Kinder-Winter-Open 2019

Zehn Herderschach-Zwerge machten sich auf, die Serie unserer Erfolge in den Jahreszeiten-Opens fortzusetzen. Damit stellten wir fast die Hälfte des Feldes. Das "Große Kinder-Winter-Open" sucht noch nach seinem Platz zwischen dem "Kleinen Bruder" für die U8- und U10-Kids einerseits und dem Jugend-Open mit DWZ-Wertung für die Vereinsspieler andererseits. Dass es also bis zu vier interne Duelle für unsere Spieler gab, war nicht zu vermeiden. Manch "fremder" Spieler erlebte sogar ein Herderschach-Festival mit fünf Partien gegen unser Team.

Bild Spannender Kampf an der Spitze mit Happy-End für Uladzimir und Andi

Nach dem ersten Turniertag war absehbar, dass unsere Siegesserie anhalten würde. Uladzimir und Andi hatten alle vier Partien gewonnen und lagen allein an der Spitze. Würde das Derby am Sonntagmorgen eine Vorentscheidung bringen?
Uladzimir kam mit einem Mehrbauern ins Springerendspiel und brachte ihn bis nach a7. Andis Springer musste das Umwandlungsfeld unter Kontrolle halten, was "Ula" zur Bildung eines weiteren Freibauern und damit zum Partiegewinn nutzte.

Bild In Runde 6 gewannen beide ihre Partien sicher. Doch die Spannung blieb bis zur letzten Partie erhalten.
Mit Caroline Hüls aus einer bekannten Berliner Schachfamilie war eine ernsthafte Konkurrentin angetreten, unseren Jungs Paroli zu bieten. Sie hatte nur gegen Andi verloren und forderte nun Uladzimir im Finale. Sollte Caroline gewinnen, zeichnete sich ein Dreier-Gleichstand ab, und man hätte um die Buchholz-Wertung bangen müssen.
Uladzimir verlor früh ein paar Bauern am Damenflügel, setzte aber im Zentrum zum Angriff an. Eine Bauerngabel brachte eine Leichtfigur für den vierten Bauern. Schließlich entschied unser Spieler die Partie mit einem Doppelschach-Matt für sich.
Umjubelter Turniersieg für Uladzimir! (Foto rechts) Nach vielen guten Plätzen in der offenen Turnierserie wird er sich nun noch anspruchsvolleren Aufgaben stellen. Sein Erfolg ist auf jeden Fall verdient, spielte er doch über alle sieben Runden das kompletteste und konstanteste Schach des ganzen Feldes.

Andi (Foto links) steckte die Niederlage im vorweg genommenen Finale problemlos weg und sicherte sich mit zwei weiteren Siegen den Silber-Pokal. Die Zahl seiner Top-Resultate ist mittlerweile Legion, aber wann gelingt ihm der ganz große Coup?

Bild Luca und Jan überraschen mit Spitzenplätzen

Bild Zwei weitere Herderschächer beenden das Winter-Open in der illustren Spitzengruppe. Nach diesem überzeugenden Wochenende darf man sich mit Luca und Jan auf die nächsten Turniere freuen.
Luca (Foto links) verlor die ersten beiden Partien, steigerte sich aber dann von Runde zu Runde. Er war auch von den eigenen Team-Kameraden (in Runde 4 bis 6) nicht zu stoppen und gewann in der Schlussrunde gegen die Nummer 1 der Setzliste, einen Spieler mit einer DWZ nahe 900. Seine Partien strahlten in dieser Phase schon erfreuliche Sicherheit aus. Die Verwertung des klaren Vorteils war freilich manchmal noch etwas umständlich.
Gegen den genannten Spieler von der Spitze der Startrangliste hatte Jan (Foto rechts) schon in Runde 1 gewonnen und sich "von Null auf Hundert" in den Blickpunkt gespielt. Von Null? Ja, es ist sein erstes externes Turnier! Nach dem ersten Tag lag Jan bei "3 aus 4". In Runde 5 gab es einen kampflosen Punkt, weil der Gegner zu spät eintraf. Es folgten zwei Gastspiele am 2. Brett, wobei vor allem die Partie gegen Andi sehr ordentlich aussah. Die vier Punkte für Jaaaan (ein "a" für jeden Sieg) gewinnen noch an Wert, wenn man weiß, dass seine drei Niederlagen gegen die Medaillengewinner der Gesamtwertung passierten. Er spielt ideenreich und auch technisch bereits recht sicher. Besonders gut hat mir die Verwertung zweier verbundener Feibauern bei vollem Brett in Runde 4 gefallen. So kehrt Jan schon von seinem ersten großen Turnier mit dem Bronze-Pokal der U12-Wertung zurück.

Auch das Mittelfeld fest in unserer Hand

Die sechs übrigen Vertreter des Hauses Herderschach liegen mit 3 bis 3½ Punkten geballt im Mittelfeld. Dabei haben die erfahrenen Spieler genau noch diesen halben Punkt Vorsprung vor den beiden übrigen Debütanten ins Ziel gerettet. Somit wird das Wochenende bei all unseren Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben.
Im Einzelnen kamen diese Bilanzen allerdings doch recht unterschiedlich zustande. Marc und Maxim erlebten die üblichen Aufs und Abs, die es wohl in jedem Schweizer-System-Turnier gibt. Ihre Plätze im Mittelfeld sind souverän und verdient erspielt. Vincent und Peter gerieten am Sonnabend etwas in Rückstand, den sie am Sonntag noch aufholen konnten. In Erinnerung bleibt mir vor allem Peters erste Remis-Partie. Im Endspiel mit Turm gegen Turm (ohne jeden Bauern) versuchte der Gegner doch in der Tat, durch Zeitablauf zu gewinnen. Peters König war am Brettrand eingesperrt, sodass ständig Mattdrohungen in der Luft lagen und auch manch andere Falle lauerte. Doch unser Turnierneuling blieb cool und bewies, dass er auch unter Druck nichts mehr falsch macht. Nach gefühlten 50 Zügen griff die Schiedsrichterin ein und beendete die Partie mit einer Punkteteilung.

Selina gewann drei ihrer vier Weißpartien. Mit Schwarz wollte ihr gar nichts gelingen. Dass es keinen vierten Weiß-Sieg gab, lag nur an noch fehlender Cleverness. Selina hatte im Endspiel die Dame gegen einen Läufer bei wenigen Bauern auf dem Brett. Mit noch 3 Minuten Bedenkzeit bekam sie Angst vor der Schachuhr und "sicherte" das Remis durch Rückopfer der Dame. Hier hätte man noch einmal durchatmen und sich eine Minute für den Gewinnplan gönnen sollen.
Jakob spielte am Samstag sehr gut und erfolgreich. Leider erwischte er wieder mal einen gebrauchten Sonntag. Die Niederlagen gegen einen Top-Spieler und den in dieser Phase groß auftrumpfenden Luca kosteten Kraft und Mut. Das Patt nach turbulenter Partie gegen Vincent in der Schlussrunde war dann irgendwie passend. Wenn's mal nicht läuft… Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn Jakob belegt dennoch den Platz genau in der Mitte des Tabellenbildes!


Bericht und Fotos: Thomas Binder