Bild Protokoll der Jahreshauptversammlung 1954

Verhandlungs-Niederschrift über die Jahresmitgliederversammlung der Schachgruppe im Kulturkreis Siemens am 5. Februar 1954 im Klubhaus Siemens

Bild Der Vorsitzende, Herr Walter Reiher, eröffnet die Versammlung um 20 Uhr und 6 Minuten mit einem Dank an die 44 Erschienenen und insbesondere an den Vertreter des Kulturkreises, Herrn Seidel. Er verliest seinen Bericht über das Vereins- und Kalenderjahr 1953, der allgemeine Zustimmung findet.

Herr Lübeck berichtet auch im Namen des anwesenden zweiten Kassenprüfers, Herrn Laatzen, über die stattgefundene Prüfung in zahlenmäßiger und sachlicher Hinsicht. Irgendwelche Beanstandungen hätten sich nicht ergeben; die Kasse sei in Ordnung.

Herr Büsching übernimmt die Leitung der Versammlung mit der Bitte, zu den Berichten Stellung zu nehmen und dem Vorstand gegebenenfalls Entlastung zu erteilen. Das geschieht kurzerhand.

Aus der Versammlung wird vorgeschlagen, den Vorstand, der seine Sache gut gemacht habe, einfach wiederzuwählen. Dazu bemerkt Herr W. Reiher, daß Herr Frische aus triftigen Gründen bitte, von einer Wiederwahl seiner selbst abzusehen. Darauf verlangt die Versammlung daß der Vorstand ohne Herrn Frische sein Amt weiter ausübe. Folgende Herren erklären ihre Bereitschaft, was allgemeinen Applaus auslöst:
Herr W. Reiher....erster Vorsitzender,
Herr Janzen.......stellv. Vorsitzender,
Herr Henke........Kassenführer,
Herr Mohr.........Schriftführer.

Es werden weiter einstimmig gewählt
Herr Schneider..............Turnierleiter,
Herr Schenck................stellv. Turnierleiter,
Herr Janzen, Herr Frische als Delegierte zum Kulturkreis Siemens,
Herr G. Meyer.............als Stellvertreter,
Herr Laatzen, Herr Lübeck als Kassenrevisoren.

Der neue Vorstand besteht also aus den Herren W. Reiher, Janzen, Schneider, Schenck, Henke und Mohr.
Die Tätigkeit eines Schrankwarts übernimmt Mohr freiwillig.

Zum Punkt "Verschiedenes": Es wird erwogen, einen Literaturwart zu ernennen, die Bücher im Geräteschrank aufzubewahren und von hieraus auszuleihen. Die Tätigkeit des Literaturwarts übernimmt Herr Schneider freiwillig. Der Vorstand soll bei der Hausverwaltung auf die Gestellung eines größeren Schrankes hinwirken.

Das Ticketturnier soll bis zum Schluß der Winterspiele weitergeführt und im Sommer u.U. erneut aufgelegt werden. Auf Anfrage berichtet Mohr, daß bisher 233 Tickets zu je 20 Pfg. und 90 Tickets zu 10 Pfg. gelöst worden seien im Gesamtwert von 55,60 DM.

Eine längere Aussprache ergab das Problem, wie man Hängepartien im internen Turnier vermeiden könne. Eine Verlängerung der Spielzeit bis 24 Uhr kommt nicht in Frage, vor 19 Uhr steht kein Raum zur Verfügung. Eine Kürzung der Bedenkzeit findet nicht die Zustimmung der Versammlung. Es bleibt schließlich bei einer Bedenkzeit von zwei Stunden für 40 Züge und bei einer Turnierzeit von 19.15 – 23.15 Uhr.

Die Spielordnung wird in der Weise festgelegt, daß jeder Spieler bei Beendigung seiner Partie die Steine ordnungsmäßig aufzubauen und nicht selbst einzupacken hat. Das Aufräumen besorgt Mohr. Nur auf diese Weise könne Mohr für die Vollständigkeit der Spiele bürgen. Wer gegen diese Bestimmung verstößt, soll eine Buße von 10 Pfg. erlegen.

Bild Die Versammlung erklärt, daß sie mit der Beitragsregelung, wie sie seit 1952 bestehe (üblicher Beitrag 1 DM monatlich, für Osteinwohner 1 Ostmark monatlich, für Schüler und Arbeitslose 50 Pfg. monatlich) immer einverstanden gewesen sei. Es wurde beschlossen, diese Beitragsregelung bis auf weiteres beizubehalten.

Der Vorsitzende berichtet, daß in München eine Siemensschachgruppe errichtet sei, die sich freuen würde, einmal gegen Siemens-Berlin zu kämpfen. Dieser Gedanke findet günstige Aufnahme.

Mohr erklärt, daß er sich weigern müsse, Strafnullen zu verhängen. Nur der Turnierleiter sei nach seiner Meinung berechtigt, solche Entscheidungen zu treffen. Die Versammlung stimmt zu.

Herr Reiher schließt die Versammlung nach einstündiger Dauer um 21 Uhr und 10 Minuten.

Siemensstadt, den 5. Februar 1954 (Mohr) Schriftführer

Unter dem Protokoll-Entwurf findet sich die folgende Notiz.

Lieber Herr Henke!

Bevor ich diesen Bericht an den Kulturkreis sende, muß ich mich vergewissern, ob er in allen Punkten angemessen ist. So ist es mir zweifelhaft, ob man das Ticketturnier erwähnen soll, denn die Beträge sind ja nicht durch Ihre Kasse gegangen!

Auch Herrn Reiher lege ich den Bericht mit gleicher Post vor.

Bitte ändern Sie, wo es Ihnen zweckdienlich erscheint.

Gruß! Mohr

Protokoll eines Spielabends

Abschrift des Protokolls über die Ergebnisse des Spielabends vom 28. Mai 1954

Siegerehrung und Preisverteilung mit nachfolgender 1. Runde des Blitzturniers

Bild Anwesend 43 Personen, darunter der gesamte Vorstand.
Der Vorsitzende begrüßt die Versammlung und gibt bekannt, daß das ehemalige Mitglied, Herr Schwarz, am 25. Mai verstorben ist. Er gedenkt des Verstorbenen in ehrenden Worten. Die Versammlung erhob sich von den Plätzen. Auch des neuen Klubmeisters Mirow gedachte man, der sich seit 26. Mai im Krankenhaus Westend befindet. Herr Reiher verlas die Postkarte von Herrn Mirow.

Es folgten noch Bekanntmachungen bezüglich des Sommerprogramms.
Herr Reiher verlas ein Gedicht von Mohr "Unsere Klubmeister".

Dann folgte die Siegerehrung. Urkunden erhieltem
1. Klasse.....Mirow
2. Klasse.....Dr. Sprengel
3. Klasse.....Dörring

Verteilt wurden
9 Preise (Winterturnier) laut Anlage
6 Preise (Ticketturnier) laut Anlage
3 Preise (BM 53, gestiftet von Mohr) laut Anlage

Sonstiges. Es fehlten Hohenberger, Kubbe, Peterat, Böhm, die vorher eingeladen worden waren.
Die vermißte Uhr ist an Reiher II ausgeliehen.
Reiher II und Körner haben ihren Platz in der BE 54 gehalten.
Mohr übergab an Henke den Überschuß des Ticketturniers 53/54 in Höhe von 35,55 DM.

Alles in allem ein erfolgreicher und erfreulicher Abend.
Nachzutragen ist: Auf Wunsch gab Mohr bekannt, daß im abgelaufenen Ticketturnier 334 Tickets zu 20 Pfennig und 127 Tickets zu 10 Pfennig abgesetzt seien. Dazu bemerkte der Vorsitzende, der Vorstand setze das Einverständnis aller Mitglieder voraus, wenn er Teile des Erlöses in der Kasse behalte, um andere Unternehmungen, z.B. ein Kaffeekränzchen, finanzieren zu können. Es erhob sich keinerlei Widerspruch.

Anmerkung. Das Verzeichnis der Sieger, datiert vom 28. Mai 1954, befindet sich bereits in den Händen des Herrn Vorsitzenden.

Siemensstadt, den 28. Mai 1954
(Mohr)
Schriftführer

Protokoll einer Vorstandssitzung

Verhandlungs-Niederschrift aus der Vorstandssitzung der Schachgruppe im Kulturkreis Siemens vom 8. März 54 im Klubhaus Siemens

Anwesend sind Herr W. Reiher als Vorsitzender, ferner die Herren Janzen, Schneider, Schenck, Henke und Mohr. Der Vorstand ist vollzählig beisammen.
Der Vorsitzende gibt bekannt, daß Mohr schriftlich Fragen angeschnitten habe, die den Gegenstand der heutigen Beratung bilden sollen.1

Punkt 1. Werbung. Vorgeschlagen ist, an allen schwarzen Brettern in den Siemensstädter Werken durch Anschlag Propaganda für die Schachgruppe zu machen. Es werden vorgelegt

  1. "Der Siemensstädter" vom 1.3.54 mit dem Hinweis, daß nur zwei Zeilen monatlich die ganze Werbung der Schachgruppe darstellen.
  2. der Entwurf eines Anschlages für die schwarzen Bretter.

Die Form der bisherigen Bekanntmachung im Siemensstädter wird aus der Versammlung bemängelt. Der Kulturkreis als solcher sollte im Siemensstädter auftreten und unter seiner Firma die notwendigen Bekanntmachungen seiner Gruppen zusammenfassen. Zu dem Anschlag an den schwarzen Brettern, also der reinen Siemenswerbung, werden Zweifel geäußert:

  1. eine Werbung durch Einlage in viele tausend Lohntüten sei vor Jahren so gut wie erfolglos gewesen; die Propaganda an den schwarzen Brettern werde voraussichtlich ebenso nutzlos sein,
  2. Es sei die Frage, ob der Schachgruppe überhaupt daran liegen könne, stärker zu werden,
  3. Eine Werbung zu Beginn des Sommers habe ohnehin wenig Wert.

Demgegenüber betont der Vorsitzende, daß die Firma Siemens am Blühen der einzelnen Zweige des Kulturkreises stark interessiert sei und daß die Propaganda am schwarzen Brett durchaus im Sinne der Firma sei.
Beschlossen: Die Werbung durch Aushang an den schwarzen Brettern wird im Herbst 1954, also etwa August/September, durchgeführt. Die ganze Aktion wird in die Hände von Herrn Janzen gelegt.

Punkt 2. Die neue Gruppeneinteilung. In eingehender Unterhaltung setzt sich der Gedanke durch, daß es zwecklos sei, in jahrelanger Hin- und Herversetzung langsam eine Lösung des Problems anzustreben, daß es vielmehr besser sei, die Neuordnung mit einem Schlage durchzuführen. Es soll zum Gesetz erhoben werden, daß die Spielergruppen für interne Turniere zwölf Köpfe und nicht mehr umfassen.
Beschlossen: In Zukunft wird nicht mehr von den Klassen 1,2,3, sondern nur noch von den Gruppen A,B,C gesprochen. Herr Schenck wird einen Entwurf der neuen Gruppeneinteilung am schwarzen Brett bekanntgeben, um den Mitgliedern Gelegenheit zu geben, ihre Wünsche und Beschwerden zu äußern. Nach Anhörung der Mitglieder soll die neue Gruppeneinteilung endgültig festgelegt werden. Allgemein wird betont, daß Einwendungen gegen ein etwaiges Herunterrangieren Einzelner vom sportlichen Standpunkt aus nicht zu verstehen seien. Man rechnet auch kaum mit solchen unangebrachten Einsprüchen.

Punkt 3. Sommerprogramm. Beschlossen:

  1. Drei Blitzturniere, das erste gelegentlich der Siegerehrung etwa im Mai,2 das zweite vor Beginn des internen Winterturniers etwa Ende September, das dritte im Laufe des Winters, etwa im Januar 1955. Die Blitzturniere sollen gruppenweise stattfinden. Die Durchführung übernimmt Herr Schneider.
  2. Eine Simultanvorstellung mit einem auswärtigen Meister. Gedacht ist an Herrn Mroß-Spandau und an eine Vergütung von 10 DM. Herr Schneider will sich mündlich mit Herrn Mroß in Verbindung setzen. Das Simultanspiel soll nach Ablauf des augenblicklichen Winterturniers, also etwa im Mai 1954 steigen.
  3. Ein Fernkampf gegen Siemens-München. Er soll für den Sommer 1954 vereinbart werden. Dabei ist an einen Kampf an vier Brettern und an eine Übermittlung der Züge mittelst(sic!) Fernschreiber gedacht, so daß möglichst an jedem Freitag die neuen Züge vorliegen und beantwortet werden. Die Vereinbarungen mit München und alle Vorbereitungen ruhen in den Händen von Herrn W. Reiher.
  4. Das augenblicklich im Gange befindliche Ticketturnier läuft mit dem jetzigen Winterturnier zusammen ab. Mohr wird die Tickets rechtzeitig aufrufen, über die abgegebenen Tickets Protokoll führen und das Protokoll für Zwecke der Preisverteilung vorlegen. Der Erlös für die Tickets soll geteilt werden. Während der größere Teil der Beschaffung von Preisen für das Ticketturnier selbst dient, soll der kleinere Teil der Kasse zufließen, damit auch Preise für Blitzturniere usw. beschafft werden können.
  5. Ein neues Ticketturnier für 1954/55, das wieder in Händen von Mohr liegen wird. Auf eine Einwendung, man solle die Zahl der Tickets pro Kopf und Spielabend auf zwei beschränken, wurde nicht näher eingegangen, weil es unmöglich ist, die Einhaltung solcher Bestimmungen zu überwachen und zu erzwingen.
  6. Ein Sommerturnier. Preise werden für dieses Sommerturnier nicht ausgesetzt, auch Auf- und Abstieg kommen nicht in Frage. Die Bedenkzeit soll 1½ Stunden für 36 Züge betragen. Teilnahmeberechtigt sollen nur diejenigen Mitglieder sein, die sich ausdrücklich dazu melden. Die Meldungen stellt Mohr gruppenweise in Turniertabellen zusammen.
  7. Eine Siegerehrung mit Damen wird abgelehnt. Dagegen wird ein Kaffeekränzchen für einen Sonntag-Nachmittag im Sommer in Aussicht genommen.

Punkt 4. Die Behandlung der Gäste. Es wird betont, daß es unverzeihlich sei, wenn spielfreie Mitglieder es ablehnen, mit den Gästen zu spielen. Es sei den in ein Spiel vertieften Vorstandsmitgliedern nicht zuzumuten, ihre Partie abzubrechen und sich den Gästen zu widmen. Beschlossen: Den neu aufgenommenen Mitgliedern wird die Mitgliedskarte mit Begrüßungsworten feierlich überreicht, in Abwesenheit des Vorsitzenden gegebenenfalls durch ein anderes Vorstandsmitglied.

Punkt 5. Verschiedenes. Der Einspruch der Hausverwaltung gegen den in der Hauptversammlung verkündeten Spielschluß um 23,15 Uhr ist erledigt, denn der Klub schließt seine Spielabende möglichst pünktlich um 23 Uhr und hat nicht die Absicht, eine Verlängerung der Spielzeit herauszuschlagen.

Der Vorsitzende schließt die Sitzung um 22,50 Uhr. Es herrschte eine Atmosphäre schönsten Einvernehmens.

Siemensstadt, den 8. März 1954
(Mohr)
Schriftführer

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1 Das ausführliche Schreiben Mohrs an Reiher ist im Vereinsarchiv ebenfalls erhalten.
2 siehe dazu vorstehendes Protokoll


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Vereinschronik –– Übersicht zu den Protokollen