Herderschach-Weihnachtsturnier 2019

Da war er wieder – der seit langem voller Vorfreude herbeigesehnte Tag unseres Turniers in der Vorweihnachtszeit. Seit nunmehr 16 Jahren hat es sich zum internen Höhepunkt im Herderschach-Jahreslauf entwickelt. Aber auch bei der 17. Austragung gab es wieder ein paar Premieren.

Bild Erstmals ein Mädchen ganz vorn

Dass zu den Top-Spielern unserer AG immer auch die Vertreterinnen des "schwachen Geschlechts" gehören, ist kein Geheimnis. Um keinen Namen zu vergessen, verzichte ich auf eine Aufzählung, verweise nur als Beispiel auf unsere Aufstellungen bei Deutschen Meisterschaften seit 2006…
Das Weihnachtsturnier war bisher immer fest in der Hand der "Weihnachtsmänner". Jetzt aber ist der Bann gebrochen. Coco (Bild links) krönt ihr unglaublich erfolgreiches Jahr 2019 nach dem Gewinn der Deutschen Schulschach-Meisterschaft mit dem Herder-Team, der Deutschen Einzelmeisterschaft u12w und der Deutschen Ländermeisterschaft mit der Berliner Auswahl nun mit dem vierten Turniersieg: Platz 1 im Weihnachtsturnier ihrer Schach-AG.
Dass diesmal einige Top-Spieler durch Abwesenheit glänzten (oder eben gerade nicht glänzten), schmälert den Sieg nicht. Coco hinterließ nie den Eindruck, dass ihr heute jemand die Butter hätte vom Brot nehmen können. Sie blieb als einzige Teilnehmerin ungeschlagen und bezwang in den Runden 6 und 7 die Turniersieger von 2016 und 2017 eindrucksvoll.

Bild Bild Hinter der Siegerin blieb dem DWZ-Favoriten (2135) Daniel nur der Ehrenplatz als "bester Junge". Ein früher Damenverlust schon in Runde 2 gegen einen der Senkrechtstarter des Jahres brachte ihn in die ungewohnte Verfolgerrolle. Diese Aufgabe erfüllte Daniel dann zwar ohne Fehl und Tadel, doch für den Sprung an die Spitze war das Turnier eine Runde zu kurz.

Bronze geht im Abiturjahr an Herderschach-Legende Aram. Für eine komplette Würdigung werden wir wohl zu gegebener Zeit die Hall of Fame bemühen. An dieser Stelle soll nur der Glückwunsch zum besten Abschneiden bei der 8. Teilnahme am Weihnachtsturnier stehen. Er schiebt sich damit natürlich auch in die Top-Ten der ewigen Bestenliste (siehe Linkkasten oben), knapp hinter Alec. Auch Alec schließt mit der achten Teilnahme eine legendäre Schulschach-Karriere mit einem guten Ergebnis ab. Das direkte Duell gegen Aram hat er zuletzt (BJEM-Vorrunde und eben heute) zweimal für sich entschieden.

Nächste Premiere: Erstmals seit 2015 kommt keiner der Tham-Brüder aufs Siegerpodest. Dafür gehörte das direkte Duell schachlich zu den Leckerbissen des Tages (siehe Fotos) und die Ränge 4 und 5 sind natürlich aller Ehren wert.

Starke Spitzengruppe und viele Leistungssprünge

Der Blick auf die nächsten Tabellenplätze bestätigt einmal mehr, dass man Schachspielen am besten durch Schachspielen lernt. Nicht zufällig sind diejenigen Spieler vorn dabei, die sich im ablaufenden Jahr immer wieder zum Wettkampf gestellt haben. Mit Kai und Uladzimir folgen zwei Stammspieler der zweiten Siemensstädter BMM-Mannschaft ganz weit vorn. Danach platziert sich Grigorii aus unserem erfolgreichen DSSM-Team vor Christ. Letzterer brachte in der zweiten Runde das Kunststück des Sieges gegen den Setzlisten-Ersten fertig und nahm auch Aram einen halben Punkt ab. Die höchste Buchholz-Zahl aller Teilnehmer belegt, dass er immer in der Spitzengruppe spielte. 2019 war für Christ das bislang erfolgreichste Schachjahr, aber man hat das sichere Gefühl, dass 2020 noch aufregender werden kann.

Auffällige Sprünge in der Tabelle machten gegenüber dem Vorjahr neben Kai (+13) und Christ (+18) noch Vincent (+12), Maxim (+17) und Taha (+12).

Bild Starkes Debüt hier und dort

Noch weiter ist von Herderschachs "Frauen-Power" zu berichten. Nicht überraschend erweist sich Daria als bester Turnierneuling. Sie hat in den letzten Monaten eine starke schachliche Entwicklung genommen und wird beim Schnellschach-Turnier zu den Stützen unseres Mädchen-Teams gehören. Platz 12 und vier Punkte sind in unserem Turnier eine beachtliche Leistung.
Bild Schließlich erreichen drei junge Spieler bei ihrem ersten Herderschach-Weihnachtsturnier schöne 50%-Ergebnisse. Auf einen der drei kommen wir später noch zu sprechen. Hier sollen Zhenja und Eleonora hervorgehoben werden. Zhenja (Foto links) bestätigte die guten Eindrücke aus dem Training und von seinem ersten Turnierstart beim Kinder-Herbstopen. Ein Remis gegen Fedir, ein Sieg gegen den Meister der Klassenstufe 6 – das sind tolle Ergebnisse. Allein, dass er in Runde 3 gegen Top-Favorit Daniel ans Brett durfte (und zuvor schon gegen Nam), könnte in ein paar Jahren einen enormen Erinnerungswert haben.
Eleonora schließlich komplettierte den famosen Eindruck unserer Mädchen-Garde. Mit einem starken Endspurt überholte sie sogar noch den großen Bruder, der das aber angesichts eigener Erfolge in den letzten Wochen sicher verschmerzen wird. Auf diesem Foto sitzt man jedenfalls friedlich nebeneinander.

The same procedure… – oder doch nicht? – – Unsere Klassensieger

Die Klassenwertungen könnte man heute mit einem Satz abtun, wäre da nicht die nächste Premiere zu vermelden. Der eine Satz geht ganz schnell: Nam, Coco und Maxim setzen ihre Siegesserie fort. Seit Klasse 5 sind sie in ihrer jeweiligen Stufe unbezwungen. Heute gewannen sie also zum vierten, dritten bzw. zweiten Mal in Serie diesen Titel. Dass Coco bei der Siegerehrung vom Zweitplatzierten Christ vertreten wurde, ist nur unserer Tradition geschuldet, keine Doppelpreise zu vergeben.

Mit Spannung schauen wir immer auf die Klassenwertung der Jüngsten. Welcher Fünftklässler schiebt sich am weitesten nach vorne? OK – mit Zhenja haben wir da schon mal einen starken Kandidaten gesehen. Auch Viktor (Siege gegen zwei deutlich ältere Spieler, darunter ein Vereinsspieler) hinterließ gute Eindrücke. Aber da war ja noch ein – ja, wirklich – Viertklässler. Nein – wir haben am Herder-Gymnasium keine 4. Klasse, aber Peter hat im Gefolge seiner älteren Brüder die AG-Leitung bei einigen Turnierstarts (Sommer- und Herbstopen) so sehr überzeugt, dass er ausnahmsweise schon im "nullten" Herder-Jahr bei unserem Weihnachtsturnier mitmachen durfte. Dabei erreichte er gleich sagenhafte 50% mit guter Buchholz-Wertung, landet in der oberen Tabellenhälfte und lässt alle Fünftklässler hinter sich. So war es nur gerecht, dass wir die Klassenwertung kurzerhand zur "4/5" umstuften und ihn gleich mit aufs Siegerfoto nahmen. Und wenn er dem Vorbild der anderen Sieger folgt, sind die nächsten vier Jahre schon gebucht.

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Sie wollen wissen, wer die Zusatzspiele gewonnen hat? Lesen Sie weiter im 2. Teil