Berliner Meisterschaft 2021 – 1. Vorrunde

Bild Bild Bild Nach mehr als einem halben Jahr Corona-Pause durften unsere jungen Schachspieler wieder ans Brett. Diese erfreuliche Tatsache überstrahlt alle Bedenken und steht ausnahmsweise auch vor den rein sportlichen Ergebnissen. Die lästige Pflicht, selbst während der Wettkampfausübung eine Schutzmaske zu tragen, wurde von den Schülern klaglos hingenommen, und so erlebten wir am Andreas-Gymnasium "fast" eine normale BJEM-Vorrunde. Der Betreuer hat lange mit sich gerungen, Fotos von gesichtsverhüllten Schachtalenten zu zeigen, doch als Dokumentation einer hoffentlich bald überwundenen schlimmen Zeit können sie noch einmal wertvoll werden. Das Wortspiel "Hinter jeder Maske steckt ein kluger Kopf" bietet sich zwar an, verliert aber angesichts unserer Ergebnisse doch ein wenig an Glanz.

Das Haus Herderschach war mit insgesamt 17 Spielern und Spielerinnen aus 5 Vereinen vertreten, von denen zwei leider nach vier Runden krankheitsbedingt aussteigen mussten. In diesem Bericht stehen die Vertreter unseres Partnervereins aus Siemensstadt im Mittelpunkt. Der Blick soll aber zunächst über den Spandauer Tellerrand hinaus gehen.

Herausragend agierten Jakob und Coco. Beide blieben ungeschlagen (5½ aus 7 bzw. 3½ aus 5). Jakob schaffte damit den Sprung ins U14-Finale. Für Coco (Foto rechts) ging es in der U18 um Turnierpraxis gegen starke Gegner, denn ihr eigentliches Arbeitsgebiet liegt zwei Altersklassen tiefer.
Ungeschlagen blieb auch Nam, der leider nach dem ersten Wochenende aussteigen musste.

Auf positive Punktbilanzen blicken noch Lior (Foto links) (4½) sowie die U14-Recken Joachim und Christ (je 4 Punkte). Grigorii steigerte sich bei seinem U16-Debüt nach einem Durchhänger in den Runden 3 bis 5 noch auf 50%.

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Tonke – Raasch
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Weiß ist am Zug.
Wie kommt Kai zwingend in Vorteil?
Der Zug aus Siemensstadt kam diesmal nicht so richtig ins Rollen. Das erinnerte mehr an die ramponierte Strecke der Siemensbahn als an einen rasanten ICE. Doch so wie die Siemensbahn wieder aufgebaut werden soll, werden auch wir wieder Fahrt aufnehmen.
Beeindruckt war der Trainer jedenfalls davon, dass auch nach bittersten Niederlagen sofort die Vorfreude auf die zweite Vorrunde ausgesprochen wurde.

Unser bestes Ergebnis erreichten Kai (Foto links) und Jonathan mit je 3½ Punkten. Highlight aus unserer Sicht war dabei Kais Sieg gegen den aktuellen U14-Landesmeister des benachbarten Bundeslandes (siehe abgebildete Stellung). Ärgerliche Niederlagen in den beiden folgenden Runden verdarben dann die Chance, ganz vorn mitzumischen. "Johnny" holt bei seiner ersten BJEM-Vorrunde ebenfalls 50%. Ein halber Punkt mehr in der Schlussrunde hätte das Schweizer-System-Zickzack komplettiert und ihn zu den oben genannten Vierpunktern aufrücken lassen.

Bild Nach verkorkstem ersten Wochenende drehte Fabian (Foto rechts) in den letzten Runden kräftig auf, blieb im zweiten Turnierabschnitt ungeschlagen und hat als einziger unserer Spieler ein ordentliches DWZ-Plus zu verzeichnen. Ausgehend von 210 nehmen wir jetzt also die nächste Zweierpotenz in Angriff.

Von Vincent hörte ich nach jeder Verlustpartie den Satz "Das war sooooo unnötig." So stimmig diese Einschätzung ist – ich hörte sie zu oft. Er nahm sich eigentlich immer im rechten Moment viel Bedenkzeit, berechnete komplizierte Varianten und … verrechnete sich dann doch noch. Das brachte leider die gut herausgespielten und vorteilhaften Stellungen immer wieder zum Einsturz.

Uladzimir wurde meist die fehlende Erfahrung im Endspiel zum Verhängnis. In der letzten Runde hatte er dann noch das Pech, auf einen Spieler zu treffen, der nur deshalb auf den "billigen Plätzen" verkehrte, weil er einige Runden ausgelassen hatte. Jan zeigte in vielen Partien gute Ansätze. Doch meist unterlief ihm noch ein Fehler zu viel. Zu Beginn geriet er zweimal in eine Eröffnungsfalle, die schon als "running gag" der Herderschach-Geschichte gilt. Das ging dann am zweiten Wochenende schon viel besser. Die bittere Erfahrung, wie groß der Sprung vom Kinder-Winteropen zur BJEM-Vorrunde doch ist, wirft ihn nicht um.

Schließlich gab es noch eine Herderschach-Premiere: Mit Aram brachten wir in der U18 einen schon-nicht-mehr-Schüler an den Start. Im kleinen, aber starken Feld reichten 1½ Punkte gerade noch zu einem Top-Ten-Platz.


Bericht und Fotos: Thomas Binder