Kinder-Winter-Open 2020

Die aktuelle Herderschach-Generation der jüngeren Altersklassen knüpft einmal mehr an die Erfolgsgeschichte ihrer (zum Teil recht namhaften) Vorgänger an. Mit sechs Pokalen und einem Gesamtsieg kehren wir aus dem Andreas-Gymnasium zurück.

Für Jan erfüllt sich ein Traum

Bild Seit anderthalb Jahren in unserer AG dabei, hat Jan (Foto links) die wohldosierten Turnierempfehlungen der AG-Leiter immer mit Begeisterung angenommen. Bislang wechselten sehr gute mit weniger erfolgreichen Turnieren, doch waren alle diese Erfahrungen eine wertvolle Schule in Sachen Routine und Turnierhärte.
Der Start ins diesjährige Winter-Open verlief eher holprig. Jan verlor die Auftaktpartie, spielte dann gegen seinen Klassenkameraden Maxim sehr glücklich remis. An dieser Stelle noch vom Turniersieg zu träumen, da brauchte es schon Jans unerschütterlichen Optimismus und seine riesige Schachbegeisterung. Mit zwei Siegen am Nachmittag des ersten Turniertages arbeitete sich unser Spieler an die erweiterte Spitzengruppe heran, doch noch lagen 1½ Punkte zwischen ihm und dem Platz an der Sonne.

Der Sonntag brachte uns dann einen spannenden Spitzenkampf, in dem offenbar jeder jeden schlagen konnte und wobei am Ende 5½ Punkte aus 7 Runden zum alleinigen Turniersieg reichen würden.
Jan pirschte sich mit zwei Erfolgen weiter heran. Zunächst gewann er das interne Duell gegen Selina, dann bezwang er den zum Favoritenkreis gehörenden Valerii, jüngerer Bruder eines Herderschach-Cracks. Nach sechs Runden war Jan schon alleiniger Zweiter hinter Lars Lau vom SV Empor Berlin. Lars hatte bislang sehr überzeugend gespielt – nur Eleonora hatte seine Siegesserie in Runde 3 unterbrochen.

Jan freute sich riesig, dass er nun doch noch die Chance bekommen sollte, aus eigener Kraft in einem echten Finale das Turnier zu gewinnen. Zusätzliche Motivation war die Ansage des Trainers, dass der Weg nach einem Open-Sieg unweigerlich zum Vereinsschach und zu den BJEM-Vorrunden des nächsten Jahres führen wird.
Warum Jan dann ausgerechnet in dieser wichtigen Partie eine Eröffnung (Russisch) ausprobierte, die er noch nie gespielt hatte, wird sein Geheimnis bleiben. Für die Nerven des Zuschauers war das jedenfalls keine Entspannung. Dieser etwas kritische Moment wurde aber problemlos überstanden, und sehr bald zeigte sich, dass Jan hier der bessere Spieler sein sollte. Er ist eben jetzt schon so weit, dass er einen erarbeiteten Vorteil sicher zum vollen Punkt verwertet.
Der Rest war Jubel und Vorfreude auf die Aufgaben der nächsten Saison.

Bild Traumergebnis auch für Zhenja

Springen wir vom Großen zum Kleinen Kinderopen. Die Abstufung bezieht sich auf die Altersklassen. Eigentlich war das "kleine" Open viel größer, mit ca. der dreifachen Teilnehmerzahl. Auch hier wurde an den vorderen Brettern schon beachtliches Schach geboten – und ein Herderschach-Zwerg mischte dabei großartig mit.
Zhenja (Foto rechts) darf sich schon als Fünftklässler in den offenen Turnieren ausprobieren und stand auch schon in unserem Schnellschach-Team. Selten hat ein Spieler der Einsteigergruppe so schnell und so selbstbewusst in unserer Turnierauswahl Fuß gefasst. Gegenüber dem Herbstopen ging es heute gleich wieder ein Stück voran.
Den ersten Tag überstand Zhenja mit weißer Weste. Allerdings gab es auch nach vier Siegen noch mahnende Worte der AG-Leiter, hin und wieder doch etwas Zeit ins Nachdenken zu investieren. Leider brauchte es dann eben die Erfahrung einer (sehr) schnell verlorenen Partie am Sonntagmorgen, ehe diese Ratschläge Beachtung fanden. In Runde 6 und 7 war Zhenja wieder in Bestform und – oh Wunder – spielte zumindest ansatzweise etwas langsamer. Welche Ergebnisse bei gründlicherem Nachdenken und mit wachsender Erfahrung möglich sein werden, dieser Gedanke lässt auf allen Seiten nur Vorfreude aufkommen!
Heute genügten sechs Punkte aus sieben Runden unter drei punktgleichen Siegern schließlich zu einem tollen dritten Platz bzw. zu Platz 2 in der U10-Wertung.

Ganz stark: Maxim und die Herderschach-Girls

Bild Maxim (Foto links) darf mit fünf Punkten und nur einer Niederlage stolz auf sein bislang stärkstes Einzelturnier blicken. Dass er rein schachlich eine Menge kann, wissen wir schon länger. Er muss noch ruhiger werden, wenn ein unerwarteter gegnerischer Zug scheinbar seine Pläne durchkreuzt. Auch an der nüchternen Stellungseinschätzung arbeiten wir noch. Symptomatisch für die Reserven auf diesem Gebiet war das Ende der fünften Partie. Mit König und Springer gegen König und Bauer lehnte Maxim das gegnerische Remisgebot ab, obwohl kurzes Nachdenken ergeben hätte, dass man diese Partie ja gar nicht mehr gewinnen kann. Dann ließ er die Chance aus, den Springer gegen den Bauern zu opfern, und es kam, wie es kommen musste: Der Bauer lief zur Grundreihe und wurde in eine Dame umgewandelt. Jetzt kämpfte Maxim also eigentlich für eine verlorene Sache, stellte dem Gegner aber immerhin so viele Probleme, dass dieser schließlich noch eine Springergabel erlaubte. Diesen halben Punkt konnte man mit wesentlich weniger Aufregung holen… Wenn wir in den nächsten Monaten an solchen Dingen arbeiten, ist ein weiterer Leistungssprung vorgezeichnet.
Heute hatte Maxim ein wenig Pech mit den Wertungssystemen. Fünf Punkte, Platz 4 in der Gesamtwertung – ein Riesenergebnis also. Doch die zahlreich vergebenen Pokale für Altersklassen- und Geschlechterwertungen gingen irgendwie an ihm vorbei.

Bild Unser Aufschwung in Sachen Mädchenschach geht weiter. OK – dass Selina und Eleonora hier die Mädchenwertung dominieren würden, war bei einem Blick auf die Startliste irgendwie zu erahnen. Mit je vier Punkten auf Plätzen in der Spitzengruppe haben beide aber großartig überzeugt. Von Selina kennen wir diese Qualität bei den offenen Jahreszeitenturnieren ja schon seit einigen Jahren. Heute krönte sie ihre Bilanz damit, dass sie nicht nur den Mädchenpokal eroberte, sondern auch gleich die gesamte U14-Wertung für sich entschied.
Eleonora hat mit ihrem Start im Schnellschach-Team und diesem starken Winter-Open sofort ihren Stammplatz in Herderschachs Turnier-Delegation gesichert. Unter den insgesamt guten Partien ist der Sieg in Runde 3 hervorzuheben, mit dem sie auch Jans Weg zum Gesamtsieg ebnete.

Bild Um im Bild zu bleiben: Nicht alle Träume ließen sich an diesen beiden Tagen erfüllen. Jakob erlebte einmal mehr die Höhen und Tiefen des Turnieralltags, diesmal leider mit einem kleinen Übergewicht der Tiefen. Immerhin darf er den Pokal für Platz 3 in der U14-Wertung entgegennehmen. Dass viel mehr möglich ist, wenn er einmal über alle Runden sein Potential ausschöpft, wissen wohl im Moment die Trainer besser als er selbst.
Peter Kh. konnte das Tempo der älteren Brüder und seines Weggefährten Zhenja im Kleinen Kinder-Open vor allem am zweiten Tag diesmal nicht ganz mithalten. Wenn alles klappt, wird er im nächsten Jahr zum "richtigen" Herderschach-Spieler und geht dann mit einem wertvollen Erfahrungsvorsprung an den Start.
Peter Sch. (Foto links) hatte seinen Mitspielern zumindest in Sachen Zeiteinteilung einiges voraus. Die Ergebnisse waren diesmal noch nicht so gut wie zuletzt im Schnellschach-Team. Doch er spielte in fast jeder Runde die längste Partie, unterlag mehrfach erst in der Zeitnotphase.


Bericht und Fotos: Thomas Binder