Berliner Meisterschaft 2020 – (2.) Vorrunde

Bild Gleich 15 Vertreter des Hauses Herderschach gingen in der (2.) Vorrunde der Berliner Meisterschaft an den Start. Die Einklammerung der laufenden Nummer erfolgt, weil es nur bis zur u14 zwei Qualifikationsturniere gibt. Für die beiden oberen Altersklassen war es die einzige Vorrunde. Diese wurde erstmals terminlich und organisatorisch in die bestehenden Strukturen integriert. Zumindest in der u16 (30 Teilnehmer) hat sich diese Änderung bewährt.

U18 – klein und fein und ein Déjà-vu

Zehn Spieler stritten in der höchsten Altersklasse um sechs Finalplätze. Die beiden Vorqualifizierten sind so deutlich überlegen, dass selbst ein Elo-2000er in die Mühle der Qualifikation musste. Für Aram und Alec war also ein hartes Ringen um den Einzug ins Finale absehbar.
Alec (Foto links) kam dann auch recht schwer ins Turnier. Erst am zweiten Wochenende gelang der erste Sieg. Bei Aram lief es zunächst planmäßig, auch wenn er mindestens eine Partie unnötig abgab. Nach dem Remis in Runde 4 gegen Benjamin Rouditser (DWZ 1865) schien die Tür zum Finale offen, bescherte doch die programmierte Losfee mit Alec die vermeintlich leichteste der noch möglichen Aufgaben.
Doch auch nach 16 Jahren Herderschach – äh, so alt ist Aram gerade – bleibt es bei der alten Weisheit: "Interne Duelle haben ihre eigenen Gesetze." Dieses Gesetz machte sich heute Alec zunutze. Nach einer Unachtsamkeit eroberte er früh die Dame für zwei Figuren, wenig später noch eine Qualität und schließlich den ganzen Punkt.

U16 – Riesenfeld am Start, Minh und Hakob am Ziel

Bild Hier bewarben sich 30 Spieler um sechs Endrundenplätze. Das Format ist in dieser Form mehr oder weniger neu. Es führt dazu, dass die stärksten und routiniertesten Spieler relativ sicher ins Ziel manövrieren können, ohne sich allzu sehr weh zu tun. Das richtige "Hauen und Stechen" hebt man sich für die Endrunde in den Winterferien auf. Keiner der Qualifikanten machte es unter zwei Remispartien, und selbst vier (meist kurze) Friedensschlüsse genügten, wenn man eben keine Partie verlor.
Angesichts ihrer Spielstärke und Routine gehören Hakob und Minh zu den Spielern, die ohne große Anstrengung ins Finale einziehen.

Zu den Spielern, die in dieser Spitzengruppe wesentlich mehr Energie in jede einzelne Partie investierten (investieren mussten), gehört Lior (Bild rechts). Wer ihn kennt, wird darüber nicht weiter erstaunt sein. Anders als mit vollem Einsatz kann man sich Lior gar nicht vorstellen. An diesen beiden Wochenenden belohnte er sich mit seinem bislang besten Turnierergebnis überhaupt. Vier Gewinnpartien (und natürlich ganz ohne Remis) sind noch nicht soooo spektakulär. Doch alle Siege wurden gegen DWZ-stärkere Konkurrenz errungen, in drei Fällen sogar mit einem Abstand von 250 bis 350 Punkten. Das bringt einen in diesem Alter sensationellen dreistelligen DWZ-Zuwachs und einen Riesenschub für Selbstvertrauen und Spielfreude. Vor der letzten Runde war sogar ein Finalplatz möglich. Lior hatte das "Pech", auf den ebenso engagiert auftretenden Hai-Dang Ho zu treffen. Beide lieferten sich einen offenen Kampf. Lior spielte offensiv, Hai-Dang verteidigte aufmerksam und bereitete einen Konter vor, als Lior mit einem recht unglücklichen Zug das Verfahren abkürzte…

Bild Ebenfalls vier Punkte weist die Abschlusstabelle für Thore aus. Vieles aus dem vorigen Absatz könnte man hier wiederholen. Wenn man Thores Auftreten und seine Spielstärke sieht, vergisst man fast, dass dies ja seine erste BJEM-Vorrunde überhaupt war. Er hat sich schon jetzt unter den gestandenen Turnierspielern seiner Altersklasse etabliert. Erst jenseits von DWZ 1600 waren die Aufgaben noch zu schwer. Schachliches Highlight war für Thore die abgebildete Schlussstellung gegen einen um 160 DWZ-Punkte "stärkeren" Gegner.

Sophie wird mit ihren 2½ Punkten nicht restlos zufrieden sein. Nach gutem Start gelang aus den letzten vier Runden nur noch ein halber Punkt – sicher auch, weil die Trauben im vorderen Mittelfeld schon recht hoch hingen.

Apropos hoch hängende Trauben: Wieder einmal zeigte sich, dass der Sprung von der Open-Szene in die Berliner Meisterschaften eben doch ein recht gewaltiger Schritt ist. Diese Erfahrung machte Fabian in seiner ersten BJEM-Vorrunde. Die meisten Gegner waren ihm an schachlichem Können und Erfahrung noch zu deutlich überlegen. Ein erspielter Sieg steht zu Buche, und eine Partie wurde kampflos gewonnen. Letztere wohl auch, weil der zugeloste Gegner gerade den gleichen Schritt getan und die gleiche ernüchternde Erfahrung gemacht hatte. Aber Aufstecken ist Fabians Sache nicht. Er kämpfte sich durch und wird beim nächsten Mal weiter vorn dabei sein. Das Vorbild könnte sich im eigenen Verein ergeben – siehe nächster Absatz.

Bild Ein schöner Aufschwung und seine Gründe

Wir haben noch einen Spieler, der sich nach dieser Vorrunde zu den Siegern zählen darf. Maris (Foto rechts) tat sich nach erfolgversprechenden Ansätzen in ganz jungen Jahren zuletzt immer etwas schwer, wirklich voran zu kommen. Die diesjährige u16-Vorrunde war für ihn ein schöner Schritt nach vorn. Dass es dabei auch (endlich) eine DWZ zu verdienen gab, ist nebensächlich – sie wird noch ein wenig unter den angesammelten Partien früherer Turniere leiden.
Mit drei Siegen steht Maris im Mittelfeld dieser Meisterschaft. Ja – es gab unter den 30 Teilnehmern ein gewisses Leistungsgefälle, aber dabei saß Maris eben diesmal auf der richtigen Seite! Seine Siege waren jeweils mit locker vorgetragener Spielfreude herausgespielt. Die Niederlagen kamen nach achtbarem Widerstand zustande.

Worin ist dieser deutliche Fortschritt begründet? Nun, Maris widmet sich seit mehr als einem Jahr mit schöner Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit den jüngsten Mitgliedern unserer AG. Woche für Woche dafür ein kleines Trainingsthema vorzubereiten und zu präsentieren, kostet Zeit und Kraft. Diese sind aber gut investiert, wenn dabei auch für den jungen Trainer selbst ein Lerneffekt anfällt. Das hat offenbar gut funktioniert – weiter so, damit auch die jüngsten Herderschach-Zwerge respektvoll zu ihrem Trainer aufblicken können.

U14 – Trotz guter Ergebnisse (noch) kein Finalplatz

Bild Bild Da es hier nur drei Finalplätze zu verdienen gab, musste in dem stark besetzten Feld schon in beiden Vorrunden hart gekämpft werden. Dabei hatten die Herderschach-Vertreter diesmal noch das Nachsehen. Ob sich eine Chance auf Nachrückerplätze ergibt, wird man sehen.

Erster Kandidat wäre dann natürlich Nam (Foto rechts außen) . Als Elo- und DWZ-Favorit gestartet, blieb er ungeschlagen, aber vier Remis waren dann wohl doch eines zu viel.
Mit ungleich größerem Energieaufwand kommt auch Joachim (Foto rechts) auf fünf Punkte. Der Blackout eines Turmeinstellers schon in Runde 2 gegen "Dascha" – wir erinnern uns: Herderschach-interne Duelle… – brachte ihn unerwartet in die Verfolgerrolle. Früher hätte ihn eine solche Erfahrung vielleicht völlig aus der Turnierspur geworfen. Inzwischen kann "Jogi" damit umgehen und arbeitete sich mit drei Siegen in Folge wieder heran. In Runde 5 gab es dann nach (zu Recht) abgelehntem Remis leider wieder eine ärgerliche Niederlage. Turm und drei verbundene Freibauern hätten gegen die Dame des Gegners eigentlich sogar gewinnen sollen. Aber wenn man nicht aufpasst, setzen eben Dame und König gemeinsam matt… Mit dem eindrucksvoll erspielten Sieg in der Schlussrunde fand Joachim wieder Anschluss an die Spitzengruppe.

Bild Dass Christ das kleine Schachwunder von der ersten Vorrunde nicht wiederholen konnte, ist kein Problem. Mit 50% erspielte er sich ein standesgemäßes Ergebnis und etablierte sich unter Berlins besseren Spielern in dieser besonders stark besetzten Altersklasse.
Der Mega-Start (vor allem mit dem Sieg gegen Joachim) brachte Daria in ungewohnte Tabellengefilde. Leider folgten dann gegen meist klar überlegene Gegner vier Niederlagen und zum Schluss ein Remis, als vielleicht die Angst vor einer weiteren Schlappe den Siegeswillen noch dominierte. Es bleibt dabei: "Dascha" ist in den letzten Monaten enorm voran gekommen. Schön, dass sie jetzt auch zur Herderschach-Gemeinschaft gehört.

Uladzimir (Foto links) wiederholte mit drei Punkten das Ergebnis der ersten Vorrunde. Dabei spielte er das übliche "Schweizer-System-Zickzack" – leider von der falschen Seite aus. Die Folge von Siegen und Niederlagen verdeutlicht, dass auch in diesem Turnier das Leistungsgefälle recht groß war. Wenn dann am Ende beider Vorrunden je drei Punkte stehen, kann man den Sprung von der Open-Szene in die Meisterschaften als geglückt betrachten.
Ohne ausführliche Bewertung muss diesmal Fedir bleiben. Am ersten Wochenende gelang ihm nicht viel (ein Punkt aus vier Partien). Die Aufholjagd am zweiten Wochenende musste wegen Krankheit leider ausfallen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder