspielen. Es lohnt sich!

Erfahrungen sammeln in der unteren Tabellenhälfte

Dieser beachtliche Leistungsstand im gesamten Feld machte natürlich den Spielern zu schaffen, die an den beiden Turnier-Wochenenden nicht in bester Form waren. Grigori bekam anfangs überhaupt keinen festen Boden unter die Füße, startete mit drei Niederlagen – blickt man auf die Gegner, war das genau eine zu viel. Dann steigerte er sich von Runde zu Runde und ließ einen Endspurt mit 3½ Punkten folgen.
Fedir und Davit spielten erneut noch zu wechselhaft. Es gab gute Partien zu sehen, aber auch unerklärliche Aussetzer. Beide trafen in je vier Runden auf Spieler, die sie aus Schule oder Verein sehr gut kennen. Diese Partien enden bekanntermaßen oft mit "irrationalen" Ergebnissen – so auch hier in einigen Fällen.
Für Karan kam die erste Meisterschaft noch etwas zu früh. Da steckte sein Verein in einem Nominierungs-Dilemma: Für das Sommer-Open war die DWZ zu hoch, für die U14-Vorrunde fehlte noch die Turniererfahrung. Diese beginnt Karan nun zu sammeln. Das wird sich bestimmt bald auch in zählbaren Ergebnissen auszahlen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder