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Der dritte Stern kommt
Einigendes Band über Herderschach-Generationen ist das Shirt mit den Sternen für unsere DSSM-Titel. Nur Meisterschafts-Teilnehmer dürfen es überhaupt anziehen.
Jetzt ist der dritte Stern erworben. Wir haben unseren dritten Deutschen Meistertitel geholt!
Ab sofort bittet die AG-Leitung um Vorschläge, wie die jetzt drei Sterne künftig angeordnet werden sollen!
Mit einer unglaublichen Souveränität und mit neun Siegen in neun Runden bei am Ende fünf Punkten Vorsprung holt das 2026er-Team den Meistertitel. Alle Spieler haben sich in den Dienst der Mannschaft gestellt, fokussiert ihre Aufgaben gelöst und damit zu einem grandiosen Erfolg beigetragen.
Man kann es nicht besser sagen, als unser eifrigster Punktesammler. "Ich hatte mir das spannender vorgestellt." und "Ich dachte nicht, dass das so einfach wird." waren Jakobs Kommentare, die fast ein wenig enttäuscht klangen. Aber er gibt damit auch genau die Erwartung des Trainer-Teams wider. Wir waren an Position 1 gesetzt und hielten dies bis lange in den zweiten Tag hinein für eine trügerische Prognose. Schließlich zieht Justin unseren Elo-Durchschnitt weit nach oben, kann aber auch nur eine Partie pro Runde gewinnen. Wir hatten im Vorfeld ein halbes Dutzend ernsthafter Konkurrenten ausgemacht, die deutlich ausgewogener besetzt schienen. Gegen diese Mannschaften konnte man nur gewinnen, wenn der eine oder andere Spieler über sich hinauswächst.
Genau das ist uns in Bad Homburg gelungen. Wenn wir irgendwo schwächelten, war immer jemand da, der in die Bresche sprang. So stehen ungewöhnlich viele knappe Siege für genau das richtige Herangehen an den Mannschaftswettkampf. Und wenn es einmal gar nicht klappen wollte, half die Schachgöttin Caissa mit, so beim vorentscheidenden Spiel gegen Dresden, als wir wohl dem Punktverlust am nächsten waren. Selbst die ersten Glückwünsche am Sonntagmorgen wehrten wir noch ab, gaben für das Spiel der 8. Runde die Devise aus: "Es ist ein ganz normales Spiel".
Der Entwicklungsweg der letzten drei Jahre lässt sich ans Justins persönlichem Fortschritt festmachen:
3½ Punkte zu Bronze – 5½ Punkte zu Silber – 7½ Punkte zu Gold.
Er ist zu einem echten Führungsspieler gereift, auf dessen Beitrag zum Mannschaftsergebnis man sich verlassen kann. Als Elo-Bester des ganzen Turniers lastete eine große Verantwortung
auf ihm, zumal die kurze Bedenkzeit gewiss nicht seine Schokoladendisziplin ist. Dass es diesmal für ihn perfekt läuft, wussten wir spätestens nach Runde 3,
als Justin einen Spieler besiegte, dem er vor zwei Jahren an gleicher Stelle noch unterlegen war.
Wir haben nie die Brettpreise in unseren Fokus genommen und daher auch vergleichsweise selten einen solchen gewonnen. Auch Jakob (auf dem Foto links) stellte seine Ambitionen zurück,
wenn es für die Mannschaft wichtiger war, das Remis zu sichern. Seine schachliche Klasse ist unbestritten und war die Basis für ein herausragendes Ergebnis mit sieben Siegen
und zwei Remispartien. Wenn es einmal brenzlig wurde, blieb Jakob cool und wurde auch dafür belohnt. Dass er mit seinem Ergebnis nie ganz zufrieden ist, wissen wir schon.
Er hätte auch bei neun Siegen noch ein Haar in der Suppe gefunden.
Was für eine Geschichte! Vor einem Jahr stand Konstantin (auf dem Foto rechts) bei dieser Meisterschaft völlig neben sich, verlor sogar seinen Stammplatz im Team. Auch in den Monaten danach wollte ihm rein gar nichts gelingen. Die DWZ sackte in den Keller, ernüchternde Turnierergebnisse hinterließen uns ratlos. Vor dem jetzigen Turnier waren sich die Betreuer einig: "Es kommt darauf an, ob Konsti wieder in die Spur findet." Immerhin hatte es zuletzt vage Anzeichen eines Aufwärtstrends gegeben. In Bad Homburg war Konstantin wie ausgewechselt. Seine Spielstärke und auch die Einstellung zur Partie sind wieder da, wo sie schon einmal waren. Risiko und Sicherheit wurden wohl dosiert. Gerade an Brett 3, wo manche Konkurrenten noch sehr stark besetzt waren, wurden wichtige Punkte gesammelt.
Ata ist erst im Dezember zu uns gekommen. Seinen Platz im WK-IV-Team hatte unser Jüngster sofort sicher. Schon in den Berliner Team-Turnieren war er ein Mega-Gewinn für uns. Nach genau einem halben Jahr ist er Deutscher Schulschachmeister und hat einen grandiosen Anteil an diesem Erfolg. Manchmal werden Märchen wahr.
Wenn sich die Stamm-Mannschaft keine Blöße gibt, haben die Reservisten ihren Platz im Open. Planmäßig wurden Kundana und Philipp in den beiden ersten Runden im Team eingesetzt und trugen Punkte zu den beiden ersten Siegen bei. Danach wechselten im offenen Turnier Licht und Schatten. Gegenüber den vier Stammspielern merkte man noch den kleinen Unterschied: Die Sicherheit, einen Vorteil auch zu verwerten war noch nicht immer gegeben. Selbstverständlich gehörten sie zum Team, fieberten immer mit und bejubelten jeden Schritt zur Meisterschaft. Als der Titelgewinn feststand, hatten die Betreuer eine schwierige Entscheidung zu treffen. Wir wollten beiden Ersatzspielern eine zweite Chance geben. Wenn das dann aber schief geht, setzt man sich schnell dem Vorwurf der Überheblichkeit oder Wettbewerbsverzerrung aus. Doch wir hatten das Gefühl, dass es gut gehen würde, und wir wurden nicht enttäuscht.
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| Philipp | Kundana | Ata |
Der Statistik-Freak liest aus dem Ergebnis von Bad Homburg noch viele spannende Details. Es war nicht nur der dritte Meistertitel und die neunte DSSM-Medaille. Der Sieg in Runde 8 war unser 100. Mannschaftssieg bei Deutschen Meisterschaften. Eine Runde später gab es den 999. Mannschaftssieg über alle Meisterschaften. Justin holte nach 9x Silber jetzt endlich Gold mit einer Schulmannschaft, für Philipp hingegen ist schon die allererste Mannschafts-Medaille die wertvollste, die es überhaupt geben kann. Auch in der Bilanz gegen die einzelnen Bundesländer ist jetzt der letzte Makel getilgt: Gegen Sachsen hatten wir bisher eine Negativ-Bilanz, jetzt ist sie ausgeglichen, weil wir das Dresdner "MANOS" nach drei Niederlagen endlich besiegen konnten.
Bericht und Fotos: Thomas Binder
Lesen sie weiter in Teil 2 dieses Berichtes.