Anand,Viswanathan (2775) – Carlsen,Magnus (2870)
Weltmeisterschaft 2013, 16.11.2013

Anand hat zu Beginn des Endspiels einen Bauern geopfert. Dafür bekam er nun die aktivere Stellung des Turmes auf der 6.Reihe. Dieser kettet den schwarzen König an die Verteidigung seiner Bauern.

44.h5
Mit diesem Zug wird die Bauernphalanx aufgesprengt. Alle Kommentatoren sind sich einig, dass diese Entscheidung des Inders in Ordnung geht.

44…gxh5 45.Td5 Kg6 46.Kg3 Tb6 47.Tc5 f5 48.Kh4
Es hat sich eine Zugzwangstellung ergeben, in der Schwarz einen Bauern verliert.

48…Te6
Natürlich wählt Carlsen eine aktive Fortsetzung.

49.Txb5 Te4+ 50.Kh3 Kg5 51.Tb8 h4 52.Tg8+ Kh5 53.Tf8 Tf4 54.Tc8 Tg4 55.Tf8 Tg3+ 56.Kh2 Kg5 57.Tg8+ Kf4 58.Tc8 Ke3 59.Txc4
Optisch mag man in dieser Stellung sogar an Vorteile für Weiß denken. Er hat verbundene Freibauern am Damenflügel. Objektiv sollte es hier wohl auf ein Remis hinauslaufen. Doch Anand hat möglicherweise nicht ganz erkannt, wie stark der schwarze f-Bauer wird.

59…f4 60.Ta4?
Das wird einhellig als der partieentscheidende Fehler betrachtet. Der Turm leistet hier nichts und so ist es mindestens ein Tempoverlust. [60.b4 h3 61.gxh3 Tg6 62.Tc7 f3 63.Te7+ Kd3 64.b5 f2 65.Tf7 Ke2 66.Te7+ Kf3 67.Tf7+ und Weiß hält relativ problemlos remis. Die Schachgebote aus großer Distanz sind in solchen Stellungen ein bewährtes Mittel, den Bauern aufzuhalten. ]

60…h3!
Hat Anand diesen oder den nächsten starken Zug übersehen?

61.gxh3 Tg6! 62.c4
Das sieht halbherzig aus, aber die Schachidee aus der vorigen Variante trägt bereits nicht mehr. [62.Ta7 f3 63.Te7+ Kf2 64.c4 Tg2+ 65.Kh1 Kg3 66.Tg7+ Kxh3 67.Th7 Kg3 68.Tg7+ Kf2 69.Th7 Kf1 70.Txh6 f2 71.Te6 Tg8 72.Kh2 Th8+ 73.Kg3 Kg1 Standard-Verfahren, die immer zum genauen Studium empfohlen seien.]

62…f3 63.Ta3+ Ke2 64.b4 f2 65.Ta2+ Kf3 66.Ta3+ Kf4 67.Ta8 Tg1
Weiß gab auf. Eine mögliche Fortsetzung wäre

68.Tf8+ Ke3 69.Te8+ Kd2 70.Td8+ Kc3 71.Tf8 f1D 72.Txf1 Txf1 0-1