Bild Abrafaxe-Turnier 2024

Alljährlich im Juni organisiert das Team von Borussia Lichtenberg ein unvergessliches Erlebnis für fast 300 schachbegeisterte Kinder aus Berlin und dem weiteren Umland. Auch diesmal klappte es dank durchdachter Organisation und mit einem großen ehrenamtlichen Helferteam wie am berühmten Schnürchen. Selbst der Zeitplan lief nicht aus dem Ruder, obwohl die Herderschach-Teilnehmer für das Ausreizen der Bedenkzeit berühmt sind.
So setzten Olaf Sill, Dr. Martin Schmidt, Andreas Rehfeldt, die zahlreichen Schiedsrichter und die vielen Helfer im Hintergrund wieder Maßstäbe hinsichtlich Organisation und Durchführung eines solch riesigen Kinderschach-Events.

Bild Zur Tradition gehört es natürlich auch, dass das Haus Herderschach stark vertreten ist und dabei ein breites Spektrum seines Leistungsstandes abbildet.
19 Mitglieder unserer AG waren am Start – teils über ihre Vereine gemeldet, teils auf Einladung der AG-Leitung und teils in Eigeninitiative.

Bild Bei diesem großen Feld wird es nicht möglich sein, auf jeden Spieler und jede Spielerin im Detail einzugehen. Deshalb sei vorangestellt, dass alle ihr Bestes gegeben haben und letztlich niemand wirklich enttäuscht die Heimreise antritt. Etwaige Enttäuschung wäre sowieso spätestens bei der Siegerehrung verflogen. Hier erhält traditionell jeder Teilnehmer, der die sieben anstrengenden Runden durchgehalten und sich sportlich fair verhalten hat, eine Tasche mit kleinen Geschenken, so dass man sich auch Wochen später noch gern an diesen Tag erinnert. Vielleicht sogar Monate später – ach, was sag ich? Jahre… Jahre…

Drei Spieler in der Spitzengruppe

Bild Bild Für drei Spieler aus unserem Team gab es sogar noch etwas größere Siegertaschen, weil sie sich in der Top-Ten-Gruppe platzierten.
Das beste Ergebnis verzeichnet dabei Ferris (Bild rechts). Nach längerer Turnierpause zeigte er heute endlich seine ganze Klasse. Die einzige Niederlage ergab sich durch Zeitüberschreitung in Gewinnstellung. Danach folgten nur noch überzeugende Siege und am Ende ein hervorragender vierter Platz. Gegenüber dem Start im WK-IV-Team wirkte Ferris deutlich konzentrierter und konnte somit sein schon beachtliches schachliches Verständnis auch in Punkte umsetzen.

Ähnlich gut lief es in der höheren Altersklasse für Lio (Bild links). Auch er verlor nur eine Partie, unterlag dem Fünftplatzierten. Gegen Spieler im DWZ-Bereich zwischen 1300 und knapp über 1400 stehen zwei Siege und zwei Remis in der Tabelle. Damit war Lio unter den älteren Spielern heute unser primus inter pares. Neben schachlichem Können war wohl auch seine vergleichsweise größere Turniererfahrung und Wettkampfstabilität die Basis dieses Erfolges – und natürlich das Herderschach-DSSM-Shirt.
Den gleichen Platz in der B-Gruppe belegt Oscar mit 4½ Punkten. Es ist immer wieder beeindruckend, wie er sich am Schachbrett konzentrieren kann, was man ihm im Alltag manchmal (noch) nicht so zutraut. Dabei war mindestens eine seiner beiden Niederlagen noch unnötig, als er in hoch überlegener, aber komplizierter Stellung den Faden verlor.

Bild Viele schöne Eindrücke

Vom Auftritt unserer weiteren Spielerinnen und Spieler bleiben vor allem viele schöne Details im Gedächtnis.
Dazu gehört zum Beispiel nebenstehende Stellung, in der Robert mit Schwarz gegen einen DWZ-1500er am Zuge ist. Für den Angriff auf den im Zentrum steckengebliebenen weißen König hat Robert einen Turm geopfert. Nach … Dh4+ – Sf2 Sxf4 war die Partie wegen der vielen schwarzen Drohungen gelaufen.
Bild Robert stand nach diesem Sieg bei vier Punkten aus fünf Runden. Zwei Niederlagen zum Schluss kosteten ca. 20 Plätze, verdarben aber nicht den guten Gesamteindruck.

Mit jeweils vier Punkten in der A-Gruppe liegen auch Dongkeon, Peter, Kirill und Datha (Bild rechts) in der oberen Tabellenhälfte. Dongkeon hinterließ dabei einen sehr guten Eindruck, da war sogar noch mehr möglich. Peter erwischte hingegen keinen so guten Tag, doch er hat dann immer noch die Leistungsbasis, sich mit einem positiven Gesamtergebnis aus dem Sumpf zu ziehen. Datha gewann drei seiner vier Siegpartien gegen Vereinsspieler – ein Fingerzeig für weitergehende Ambitionen?
Vier Punkte gelangen schließlich in der B-Gruppe auch Bhavadeep. Insgesamt schwanken seine Leistungen noch etwas zu sehr, aber gerade in der Verlustpartie gegen die Turniersiegerin zeigte er gute Ansätze.

Bild Dass bei Felix "nur" 3½ Punkte in der Tabelle stehen, nimmt man eher ungläubig zur Kenntnis, war doch sein Turnierauftritt "gefühlt" viel stärker – vor allem bei der Gewinnpartie gegen einen DWZ-1500er.
Mit ebenfalls 3½ Punkten machte uns auch Mariia (Bild links) viel Freude. Bei der DSSM in Bad Homburg war das Zeitnotgespenst noch ihr stärkster Gegner. Heute kam die unverhoffte Bewährungsprobe: In Runde 3 spielte Mariia hoch überlegen, hatte zwei Türme und einen Bauern gegen den blanken König des Gegners. ABER: Es standen nur noch vier Sekunden auf der Uhr! Zum Matt brauchte Mariia sechs Züge (einschließlich einer Bauernumwandlung) – und tatsächlich setzte sie den Gegner matt, als die Uhr noch 0:01 anzeigte.

Bild Eine 50%-Bilanz gab es schließlich auch für Bjarne nach mehr oder weniger Schweizer-System-Zickzack. Seiner gründlichen Denk- und Spielweise kommen längere Bedenkzeiten entgegen, so dass er bei 15 Minuten sein Potential nicht ganz ausreizen kann.

Einige unserer Teilnehmer rangieren in der unteren Tabellenhälfte. OK – auch sie haben ihr Können gezeigt und die persönlichen Ziele weitgehend erreicht. Aus dieser Gruppe möchte ich Elias (Bild rechts) hervorheben. Es war überhaupt erst sein zweites Turnier – und dann gleich die A-Gruppe beim Abragefaxel. Es gibt leichtere Einstiegsszenarien. Elias zeigte sich deutlich verbessert und kann auf die drei Siege gegen Spieler aus anderen renommierten Schachschulen stolz sein. Der Leistungsanstieg war so deutlich sichtbar wie bei kaum einem anderen unserer Teilnehmer.

So resümieren wir wieder einen anstrengenden und aufregenden Tag mit vielen schönen Eindrücken, auch wenn er mit einer Schrecksekunde begonnen hatte, als uns die Berliner S-Bahn beim ersten Zwischenhalt empfahl, auf "alternative Verkehrsmittel" umzusteigen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder