Bild Jugend-Sommer-Open 2019

Hatten wir die Open-Turniere der letzten Jahre in eindrucksvoller Weise beherrscht, beginnt mit dem heutigen Turnier wohl eine neue Ära. Die Siegergeneration ist alters- und leistungsmäßig der Open-Szene entwachsen und bewährt sich nun in noch anspruchsvolleren Turnieren. Jüngere Spieler nehmen Anlauf, die Tradition fortzusetzen. Der Anfang ist gemacht und hat einige erfreuliche Ergebnisse gebracht. Allerdings mussten wir auch erkennen, woran es noch mangelt und woran wir nun weiter arbeiten werden.

Das Fehlen unserer Sieger-Generation drückte auch ein wenig auf das Gesamtniveau. Es war kein Spieler zu sehen, dessen Leistung nachhaltig Eindruck gemacht hätte. Leider waren in diesem Feld dann auch unsere Vertreter zu instabil, als dass sie am Ende hätten ganz vorn stehen können. Dennoch freuen wir uns über zwei Pokale: Mikhail und Marc holen Silber und Bronze in der U14-Wertung, kommen in der Gesamttabelle in die Top-10.

Heute unser Bester: Mikhail

Bild Unser bestes Ergebnis geht diesmal auf das Konto von Mikhail (Foto rechts). An beiden Tagen gab es je zwei Siege und eine Niederlage. Mikhail war immer dann stark, wenn er angreifen und kombinieren konnte. Kommt der Gegner hingegen zuerst zum Zuge, fehlt noch die gleiche Konsequenz im Verteidigungsspiel. Zur letzten Runde saß er an Brett 1 und hatte es in der Hand, aus eigener Kraft noch den Spitzenreiter zu stoppen. Schade – hier fand er nicht zu seiner Normalform, haderte eher mit dieser Ansetzung, statt die Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Der Silberplatz in seiner Altersklasse ist dennoch mehr als nur Trost für den verpassten Turniersieg und belohnt ein insgesamt gutes Turnier.

Die Zwillinge ganz eng beieinander

Marc und Luca erzählten mir, dass sie bei Wettbewerben jeder Art immer ganz dicht beieinander einkommen. Höhepunkt war wohl ein Ski-Rennen mit 30,50 gegen 30,51 Sekunden – wobei beide behaupteten, die schnellere Zeit gehabt zu haben…
So eng war es auch heute: Benachbarte Plätze in der Tabelle, nur um wenige Buchholz-Punkte getrennt, mit dem kleinen Unterschied, dass es für Marc zum U14-Bronze-Pokal reichte. Um das Zwillingsglück perfekt zu machen, spielten beide übrigens auch in den Rundenergebnissen absolut synchron: 1 – 0 – 1 – ½ – 0 – 1. Nein – das Remis war nicht gegeneinander, und vor allem Lucas Gewinnpartie der letzten Runde gehörte aus unserer Sicht zu den Lichtblicken des Wochenendes.

Maxim und Jakob geht zum Ende die Luft aus

Mit je drei Punkten landen Maxim und Jakob in der oberen Tabellenhälfte. Schade – nach einem Start mit "3 aus 4" waren die Hoffnungen natürlich größer. Doch in den beiden letzten Runden gelang nicht mehr viel, so dass der Tabellenstand die streckenweise gezeigte Leistung nicht ganz belegt. Das schachliche Können, in der Spitzengruppe mitzuspielen, ist sicher da, aber es fehlte noch an Konstanz und Kondition. Bestes – oder eben nicht so tolles – Beispiel ist Jakobs Partie in Runde 3 gegen den späteren Turniersieger! Jakob hatte den Gegner klar überspielt, besaß die Dame gegen einen Läufer ohne jede Kompensation. Dann brachte er zum Ende eines anstrengenden Schachtages nicht mehr die Konzentration auf, die verdienten Früchte zu ernten. Nach und nach wurden die Vorteile verspielt, und am Ende stand eine schmerzliche Niederlage.

Bild Bild Wenn die Gegnerin dem Trainer den Kommentar abnimmt…

Peter (Foto links) zeigte bei seinem zweiten Open einen guten Schritt nach vorn. Die gespielten Partien hätten mit wachsender Routine deutlich mehr als zwei Punkte hergeben sollen. Ich kann es nicht besser beschreiben als Peters junge Gegnerin in der vorletzten Partie: "Du hast eine ganz starke Angriffspartie gespielt. Aber du hast nur deinen Angriff gesehen und nicht meine Mattdrohung."
Platon aus unserer Einsteigergruppe war auf Einladung seines Schachvereins dabei. Ein Freilos und ein erspielter Sieg stehen am Ende des Turniers zu Buche. Die Niederlagen fielen noch etwas schnell und heftig aus. Die ansteckende Schachbegeisterung blieb aber ungetrübt. Gleiches gilt für Franz. Er musste an diesem Wochenende viele Niederlagen einstecken, spielte aber ansehnliche Partien, die oft recht lange dauerten und (zu) viel Kraft kosteten.

Und noch ein tolles Ergebnis…

Da die älteren Brüder aus der Schachfamilie Khutko im Open bzw. in der U14-Vorrunde beschäftigt waren, hatte jemand aus dem Herderschach-Trainerstab die verwegene Idee, auch den nächstjüngeren Bruder in seine Open-Feuertaufe zu schicken, auch wenn er noch gar nicht im Hause Herderschach angekommen ist. Für Peter (Foto rechts bei der Siegerehrung) war das "Kleine Sommer-Open" genau die richtige Wahl im richtigen Moment. Er spielte auf Anhieb in der Spitzengruppe mit, unterlag nur dem Turniersieger und kommt mit vier Siegen aus (nur) fünf Runden in einem Riesenfeld auf Platz 6. Peter – du darfst wiederkommen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder