Berliner Meisterschaft 2020 – 1. Vorrunde

Erfreulich große Felder bevölkerten den Spielsaal in der Freien Universität. Unser Aufgebot war diesmal recht ungleich verteilt. In der U12 nahm nur Jakob den Kampf um einen Finalplatz auf. Gleich acht Herderschach-Talente kämpften hingegen in der höheren Altersklasse um Punkte. Dass es dabei nur ein einziges internes Duell gab, machte die beiden Wochenenden besonders reizvoll.

Bild Jakob steht schon im Finale

Mit der ihm eigenen abgeklärten Souveränität schaffte unser jüngster Vertreter (Foto rechts) den dritten Platz im starken U12-Feld, mit dem man sich für das Finale in den Winterferien qualifizierte. Nach einem Remis und der Niederlage im Duell der Top-Gesetzten musste er bis zur letzten Runde kämpfen. Solche Situationen liegen Jakob. Dann kann er beweisen, dass er seinen Altersgenossen an Ruhe und Zielstrebigkeit schon um einiges überlegen ist.

Bild Zwei Helden in der U14

Aus unserem großen U14-Feld ragen diesmal ein Spieler und eine Spielerin besonders heraus.
Christ (Foto links) – im vorigen Jahr an gleicher Stelle gerade in die Open-Szene eingestiegen – stellte bei seiner ersten BJEM-Vorrunde gleich alle eingefahrenen Hierarchien auf den Kopf. Es gibt solche Turniere, bei denen einem einfach (fast) alles gelingt. Nach der Auftaktniederlage konnte ihn nur noch die spätere Turniersiegerin aufhalten. Alle anderen Partien wurden mit zum Teil überzeugendem Auftritt gewonnen. Das Meisterstück lieferte Christ in der Schlussrunde ab, als er einen fast 500 DWZ-Punkte besser gewerteten Vereinskameraden trotz Minus-Qualität im Endspiel eindrucksvoll überspielte. Die Abschlusstabellen belegen den enormen Leistungssprung der letzten Monate: Platz 6 mit fünf Punkten und ein DWZ-Zuwachs von wohl mehr als 200 Punkten stehen zu Buche.

Bild Einen ähnlichen Leistungssprung vermeldet Daria (Foto rechts). Begann das Turnier für sie noch mit einer unnötigen Niederlage gegen einen Spieler, der das Tempo später nicht ganz halten konnte, führte der Weg dann stetig nach oben. Spätestens der Sieg in Runde 4 war ein Achtungszeichen, ging es doch gegen einen Spieler der erweiterten Favoritengruppe. Auch bei "Dascha" kam das Beste zum Schluss. Fast 350 DWZ-Punkte Abstand überwand sie bei einem überzeugenden Sieg. Ähnlich wie bei Christ stand diese Partie im Zeichen der besonders knisternden Anspannung, die vereinsinterne Paarungen oftmals mit sich bringen.

Nicht alle Träume erfüllten sich

Joachim startete natürlich mit dem Anspruch, sich für die Finalrunde zu qualifizieren. Das hat diesmal noch nicht geklappt. In einem Feld von gut einem halben Dutzend starken Spielern, die sich berechtigte Hoffnungen in Richtung Finale machen konnten, entschieden Nuancen über den Ausgang der Partien – nicht zuletzt auch der Unterschied an Turnierhärte zwischen den Spielern der beiden vertretenen Jahrgänge. Bis zur letzten Runde konnte Joachim noch auf einen Finalplatz hoffen, doch die zweite Niederlage machte diese Aussichten zunichte. Vielleicht wiederholt Joachim ja das Modell des Vorjahres, als die Qualifikation über die zweite Vorrunde recht souverän gelang.

Mit je drei Punkten nach sieben Runden werden auch Duc Minh und Fedir nicht ganz zufrieden sein. "DMN" startete furios und lag bis zur Mitte des Turniers gut im Rennen (2½ Punkte nach 4 Runden). Am zweiten Wochenende ging ihm dann die Puste aus, und er konnte nur noch ein Remis verbuchen.
Fedir pendelte in den ersten Runden noch standesgemäß im Schweizer-System-Zickzack. Dann erwischte er einen rabenschwarzen dritten Tag. Wenn aber jemand solche Enttäuschungen gut wegstecken kann, dann ist es Fedir. Zur letzten Runde war er wieder in Bestform und gewann sicher.

Grigorii musste leider einen Tag lang vom Turnier aussetzen. So kommt er nur auf fünf Partien, von denen er vier gewann. Das liest sich sehr gut, ist aber natürlich dem zwischenzeitlichen Abrutschen in der Tabelle durch die fehlenden zwei Runden zu "danken". So konnte diese Vorrunde nur als Aufgalopp für das nächste Turnier gelten, bei dem er um einen Platz in der Spitzengruppe kämpfen möchte.

Bild Bild Respektabler BJEM-Einstieg für Uladzimir und Vincent

Erneut haben zwei Herderschach-Spieler den Schritt von der Open-Szene in die ungleich härtere Welt der Meisterschaften gewagt. Uladzimir und Vincent können mit 3 bzw. 2½ Punkten durchaus zufrieden sein. Beide haben das Minimalziel "vierstellige Erst-DWZ" wohl deutlich erreicht. Beide hatten ihre starken Momente und erkannten, was noch zu verbessern ist.

Bei Uladzimir (Foto rechts außen) bleibt der zweite Turniertag mit zwei Siegen ebenso in Erinnerung wie der Erfolg gegen einen 1400er in Runde 6. Gerade hier zeigte er sich gegen den kompromisslosen Angriff seines Gegners schon recht stabil und konterte ihn frühzeitig aus. In einer anderen Partie sorgte gezielte Eröffnungsvorbereitung dafür, dass zumindest die Spezialwaffe des Anziehenden wirkungslos verpuffte, auch wenn dieser seine schachliche Überlegenheit später noch ausspielte. Viel gelernt hat "Ula" sicher aus der lange sehr umkämpften Auftaktpartie. Er stand überlegen, ließ gute Gewinnchancen aus und unterschätzte einen schwächenden Königszug, der der gegnerischen Dame doch noch ein entscheidendes Eindringen in die Stellung erlaubte.

Vincent (Foto rechts) startete mit einem Aufsehen erregenden Überraschungssieg. Dann folgten leider drei Niederlagen, die etwas auf das Selbstvertrauen drückten. Nur so ist das Remisgebot gegen eine vermutlich schlagbare Gegnerin zu verstehen, als das Turmendspiel gerade erst interessant wurde. Vielleicht wäre es auch nach längerem Kampf zur Teilung des Punktes gekommen, doch man hätte es wohl versuchen sollen. In der folgenden Runde gab es leider einen kleinen Blackout, als Vincent einer Matt-Illusion nachjagte, statt das völlig sichere Dauerschach zu geben, bei dem der Gegner durchaus noch fehlgreifen konnte. Der schnelle Sieg in der Schlussrunde versöhnte schließlich mit dem gesamten Turnierverlauf und brachte das DWZ-Ziel unter Dach und Fach.


Bericht und Fotos: Thomas Binder